Cannabis-Legalisierung  Cannabis-Anbauvereine in Ostfriesland – Vereinssprecher im Gespräch

| | 03.07.2024 15:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das Archivfoto zeigt Hanfsämlinge, die auf einer Hanfmesse zum Verkauf angeboten wurden. Foto: dpa
Das Archivfoto zeigt Hanfsämlinge, die auf einer Hanfmesse zum Verkauf angeboten wurden. Foto: dpa
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Auch in Ostfriesland können Volljährige jetzt Cannabis-Clubs gründen. Wie Sprecher Keno Mennenga die Zukunft sieht und warum die Clubs in Emden und Aurich noch keine festen Treffpunkte haben.

Ostfriesland - Wer volljährig ist, kann ab sofort bei Vorlage eines aktuellen Führungszeugnisses einen Antrag für einen Cannabis-Anbauverein stellen. Mindestens zwei Clubs gibt es bereits in Ostfriesland: einen in Emden und einen in Aurich. Keno Mennenga ist Sprecher des Gesamtvereins Mariana Cannabis. Bundesweit betreut er bisher 180 sogenannte Cannabis Social Clubs (CSC). Er erklärt im Interview unter anderem, warum sich die Clubs in Emden und Aurich noch in keiner Immobilie treffen können.

Keno Mennenga, Sprecher des Gesamtvereins Mariana Cannabis. Foto: privat
Keno Mennenga, Sprecher des Gesamtvereins Mariana Cannabis. Foto: privat

Herr Mennenga, Sie sind der Sprecher des Gesamtvereins Mariana Cannabis, der bundesweit etwa 180 Cannabis Social Clubs betreut. Wie viele Clubs gibt es denn jetzt seit dem 1. Juli in Ostfriesland?

Keno Mennenga: Wir haben bisher 180 Clubs bundesweit gegründet, davon jeweils einen in Aurich und Emden. Es gibt jedoch eine viel größere Zahl weiterer CSCs, die sich aktuell aus folgenden Gründen nicht genau bestimmen lässt: Die Vereine sind noch nicht gegründet. Sie sind gegründet, aber noch nicht eingetragen. Sie sind eingetragen, haben aber keine Onlinepräsenz. Es gibt noch kein einheitliches Register für alle CSCs in Deutschland, was es zu diesem Zeitpunkt unmöglich macht, eine genaue Zahl zu nennen. Außerdem sind noch nicht alle CSCs miteinander vernetzt.

Wie viele Mitglieder hatten Sie in unserer Region zum Start und mit wie vielen rechnen Sie zum Jahresende? Im Internet sind ja auch Clubs in Norden, Leer und Wittmund zu finden.

Mennenga: Zu Beginn waren es nur wenige Mitglieder im einstelligen Bereich. Jedoch gehören einige Mitglieder aus Ostfriesland zu unseren engagiertesten, welche uns sogar auf Messen begleiten und auch hin und wieder in der Zentrale in Göttingen zu finden sind. Mittlerweile sind wir in Ostfriesland etwa 150 Mitglieder in zwei Clubs, von denen der in Aurich auch schon einen Ansprechpartner hat.

Sie können in Ihren Clubs ja gezielt Cannabis anbauen. Wie sichern Sie sich eigentlich gegen Einbruch?

Mennenga: Es gibt klare Anforderungen, die wir an die Anbau- und Abgabeorte haben. Ich gehe da jetzt natürlich nicht auf technische Details ein, verrate aber wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass es nicht leicht sein wird, sich unbemerkt Zutritt zu verschaffen. Wenn man es dennoch schafft, lohnt es sich übrigens weniger, als man vermuten könnte. Bargeld wird es bei uns sowieso nicht geben. Unsere Mitglieder beziehen ihr Cannabis von ihren Beiträgen und diese werden überwiesen. Auch wird es kein Lager mit tonnenweise Cannabis geben. Wir haben aber natürlich genug Cannabis vorrätig, um den Bedarf unserer Mitglieder decken zu können. Dass sich der Aufwand und das Risiko für diese Menge rechnen, wage ich einmal zu bezweifeln.

Ist es oder war es eigentlich schwer, geeignete Räume in Ostfriesland zu finden?

Mennenga: Die Auflagen für die Immobilien sind streng und schränken die Auswahl natürlich ein. Bisher haben wir für Aurich und Emden noch keine passende Immobilie gefunden, sind aber sehr zuversichtlich, dass sich das bald ändern wird.

Haben Sie keine Angst, dass vor der Haustür des Clubs jetzt nur noch gekifft wird?

Mennenga: Der gemeinsame Konsum im Club selbst ist unsinnigerweise verboten. Aber vor der Tür? Da stelle ich mich dazu und frage, ob jemand Feuer für mich hat. Es ist ein neues Recht, Cannabis als Konsument straffrei zu sich zu nehmen. Wir sollten uns an den Anblick ebenso gewöhnen wie an den von Alkohol.

Wie viele unterschiedliche Clubs oder Anbieter gibt es eigentlich?

Mennenga: Das wird sich zeigen. Die Auflagen sind hart. Es wird sich zeigen, welche Konzepte Bestand haben. Wir hoffen auf möglichst viele.

Machen Sie sich jetzt gegenseitig Konkurrenz?

Mennenga: Konkurrenz? Nein. Der Bedarf ist wesentlich größer, als dass ihn die CSCs alleine decken könnten. Das Gegenteil ist der Fall. Immer mehr CSCs vernetzen sich miteinander, tauschen sich aus, lernen und organisieren sich. Ich konnte das selbst bei vielen Gelegenheiten beobachten, wie etwa bei gemeinsamen Gesprächen mit Politikern, auf Messen, Konferenzen oder Meetings. Die CSCs sind keine Konkurrenz, Rivalen oder Gegner. Sie sind eine sich gerade neu formende Community innerhalb der Cannabis-Community.

Wie finanziert sich der Club eigentlich und überprüfen Sie Ihre Mitglieder vorher?

Mennenga: Der Club finanziert sich über die monatlichen Mitgliedsbeiträge. Diese sind bei uns zwischen zehn und 100 Euro wählbar. Es gibt aber viele verschiedene Modelle der Finanzierung oder Preisgestaltung. Jeder muss da seinen eigenen Weg gehen.

Es gibt immer noch große Kritik an der Legalisierung. Was, wenn eine neue Regierung das Gesetz wieder einkassiert?

Mennenga: Das machen wir unmöglich. Ich bin fest davon überzeugt, dass, wenn wir jetzt handeln und so viele CSCs aufbauen, wie wir können, wir Menschen aus der Kriminalität holen und einen wirklich bedeutenden Beitrag zur Suchtprävention leisten. Wir schaffen Arbeitsplätze und wandeln den Schwarzmarkt in einen regulierten Markt um. Niemand kann dieses Gesetz wieder zurücknehmen. Es wäre so, als würde man die Zahnpasta wieder zurück in die Tube quetschen wollen.

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