Handgezogene Fähre in Leer Verregnete Bilanz zur Halbzeit der Püntensaison
Die Pünte ist die älteste per Hand betriebene Wagenfähre in Europa. Die diesjährige Saison verläuft wegen des Wetters durchwachsen. Auch eine andere Sache bereitet den Verantwortlichen Sorgen.
Leer - Als am Maifeiertag die diesjährige Fährsaison der historischen Pünte in Wiltshausen begann, waren die Verantwortlichen des Püntenvereins mehr als zufrieden. Traumhaftes Wetter sorgte für einen regelrechten Besucheransturm. Auch im weiteren Verlauf war der erste Monat der Saison erfolgreich. Doch dann kam der Regen. Vereinsvorsitzender Karsten van der Huir zieht deswegen auch eine durchwachsene Bilanz zur Saisonhalbzeit.
„Wir haben einen sensationellen Mai gehabt“, sagt er. „So gut war der Mai bei uns noch nie“. Das Wetter habe mitgespielt, zudem waren in diesem Jahr sowohl Himmelfahrt als auch Pfingsten in diesem Monat gewesen. „Alles was danach kam, war aber eine Katastrophe“, betont van der Huir. Der Juni sei beispielsweise ganz schlecht gewesen. Nur der Püntenmarsch sei erfolgreich verlaufen. Der Juli sei nicht viel besser als der Vormonat verlaufen. Insgesamt sei es bislang nicht mehr als befriedigend. „Jetzt haben wir aber endlich Sommer in Ostfriesland“, sagt der Vorsitzende. „Wir hoffen auf einen starken August und einen starken September.“
Einnahmen auf Vorjahresniveau trotz höherer Preise
Erstmalig seit vielen Jahren habe man in diesem Jahr die Fährpreise angepasst. So kostet die Überfahrt als Fußgänger zwei Euro. Radfahrer zahlen drei Euro. Für ein Motorrad inklusive Fahrer werden fünf Euro fällig und für ein Auto inklusive Fahrer sechs Euro. Trotz der angepassten Preise seien der Juni und Juli finanziell nur auf dem Vorjahresniveau gewesen. „Wir brauchen einen guten August und September, um die Saison positiv zu beenden“, betont van der Huir.
Eine weitere Sache erschwert allerdings die Arbeit der Fährleute: die Abhängigkeit von der Tide. „Bei starkem Hochwasser kann keiner übersetzen“, sagt van der Huir. Dann steige der Pegel so hoch, dass man nicht mehr sicher auf die Fähre und wieder runter kommen könne. Wenn das starke Hochwasser in der Nacht liege, habe es keine Auswirkungen. „Wenn es aber in unsere Fährzeiten falle, haben unsere Fährleute ein großes Problem“, sagt van der Huir. „Das würde nicht passieren, wenn das Ems- oder das Ledasperrwerk geschlossen werden.“ Seinem Eindruck nach sei letzteres früher deutlich häufiger geschlossen worden, sagt der Vereinsvorsitzende.
Ledasperrwerk wird nicht weniger gesperrt
Dem widerspricht Jann-Ewald Wienekamp, Leiter des Außenbezirks Leer beim zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ems-Nordsee. Zwischen dem 1. April und dem 31. Oktober erfolge eine Sperrung von Tiden, deren Scheitel eine Höhe von mehr als 7,30 Meter erreichen. Dieser Wert sei seit Jahrzehnten nicht verändert worden. Die mittleren Scheitelpunkte der Tide am Ledasperrwerk liegen laut Wienekamp bei 6,80 Meter (Hochwasser) beziehungsweise 3,40 Meter (Niedrigwasser). „Der überwiegende Anteil der Tiden wird nicht ausgesperrt, sondern läuft ungehindert in das Gewässersystem des Leda-Jümme-Gebietes ein und aus“, so der Außenbezirksleiter. „Durch den Betrieb des Leda Sperrwerks sollen die natürlichen Tideverhältnisse in der Leda und Jümme samt den Unterläufen der Zuflüsse nicht gestört werden.“
In der Zeit des Püntenbetriebs werde aber nicht weniger gesperrt als sonst. Die nachträgliche Sperrung bei erhöhten Tidewasserständen diene dazu, ein Trockenfallen tidebeeinflusster Zuflüsse von Leda und Jümme zu vermeiden. Es werde dadurch zudem der zu hohe Tidescheitel gekappt, während der Ebbephase bleibe mehr Wasser im System, und die Sperrdauer werde auf das geringstmögliche Maß reduziert, so Wienekamp.
Seilwinde hilft den Fährleuten
Doch nicht nur die Tide erschwert die Arbeit der Fährleute. „Wir haben auch das Problem, dass die Strömung in den vergangenen Jahren immer stärker geworden ist“, sagt van der Huir. „Wir suchen deswegen nach Lösungen, die uns helfen können.“. Eine davon sei die in diesem Jahr angeschaffte, benzinbetriebene Seilwinde. Diese helfe den Fährleuten sehr. Sie werde aber nicht beim Fährbetrieb eingesetzt. „Wenn die Pünte nicht im Einsatz ist, liegt sie am Steg auf der Amdorfer Seite“, hatte van der Huir vor Beginn der Saison erläutert. Allerdings habe es zuletzt wegen der Strömung immer wieder Probleme gegeben, sie für den Betrieb wieder zum Anleger beziehungsweise am Abend wieder in die andere Richtung zu bringen. „Jetzt können wir die Fährleute mit der Seilwinde dabei unterstützen“, betonte van der Huir.
Die Saison der historischen Pünte geht noch bis zum 29. September. Die handgezogene Fähre setzt mittwochs bis sonntags zwischen 10 und 17.45 Uhr über. Wegen Hoch- oder Niedrigwasser könne es aber zu Pausen im Fährbetrieb kommen, sagt van der Huir. Die Einsatzbereitschaft der Pünte könne man beim Fährmann unter der Nummer 0151/62427171 erfahren.