Kunst am Hafen Schäbiges Wartehäuschen in Petkum bekommt schickes Graffiti
Erst kam die Fischbude, jetzt ist auch der Unterstand für den Fähranleger von Petkum nach Ditzum attraktiver gestaltet. Touristen gefällt es, andere haben schon versucht, das Kunstwerk zu zerstören.
Emden - Das schäbige Dasein des Wartehäuschens am Petkumer Hafen hat ein Ende. An diesem Freitag, 28. Juni 2024, will Germar Claus, Fassaden-Künstler aus Leer, seine Landschaftsbilder drinnen wie draußen an dem Häuschen vollenden. Und damit wird auch eine Absichtserklärung der Stadt Emden umgesetzt, die anlässlich der neuen Fischbude angekündigt hatte, den Hafen etwas attraktiver gestalten zu wollen.
Zwei Wochen lang haben Claus und Mitarbeiter seiner Firma Freischütz mit Sprühdosen und Lackstiften an der Wartehäuschen-Verschönerung gearbeitet. Und eigentlich haben sie mit dem Werk das Wartehäuschen beinahe unsichtbar gemacht, jedenfalls von innen. Sitzt man darin, lässt das Motiv der Deichlandschaft die Wände beinahe verschwinden. Man hat den Eindruck, der Blick wäre unverbaut. „Das war die Absicht“, erklärt Claus. „Die Stadt hatte den Wunsch der fotorealistischen Abbildung.“
Wappen und Vögel als Motive
Dazu kommen Motive aus der Natur. Die Halle erhält außen rundum eine Nahaufnahmen-Bemalung mit zwei am Deich heimischen Vögeln in Übergröße. Dieses Motiv wurde in Absprache mit dem Fachdienst Umwelt und Klimaschutz entwickelt. So ziert auf der einen Seite ein in der Umgebung brütender Säbelschnäbler das Häuschen, von der anderen Seite ein Rotschenkel, der auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht.
Den Eingang verschönern die Wappen von Petkum und Ditzum in Anlehnung an die Funktion des Häuschens. Schließlich suchen darin bei Wind und Wetter Fahrgäste der entsprechenden Fährverbindung Schutz.
Klo umgeworfen und Skizzen übersprüht
Derartige realistische Darstellungen sind nicht mehr unbedingt nur mit der Sprühdose zu erreichen, erklärte der Künstler. Einige Konturen, etwa auch vom filigranen Aussichtsturm, hat er deshalb mit dem Lackstift gezeichnet. Und bevor überhaupt eine Sprühdose zum Einsatz kommt, überträgt Claus die Entwürfe mit Handy und I-Pad auf die Wand.
Nach einigen dieser Vorarbeiten hat Claus in den vergangenen zwei Wochen aber auch schon böse Überraschungen erlebt. „Der Platz ist prädestiniert dafür, dass Nachtschwärmer hier ihr Unwesen treiben, wie wir bereits selbst gemerkt haben“, sagte Claus. So sei in der Nacht von vergangenem Freitag auf Samstag das Dixi-Klo umgeworfen worden und im Innenraum der Wartehalle erste Vorskizzen an der Wand bereits übersprüht.
Mehr Respekt eingefordert
Den Kunstwerk-Schändern bot Claus deshalb zwischenzeitlich per Wandzettel einen kostenlosen Workshop an, um das Sprühen professionell zu erlernen. Er bat allerdings auch darum, das Bild „heile zu lassen und etwas mehr Respekt zu zeigen“. Ob dieses Angebot angenommen wird?
Der Künstler und seine Auftraggeberin, die Stadt Emden, gehen da lieber auf Nummer sicher. Nach Fertigstellung des Kunstwerks sollen alle Wände einen speziellen Schutzanstrich bekommen. Andere Farbschmierereien können dann mittels Spezialreiniger von der dann versiegelten Fläche abgewaschen werden.
Touristen sind begeistert
Claus freut sich, dass die Stadt Emden diese Lösung gleich mitgebucht hat. Und erst darüber, dass er nach der Ausschreibung vor ein paar Monaten als Anbieter aus Leer den Zuschlag bekommen hat. In der Vergangenheit waren in Emden für die Stadt oder Stadtwerke für vergleichbare Aufträge überregionale Fassaden- und Graffiti-Künstler aus Münster, Rostock oder Potsdam gebucht worden.
Seine Arbeit an dem Wartehäuschen ist dabei durchaus schon zur Kenntnis genommen worden. „Die vielen Touristen sind aktuell sehr begeistert und können unserer Umsetzung live beiwohnen“, sagte Claus. Er selber habe selten so einen schönen Ausblick wie am Petkumer Hafen bei der Arbeit gehabt.
Augenblicklich stört eigentlich nur noch das Dixi-Klo das Ambiente am Hafen. Aber auch zu einer von vielen geforderten festen Toilettenanlage am Petkumer Hafen hatte Oberbürgermeister Tim Kruithoff anlässlich des neuen Angebots mit der Fischbude gesagt, dass das noch ein Problem sei, „worüber man reden kann“.
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