Hotel in Greetsiel  Jufa-Absage in Greetsiel mit gemischten Gefühlen aufgenommen

| | 23.07.2024 16:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Geplant war, das Hotel nahe des früheren Bauamtes für Küstenschutz an der Straße Zur Hauener Hooge zu bauen. Foto: Wagenaar/Archiv
Geplant war, das Hotel nahe des früheren Bauamtes für Küstenschutz an der Straße Zur Hauener Hooge zu bauen. Foto: Wagenaar/Archiv
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Nach langem Schweigen zum geplanten Jufa-Hotel in Greetsiel erteilte die Hotelkette dem Fischerdorf nun die Absage. Das stößt vor Ort sowohl auf Zuspruch als auch auf Ablehnung.

Greetsiel - Der geplante Bau des Jufa-Hotels in Greetsiel hat bereits für heftige Diskussionen gesorgt, aber auch für Ratlosigkeit. Denn lange wussten weder die Krummhörner Verwaltung noch die Greetsieler selbst, ob hinter dem Deich das Jugend- und Familienhotel gebaut wird.

Jetzt ist klar: Das Hotel kommt vorerst nicht. Das freut einige Greetsieler, bedeutet es doch, dass das bei Touristen beliebte Fischerdorf von weiterem Zulauf durch das 90-Betten-Hotel verschont bleibt. Andere hätten sich durchaus gewünscht, das Übernachtungsangebot in Greetsiel mit einer Unterkunft speziell für Familien abzurunden.

Jufa hätte ganz anderes Klientel angelockt

Selbst einer, der sonst vor allem mit seiner kritischen Haltung gegenüber neuen Feriendomizilen in der Region auffällt, zeigt sich nun enttäuscht von der Absage der Hotelkette. Alfred Jacobsen, ehemaliger Ortsvorsteher von Greetsiel und SPD-Ratsherr in der Krummhörn, hatte zum Beispiel auch nach der Schließung des Greetsieler Seniorenhuus gegen die Umwandlung des Gebäudes in weitere Ferienwohnungen demonstriert. Aber die Ansiedlung des Jufa-Hotels in der Nähe des Greetsieler Deiches hätte er durchaus begrüßt, sagt Jacobsen auf Nachfrage dieser Zeitung.

„Das Hotel hätte sich ja auch vorrangig an Familien, Kinder und Jugendliche gerichtet“, so Jacobsen. „Damit hätten wir ein ganz anderes Klientel angelockt.“ Die SPD und auch die Mehrheit der anderen Parteien seien von Anfang an für die Pläne des Jugend- und Familienhotels in optimaler Deichlage gewesen.

Absage nach langem Schweigen keine Überraschung

Vorteile des Projektes sieht Jacobsen beispielsweise in der damit zusammenhängenden Aufwertung der touristischen Infrastruktur rund um das potenzielle Baugebiet, darunter der viel diskutierte Greetsieler Badesee. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es an dem See direkt am Deich weder eine Badeaufsicht noch sonstige Infrastruktur wie Toiletten, Umkleidekabinen oder einen Kiosk. Bei einer Zusage der Hotelkette für den Standort Greetsiel hätte der See aufgrund seiner direkten Nähe zum Hotel eine Aufbesserung erfahren, ist sich Jacobsen sicher.

Überrascht hat Jacobsen die Ablehnung der österreichischen Unternehmenskette allerdings nicht. „Ich war darauf vorbereitet“, sagt er. Besonders nach dem langen Schweigen zu den Plänen wäre eigentlich schon klar gewesen, dass eine Absage kommen werde. „Jetzt haben wir zumindest Gewissheit.“ Es sei zwar schade, dass das Hotel nicht kommt, aber der Tourismus in der Krummhörn würde trotz dieser Entscheidung nicht baden gehen, sagt Jacobsen. „Die Welt dreht sich weiter.“ Nun stelle er sich allerdings die Frage, was mit den Gebäuden und dem Baugrundstück passieren werde. „Ich habe die Sorge, dass wir keinen passenden Investor finden“, so Jacobsen.

