Auf kleiner großer Fahrt Mit der „Gulden Leeuw“ von Emden aus zur See
Mit einem Traditionssegler hinaus auf die See fahren. Dieser Traum wurde für fast 100 Gäste in Emden für ein paar Stunden wahr – und wir waren mit dabei.
Emden - Im Hintergrund, auf der Bühne am Hafentor in Emden, singt ein Shantychor. Der Traditionssegler „Gulden Leeuw“ hat gerade die Motoren angeworfen und schiebt sich vom Anleger weg. Die Crew ruft Abstände und andere Informationen Richtung Brücke, wo Kapitän Robert Postuma die Hand am Steuer hat. „All clear, all lines are off!“, „alles frei, alle Leinen los“, ruft jemand. Der Weg aus der „Parklücke“ ist geschafft. Jetzt Kurs in Richtung See.
Die „Gulden Leeuw“ (deutsch: Goldener Löwe) ist ein 1937 erbauter Dreimast-Toppsegelschoner und wird vom Ehepaar Postuma als Familienunternehmen betrieben. Das Schiff ist unter anderem als segelndes Klassenzimmer auf Reisen um die Welt unterwegs. Erst im Mai kehrte das Segelschiff mit mehr als 40 Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften des Hermann-Lietz-Internats auf Spiekeroog an Bord von einer acht Monaten dauernden und 15.000 Seemeilen langen Reise nach Deutschland zurück. Die „Gulden Leeuw“ bietet aber auch Ausfahrten auf Veranstaltungen wie den Matjestagen in Emden an.
Ausfahrt auf der „Gulden Leeuw“: Ein Tag voller maritimer Erlebnisse
Auch an der Seeschleuse ist erstmal Warten angesagt. Der Stimmung an Bord tut das keinen Abbruch. Bei leichtem Nieselregen sitzen die meisten Gäste dennoch an Deck und nicht in der Messe. Unter den Gästen sind auch Klaus Dirks und sein Enkel Mats. Warum sie mitfahren? „Ich wollte mir das mal gönnen, aber vor allem einen schönen Tag mit meinem Enkel verbringen, sagt Dirks. Mats findet es „cool, auf so einem Segler unterwegs war. Mit großen Schiffen kennt sich der Achtjährige aber schon sehr gut aus, auch auf der Borkumfähre war er schon unterwegs, verrät er.
Auf der „Gulden Leeuw“: Segel setzen mit Emilie und Kasia
Das geht aber nicht ohne die tatkräftige Unterstützung der Gäste an Bord. Schnell und routiniert haben Emilie und Kasia genug Hände zusammen. Schnell erklären sie, wer was zu tun hat. Und dann wird im Takt von Kasias Rufen an den dicken Tauen und Seilen gezogen. Zu den helfenden Händen gehören auch die von Birte Siemes aus Düsseldorf. Sie feierte ihren 43. Geburtstag auf dem Schiff. „Das habe ich mir selbst geschenkt“, sagt sie. Sie liebe Segelschiffe, sei aber noch nie auf einem so großen mitgefahren. Die „Gulden Leeuw“, die an diesem Tag mit einer Crew von zwölf Männern und Frauen unterwegs ist, ist gut 70,1 Meter lang, 8,6 Meter breit und hat einen Tiefgang von 4,2 Metern.
Siemes lässt sich kaum einen Handschlag an Deck entgehen. Beim Hissen und auch beim Raffen der Segel ist sie mit dabei – auch wenn das Wetter beim Raffen von Niesel zu leichtem Wolkenbruch übergegangen ist. Ebenfalls fast immer mit an den Seilen ist Ansgar Mitze. Der 55-Jährige aus Iserlohn macht gerade Urlaub in Ostfriesland und nutzte die Chance, mit dem Segler rauszufahren. Der Regenguss beim Raffen oder die Anstrengungen an den dicken tauen machten weder Siemes noch Mitze etwas aus. Im Gegenteil: Die gute Laune stand beiden ins Gesicht geschrieben.
Rund fünf Stunden dauert die Ausfahrt der „Gulden Leeuw“ an diesem Tag. Nebenbei lernen die Fahrgäste nicht nur etwas über Segelschiffe, sondern auch viel über den Humor von Kapitän Robert Postuma. Die wichtigste Regel für die Fahrt, das erklärt Postuma direkt zu Anfang, sei: „An Bord bleiben!“ Außerdem erkenne man auch an den Rettungswesten, dass die Niederlande eine Seefahrernation seien. „Die sind orange“, so Postuma.