Einzelhandel in Emden  Emder Innenstadt-Discounter jetzt mit Sicherheitsmann

| | 18.07.2024 15:57 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Draußen viel los, drinnen überwacht der Sicherheitsdienst: die Aldi-Filiale in der Lookvenne. Foto: Schuurman
Draußen viel los, drinnen überwacht der Sicherheitsdienst: die Aldi-Filiale in der Lookvenne. Foto: Schuurman
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Gibt es mehr Diebstähle und Übergriffe auf die Aldi-Filiale in der Emder Innenstadt? Oder warum wacht dort die Security? Die Polizei nennt Zahlen und glänzt mit ihrer Aufklärungsquote.

Emden - So mancher Kunde mag da staunen: In der Aldi-Filiale in der Emder Innenstadt hält seit einigen Tagen eine Sicherheitsfachkraft Wache wie in einem Brennpunkt-Viertel einer Großstadt. Das Kassen-Personal gibt sich auf Nachfrage bedeckt. Es sei nun mal leider nötig, heißt es unter vorgehaltener Hand. Aldi selbst will sich zum neuen Sicherheitskonzept nicht weiter äußern.

Auffällig ist auch, dass sämtliche Kassen in der Filiale wie zu Zeiten der Pandemie mit Plexiglas-Scheiben eingehaust sind und damit womöglich nicht nur als Barriere gegen Viren und Bakterien, sondern auch zu anderweitigem Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dienen.

Plexiglas in allen Aldi-Filialen

„Die Gesundheit sowie die Sicherheit unserer Mitarbeitenden sind für uns wichtige Themen, die wir fortlaufend bewerten“, teilt Pressesprecher Dennis Boczek von Aldi Nord gegenüber dieser Zeitung mit. „Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre im Umgang mit Schutz- und Hygienemaßnahmen sind deswegen auch derzeit alle Kassen unserer 2200 Aldi Nord-Märkte mit einer Plexiglasvorrichtung ausgestattet.“ Er warb um Verständnis dafür, dass sein Unternehmen sich zu weiteren Sicherheitsmaßnahmen öffentlich nicht äußern möchte.

Hier werden die Kunden noch freundlich erinnert, die Ware im Laden zu bezahlen: Olivenbäume und Palmen vor der Blumen Ideal-Filiale in der Fußgängerzone Zwischen beiden Sielen. Foto: Schuurman
Hier werden die Kunden noch freundlich erinnert, die Ware im Laden zu bezahlen: Olivenbäume und Palmen vor der Blumen Ideal-Filiale in der Fußgängerzone Zwischen beiden Sielen. Foto: Schuurman

Aber was sind die Gründe dafür, dass da zwischen Kasse und Ausgang ein Mensch dauerhaft parat stehen muss, der aufpasst, dass beim Einkauf in einem Lebensmittelmarkt alles in geregelten Bahnen abläuft? Gibt es dort mehr Diebstähle, womöglich sogar Übergriffe auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Wie sieht es in anderen Lebensmittelmärkten und Geschäften in der Innenstadt aus? Bislang kennt man den Sicherheitsdienst in der Emder Innenstadt allenfalls aus einer Drogerie, in der der Security-Fachmann sogar zeitweise selbst an der Kasse sitzt.

Auch Hausfriedensbruch

„Für den von Ihnen benannten Aldi-Markt stellen wir kein größeres oder besonderes auffälliges Aufkommen an Diebstahlstaten fest“, sagt Polizeisprecherin Svenia Temmen von der Polizeiinspektion Leer/Emden. Eine Kleinigkeit ist es aber auch nicht, was bereits in diesem Jahr in den Ermittlungsakten der Polizei angelegt werden musste: Seit Jahresbeginn wurden von der Aldi-Filiale Lookvenne sechs Ladendiebstähle und drei Taschendiebstähle gemeldet. In einem Fall hat ein Täter eine Mitarbeiterin mit einer Flasche gedroht, ist dann aber geflüchtet. Dreimal wurde Hausfriedensbruch festgestellt, wie Temmen aufzählt.