„Nicht nachhaltig, nicht ökologisch, nicht notwendig“

Aus der Krummhörner Politik gibt es allerdings auch Zuspruch für die geplatzten Pläne zum Hotelbau. „Mit großer Erleichterung“ begrüßt die fbl-Fraktion um die Ratsmitglieder Heiko Ringena, Frank Schoof und Klaus Keller in einer Pressemitteilung die Absage der Jufa-Hotelkette für den Standort Greetsiel.

Zum einen war es die Größe des Hotels, die der Fraktion seit Bekanntwerden der Pläne Sorgen bereitete. Dieses wäre „auf den grünen Wiesen am Deich“ enstanden, wie es in der Mitteilung heißt, und hätte außerdem vorausgesetzt, dass das nahegelegene Bauhofgelände als Großparkplatz verwendet würde. Zudem sei das Projekt „in einem sensiblen, naturnahen Bereich am Deich“ in den Augen der Fraktionsmitglieder „zu groß und zu umweltschädlich.“ Denn mit dem Bauprojekt Jufa würde auch die Versiegelung von Flächen sowie das Errichten von Gebäuden am Deich einhergehen, schreibt Schoof im Namen der Fraktion. „Dies wäre nicht nachhaltig, nicht ökologisch und auch nicht notwendig, da es bereits mehr als ausreichende Gästekapazitäten in Greetsiel gibt“, so Schoof.

Greetsiel braucht keine weiteren Hotels

Als weiteres Argument gegen den Bau des Jufa-Hotels führt die fbl-Fraktion die bereits in Greetsiel vorhandenen Kapazitäten für Übernachtungsgäste an. Außerdem würden durch die hinzukommenden Ferienwohnungen im Greetsieler Baugebiet Grachten 2 und die Übernachtungsmöglichkeiten im „Grachtenpark“ am Hotel Steinfeld insgesamt etwa 500 zusätzliche Betten allein im Grachtenbereich Greetsiel zur Verfügung stehen. „Die fbl ist jedoch für eine Begrenzung des Zuwachses an weiteren Übernachtungskapazitäten. Dafür setzen wir uns auch bei der bereits laufenden Überplanung der Greetsieler Bebauungspläne ein“, heißt es in der Mitteilung. „Deshalb sind wir aus ökologischen, städtebaulichen und tourismuspolitischen Gründen gegen das Projekt und erfreut über dessen Absage.“

Die Absage würde laut der Pressemitteilung der fbl auch für die Gemeinde selbst eine Erleichterung darstellen, können so doch die auf etwa zwei Millionen Euro geschätzten Kosten für den Ausbau der Zugangsstraße zum Jufa-Hotel gespart werden. Und für die Aufwertung des Badesees bräuchte es sowieso keine Hotelkette, da das Gelände des Bauhofs über ausreichend Platz für die Errichtung von sanitären Anlagen für den Greetsieler Badesee verfüge.

Region Greetsiel weiterhin „im Fokus“

Konkrete Pläne für das Jufa-Hotel gab es bereits vor sechs Jahren zum ersten Mal. Ursprünglich war geplant, auf dem Gelände, welches für den Bau des Jufa-Hotels vorgesehen war, eine Jugendherberge entstehen zu lassen. Doch diese Pläne der Gemeinde ließen sich nicht realisieren. Daraufhin kam es in den Jahren 2015/16 zu ersten Gesprächen zwischen der Hotelkette Jufa und der Gemeinde, aus denen später konkretere Pläne für den Bau des Hotels resultierten.

Sowohl Verwaltung als auch Politik steckten zwischenzeitlich viel Hoffnung in das Bauprojekt. Damit ist vorerst Schluss. Aber: Ganz vergessen hat die Hotelgruppe aus Österreich das Fischerdorf noch nicht. „Sollte sich die Situation hinsichtlich einer Standort-Realisierung und Hotelprojekt-Realisierung wieder verbessern, haben wir die Region sicherlich im Fokus“, so Ulrike Grochot, Sprecherin der Jufa-Hotelgruppe.

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