Auf kleiner großer Fahrt  Mit der „Gulden Leeuw“ von Emden aus zur See

| | 02.06.2024 13:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ansgar Mitze (links) und Birte Siemes kommen zwar nicht von der Küste, Geschick an den Tauen bewiesen sie bei der Ausfahrt der „Gulden Leeuw“ aber dennoch. Foto: Hock
Ansgar Mitze (links) und Birte Siemes kommen zwar nicht von der Küste, Geschick an den Tauen bewiesen sie bei der Ausfahrt der „Gulden Leeuw“ aber dennoch. Foto: Hock
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Mit einem Traditionssegler hinaus auf die See fahren. Dieser Traum wurde für fast 100 Gäste in Emden für ein paar Stunden wahr – und wir waren mit dabei.

Emden - Im Hintergrund, auf der Bühne am Hafentor in Emden, singt ein Shantychor. Der Traditionssegler „Gulden Leeuw“ hat gerade die Motoren angeworfen und schiebt sich vom Anleger weg. Die Crew ruft Abstände und andere Informationen Richtung Brücke, wo Kapitän Robert Postuma die Hand am Steuer hat. „All clear, all lines are off!“, „alles frei, alle Leinen los“, ruft jemand. Der Weg aus der „Parklücke“ ist geschafft. Jetzt Kurs in Richtung See.

Die „Gulden Leeuw“ (deutsch: Goldener Löwe) ist ein 1937 erbauter Dreimast-Toppsegelschoner und wird vom Ehepaar Postuma als Familienunternehmen betrieben. Das Schiff ist unter anderem als segelndes Klassenzimmer auf Reisen um die Welt unterwegs. Erst im Mai kehrte das Segelschiff mit mehr als 40 Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften des Hermann-Lietz-Internats auf Spiekeroog an Bord von einer acht Monaten dauernden und 15.000 Seemeilen langen Reise nach Deutschland zurück. Die „Gulden Leeuw“ bietet aber auch Ausfahrten auf Veranstaltungen wie den Matjestagen in Emden an.

Ausfahrt auf der „Gulden Leeuw“: Ein Tag voller maritimer Erlebnisse

Kapitän Robert Postuma am Steuerrad des Traditionsschiffes. Foto: Hock
Kapitän Robert Postuma am Steuerrad des Traditionsschiffes. Foto: Hock
Und genau auf dieser Ausfahrt hat diese Zeitung teilgenommen – zusammen mit etwas mehr als 90 anderen Ostfriesen, Urlaubern und Schiffsbegeisterten. Während sich das Schiff in Richtung Große Seeschleuse bewegt, fühlt man sich an Bord schon besonders. Denn: Auch ohne gehisste Segel ist der Dreimaster ein Hingucker. Entlang des Delftes und an der Eisenbahnbrücke, wo das Schiff erstmal warten muss, stehen viele Schaulustige, machen Fotos und Videos. Ein Brautpaar, welches an Bord eines anderen Schiffes feiert, bekommt von der „Gulden Leeuw“ herzliche Glückwünsche und Applaus.
Klaus Dirks und sein Enkel Mats. Foto: Hock
Klaus Dirks und sein Enkel Mats. Foto: Hock

Auch an der Seeschleuse ist erstmal Warten angesagt. Der Stimmung an Bord tut das keinen Abbruch. Bei leichtem Nieselregen sitzen die meisten Gäste dennoch an Deck und nicht in der Messe. Unter den Gästen sind auch Klaus Dirks und sein Enkel Mats. Warum sie mitfahren? „Ich wollte mir das mal gönnen, aber vor allem einen schönen Tag mit meinem Enkel verbringen, sagt Dirks. Mats findet es „cool, auf so einem Segler unterwegs war. Mit großen Schiffen kennt sich der Achtjährige aber schon sehr gut aus, auch auf der Borkumfähre war er schon unterwegs, verrät er.

Auf der „Gulden Leeuw“: Segel setzen mit Emilie und Kasia

Emilie kommt aus Dänemark und gehört zur Crew der „Gulden Leeuw“. Foto: Hock
Emilie kommt aus Dänemark und gehört zur Crew der „Gulden Leeuw“. Foto: Hock
Das Highlight der Reise beginnt dann kurz hinter der Seeschleuse. Dann, als die 19-jährige Emilie und ihre 41 Jahre alte Kollegin Kasia in vollem Arbeitsgeschirr an Deck kommen. Emilie kommt aus Dänemark, hat eine Ausbildung auf dem Schulschiff Danmark gemacht und liebt die See. Kasia kommt aus Polen und fährt als Bootsfrau schon länger bei den Postumas. Ihre Aufgabe: Segel setzen.
Volle Konzentration: Bootsfrau Kasia aus Polen beim Segelsetzen. Foto: Hock
Volle Konzentration: Bootsfrau Kasia aus Polen beim Segelsetzen. Foto: Hock

Video
Emder Matjestage: Unterwegs mit der "Gulden Leeuw" | Gäste dürfen auch anpacken
01.06.2024

Das geht aber nicht ohne die tatkräftige Unterstützung der Gäste an Bord. Schnell und routiniert haben Emilie und Kasia genug Hände zusammen. Schnell erklären sie, wer was zu tun hat. Und dann wird im Takt von Kasias Rufen an den dicken Tauen und Seilen gezogen. Zu den helfenden Händen gehören auch die von Birte Siemes aus Düsseldorf. Sie feierte ihren 43. Geburtstag auf dem Schiff. „Das habe ich mir selbst geschenkt“, sagt sie. Sie liebe Segelschiffe, sei aber noch nie auf einem so großen mitgefahren. Die „Gulden Leeuw“, die an diesem Tag mit einer Crew von zwölf Männern und Frauen unterwegs ist, ist gut 70,1 Meter lang, 8,6 Meter breit und hat einen Tiefgang von 4,2 Metern.

Birte Siemes feierte an Bord ihren Geburtstag. Foto: Hock
Birte Siemes feierte an Bord ihren Geburtstag. Foto: Hock

Siemes lässt sich kaum einen Handschlag an Deck entgehen. Beim Hissen und auch beim Raffen der Segel ist sie mit dabei – auch wenn das Wetter beim Raffen von Niesel zu leichtem Wolkenbruch übergegangen ist. Ebenfalls fast immer mit an den Seilen ist Ansgar Mitze. Der 55-Jährige aus Iserlohn macht gerade Urlaub in Ostfriesland und nutzte die Chance, mit dem Segler rauszufahren. Der Regenguss beim Raffen oder die Anstrengungen an den dicken tauen machten weder Siemes noch Mitze etwas aus. Im Gegenteil: Die gute Laune stand beiden ins Gesicht geschrieben.

Die „Gulden Leeuw“ beim Anlegen im Emder Delft. Foto: Weiden
Die „Gulden Leeuw“ beim Anlegen im Emder Delft. Foto: Weiden

Rund fünf Stunden dauert die Ausfahrt der „Gulden Leeuw“ an diesem Tag. Nebenbei lernen die Fahrgäste nicht nur etwas über Segelschiffe, sondern auch viel über den Humor von Kapitän Robert Postuma. Die wichtigste Regel für die Fahrt, das erklärt Postuma direkt zu Anfang, sei: „An Bord bleiben!“ Außerdem erkenne man auch an den Rettungswesten, dass die Niederlande eine Seefahrernation seien. „Die sind orange“, so Postuma.

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