„Unauffällig“: Die Polizei verzeichnet im Innenstadt-Edeka am Neuen Markt nicht mehr Diebstähle als sonst. Foto: Schuurman
„Unauffällig“: Die Polizei verzeichnet im Innenstadt-Edeka am Neuen Markt nicht mehr Diebstähle als sonst. Foto: Schuurman

Der Edeka-Markt am Neuen Markt sei ebenso „unauffällig“ und verzeichne nur wenige Ladendiebstähle. Anders sehe es im Combi-Markt an der Neutorstraße aus. „Der Combi-City mit seinen besonders langen Öffnungszeiten und der Selfscankasse lässt dagegen den einen oder anderen mehr das Risiko eingehen, einen Ladendiebstahl zu begehen, obwohl dort auf die elektronische Überwachung hingewiesen wird,“ sagt Temmen. Seit Jahresbeginn kam es dort zu 25 Diebstählen.

Hohe Aufklärungsquote

Die Anzeigen würden der Polizei vom Leeraner Unternehmen Bünting, das die Combi-Märkte betreibt, mit den dazugehörigen Videoaufnahmen zur Verfolgung übersandt. Eine Quote, wie viele dieser aktuellen Diebstähle aufgeklärt wurden, gebe es zwar noch nicht. Aber allgemein kann sich die Polizei mit ihrer Ermittlungsarbeit sehen lassen. „Die Aufklärungsquoten sind sehr gut“, sagt Temmen.

Dort gibt es die meisten Diebstähle, aber auch die meisten aufgeklärten Fälle: der Combi City in den Neutor Arkaden. Foto: Schuurman
Dort gibt es die meisten Diebstähle, aber auch die meisten aufgeklärten Fälle: der Combi City in den Neutor Arkaden. Foto: Schuurman

Genau 92,12 Prozent der Täterinnen oder Täter wurden 2023 ermittelt. Die kompletten Zahlen für Ladendiebstahl bezogen auf das gesamte Stadtgebiet belaufen sich im vergangenen Jahr auf 419 Fälle. Damit hatte es 2023 einen deutlichen Sprung nach oben gegeben, die Zahlen verdoppelten sich gegenüber 2022 beinahe. 233 Fälle registrierte die Polizei seinerzeit bei einer Aufklärungsquote von 83,69 Prozent. 2021 verzeichnete sie mit 185 Fällen den tiefsten Stand bei einer Aufklärungsquote von 89,19 Prozent. Allerdings muss man dabei bedenken, dass während der Pandemie so genannte nicht systemrelevante Geschäfte zeitweise geschlossen waren und es damit weniger Gelegenheit für Diebe gab. Vorher lagen die Zahlen höher.

Kamera oder Security?

Und auch in diesem Jahr zeichnet sich bereits eine hohe Tendenz ab, wie Svenia Temmen herausfand. Allerdings sind die Zahlen noch nicht in den diversen Kategorien zwischen einfachem Diebstahl (in den Laden gehen, Ware einstecken und weg) und schwerem Diestahl (mit Einbruch) oder gewerbsmäßigem Diebstahl (Parfüm, Video-Spiele, Alkohol in größeren Mengen) unterteilt. Die bereinigten Zahlen werden in der Polizeistatistik immer erst im Folgejahr aufgeführt.

Die Aufklärungsquote scheint in jedem Fall stetig zu steigen, was zumindest den entdeckten und angezeigten Diebstahl betrifft. Das wiederum dürfte auch in den Sicherheitsmaßnahmen des Einzelhandels begründet sein, heißt: aufwendige Kameratechnik wie im Combi-City scheint sich zu amortisieren. Lohnt sich auch ein Security-Dienst, sollten andere Ladenbetreiber ähnlich aufrüsten? „Grundsätzlich sind elektronische Sicherungsmaßnahmen begrüßenswert und wahrscheinlich auch die Zukunft“, sagt Svenia Temmen. „Ob eine Firma Sicherungsmaßnahmen umsetzt, liegt aber in der Entscheidung des jeweiligen Unternehmens. Das betrifft auch den Einsatz von Sicherheitspersonal.“

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