Geisterfahrer unterwegs  Gefährlicher Kreisel in Stapelmoor – kein Einzelfall im Landkreis Leer

| | 07.06.2024 13:05 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Harm Meinders steht an der Stelle, wo in Möhlenwarf der kombinierte Geh- und Fahrradweg endet. Radfahrer, die hier auf den Radweg auf der rechten Seite wechseln, werden automatisch korrekt durch den Kreisel geführt. Foto: Gettkowski
Harm Meinders steht an der Stelle, wo in Möhlenwarf der kombinierte Geh- und Fahrradweg endet. Radfahrer, die hier auf den Radweg auf der rechten Seite wechseln, werden automatisch korrekt durch den Kreisel geführt. Foto: Gettkowski
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Harm Meinders vom ADFC Rheiderland hält nicht nur den Kreisverkehr in Stapelmoor für gefährlich. Er sieht auch am Kreisel in Möhlenwarf Radfahrer in Gefahr, zum Teil selbst verschuldet.

Bunde - Der tödliche Fahrradunfall am Kreisel in Stapelmoor hat im Rheiderland die Diskussion um die Gefahren für Radfahrer hochkochen lassen. Ortsvorsteher Bernhard Siemons hält die Beschilderung, die es Fahrradfahrern erlaubt, den Kreisel in beiden Fahrtrichtungen zu durchfahren, für grob fahrlässig. Der Landkreis will daran aber nicht rütteln. Am Kreisel in Möhlenwarf sollten Radfahrer ebenfalls achtsam sein.

Harm Meinders ist leidenschaftlicher Fahrradfahrer. Er ist Vorsitzender des Rheiderländer Ortsvereins des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), und legt jedes Jahr hunderte von Kilometern mit dem Fahrrad zurück. Gemeinsam mit seiner Frau Monika leitet er auch die ADFC-Feierabendtouren. Die „Problemzonen“ des Rheiderlandes kennen die beiden nur zu gut. Eines ärgert ihn gewaltig. Viele Radfahrer halten sich nicht an die Verkehrsregeln. Diese Rowdys bringen sich und andere in Gefahr. So auch in Möhlenwarf.

Der Kreisverkehr in Möhlenwarf ist kein Unfallbrennpunkt, auch wenn man dort ein häufiges Fehlverhalten von Radfahrern beobachten kann. Foto: Meinders
Der Kreisverkehr in Möhlenwarf ist kein Unfallbrennpunkt, auch wenn man dort ein häufiges Fehlverhalten von Radfahrern beobachten kann. Foto: Meinders

Geisterfahrer unterwegs

Die B 436 zwischen Weener und Bunde wird von Fahrradfahrern stark frequentiert. Schüler, Berufspendler und Fahrradtouristen nutzen die Strecke. Aus Richtung Weener darf entgegengesetzt der Fahrtrichtung auf dem Radweg gefahren werden. Es ist nur auf einer Fahrbahnseite ein Radweg vorhanden. In Höhe des Ortseingangs von Möhlenwarf gibt es auch auf der anderen Seite einen Radweg.

„Bei der Sanierung der B 436 wurde er saniert und sogar verbreitert“, erzählt Ortsvorsteher Garrelt Janssen. „Trotzdem wechselt kaum jemand“, schildert Harm Meinders seine Beobachtung. „Wer sich rechtskonform verhalten will und sich sicher im Straßenverkehr bewegen will, muss dort auf die andere Straßenseite wechseln“, erklärt Hans-Günter Jelting. Er ist bei der Polizeiinspektion Leer/Emden für den Sachbereich Verkehr zuständig und gleichzeitig Vorsitzender der Kreisverkehrswacht.

Fehlverhalten ist weit verbreitet

„Fahrradfahrer, die dort weiter in verkehrter Fahrtrichtung unterwegs sind, fahren in Richtung Bunde auch verkehrt herum in den Kreisel“, kritisiert Meinders ein häufig zu beobachtendes Fehlverhalten der Fahrradfahrer. Ein weiteres Problem: Fahrradfahrer, die Richtung Tichelwarf wollen, bleiben in verkehrter Fahrtrichtung auf dem linken Radweg. „Weil der nicht in beiden Richtungen freigegeben ist, müssten sie eigentlich die rechte Fahrbahn benutzen, aber das tut kaum jemand“, beobachte er immer wieder. Dass diese „Geisterfahrer“ große Gefahren aussetzen, kann Günter Jelting bestätigen. „Wir haben vermehrt dort Unfallschwerpunkte, wo Radfahrer auf der falschen Seite fahren“, so Jelting. Die Autofahrer rechneten nicht damit, dass die Radfahrer aus der anderen Richtung kämen.

Statt der Empfehlung des Schildes zu folgen und auf den Radweg an der rechten Seite der Bundesstraße zu wechseln, fahren viele Radfahrer weiter. Am Kreisel führt das zu gefährlichen Situationen, hat Harm Meinders beobachtet. Foto: Gettkowski
Statt der Empfehlung des Schildes zu folgen und auf den Radweg an der rechten Seite der Bundesstraße zu wechseln, fahren viele Radfahrer weiter. Am Kreisel führt das zu gefährlichen Situationen, hat Harm Meinders beobachtet. Foto: Gettkowski

Dennoch sei dieses Fehlverhalten weit verbreitet. „Viele Fahrradfahrer suchen einfach den kürzesten Weg, das lässt sich auch mit Verkehrsschildern nicht ausmerzen“, bringt er seine Erfahrungen auf den Punkt. Für ihn sei wichtig, beispielsweise bei Pedelec-Schulungen bei den Teilnehmern ein Gefahrenbewusstsein zu entwickeln.

Appell durch Warnschilder

Wie Harm Meinders hält auch er Kontrollen durch die Polizei für effektiv. „Wichtiger als ein Verwarngeld auszusprechen, ist dabei das persönliche Gespräch“, macht er deutlich, „den Leuten muss bewusst gemacht werden, das Blech ist stärker als das Fahrrad.“ Und: Wenn es kracht, müssten Radfahrer auch mithaften.

Um auf diese Gefahr der Geisterfahrer aufmerksam zu machen, haben der Landkreis Leer und die Verkehrswacht Schilder an Radwegen aufgestellt. „Geisterradler gefährden“, mahnen die Schilder. „Unter anderem stehen sie in Uplengen, in Flachsmeer und bei McDonald′s in Leer“, berichtet Jelting. Vielleicht zeigen die Schilder doch Wirkung. Zumindest bei McDonald′s ist laut Jelting seitdem keine Unfallhäufung mehr zu beobachten.

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