Flohmarkt in Wiesmoor  Nachteulen haben bei Jagd nach Schnäppchen schlechte Karten

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 08.08.2024 18:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ewald Hagedorn hat schon einige Gegenstände für den Trödelmarkt herausgesucht. Foto: Ortgies
Ewald Hagedorn hat schon einige Gegenstände für den Trödelmarkt herausgesucht. Foto: Ortgies
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Der Kult-Flohmarkt am Jannburger Weg zog 2023 rund 10.000 Menschen an. Auch in diesem Jahr werden wieder Massen unterwegs sein. Erfolgreich ist, wer einige Dinge beachtet.

Wiesmoor - Am Sonntag, 11. August 2024, laufen die Schnäppchenjäger in Wiesmoor auf dem beliebten Flohmarkt am Jannburger Weg zur Höchstform auf. Nach dreijähriger Coronapause ist dort im vergangenen Jahr erstmals wieder getrödelt waren, rund 10.000 Gäste zwängten sich durch die Straßen, an den Ständen vorbei. Ein Rekord, frohlockte Veranstalter Ewald Hagedorn. Der Anwohner stellt den Markt mit 40 ehrenamtlichen Helfern auf die Beine. Einige sind tagelang mit nichts anderem beschäftigt als damit, Kuchen zu backen, der am Sonntag verkauft wird. Doch eigentlich geht es ja um etwas anderes. Man will sich nicht den Bauch, sondern die Taschen mit begehrten Artikel vollschlagen.

Die Redaktion hat sich gefragt, wie man dabei strategisch klug vorgeht. Wie kann ich mich so verhalten, dass ich tatsächlich etwas Außergewöhnliches finde? Oder einfach nur ein modisches T-Shirt zum günstigen Preis? Oder Kleidung für den zweijährigen Nachwuchs? Wer kann dazu besser etwas sagen als Ewald Hagedorn mit seiner mehr als zehnjährigen Erfahrung? Der Wiesederfehntjer weiß, wo der Hase langläuft. Außerdem hat sich der 72-Jährige früher leidenschaftlich gerne selbst auf die Suche nach Schnäppchen gemacht. Mit diesen Tipps kann seiner Meinung nach ein guter Fund gelingen:

1. Der richtige Zeitpunkt

Was für einen vitalen Start in den Tag gilt, hat auch beim Flohmarktbesuch Gültigkeit: Der frühe Vogel fängt den Wurm. „Wir haben am Jannburger Weg offiziell erst um 9 Uhr geöffnet, aber die wirklichen Spürnasen waren bereits immer so um 6 Uhr herum da. Haben geschaut, was ausgepackt wurde, und dann bereits zugeschlagen“, hat Ewald Hagedorn beobachtet. Wer den Premium-Zugriff haben möchte, schleicht kurz nach Sonnenaufgang durch den Jannburger Weg bis hin zum Gewerbegebiet Am Dobben. Seit 2019 gehört auch dieses Areal zum Flohmarkt. Ewald Hagedorn sagt, dass dort etliche Aussteller Wohnmobile abstellen, mit denen sie nach Wiesmoor reisen. Dabei scheuten sie längere Anreisen nicht. „Ich weiß von einigen, die aus Lüneburg oder auch aus Bremen kommen“, sagt der Organisator. Durch private Kontakte habe der ein oder andere von dem Flohmarkt gehört und ihn für ideal befunden, um dort Utensilien einer Haushaltsauflösung an den Mann oder die Frau zu bringen. Offiziell ist der Markt in der Zeit von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

2. Der Blick macht es

Sehr hinderlich ist bei der Recherche das, was viele moderne Menschen fast blind macht: der Tunnelblick. Vielleicht sollte der eine oder andere jetzt schon ein bisschen Augengymnastik machen, damit er nächstes Wochenende alles im Blick hat und das Passende findet. „Man sollte nicht nur auf den Tischen der Beschicker schauen, sondern auch an den Seiten oder im Hintergrund“, rät Ewald Hagedorn. Geheimfächer gibt es natürlich auf einem Flohmarkt nicht. Aber: „Ich empfehle immer, einfach unter dem Tisch zu gucken. Dort findet man mitunter etwas, womit man gar nicht gerechnet hat.“

3. Die richtige Feilschtechnik

Wenn man tatsächlich das gewünschte Objekt gefunden hat, sollte man sich nicht von seiner Gier überwältigen lassen. Mancher Deal scheitert daran, dass ein Kunde meint, er könne finanziell richtig absahnen. „Man sollte es beim Feilschen nicht übertreiben“, legt Ewald Hagedorn den Flohmarktbesuchern ans Herz. Bei einer reich verzierten Blumenvase aus Kristallglas, für die der Beschicker zehn Euro haben möchte, mit dem Gebot von fünf Euro vorzupreschen könnte das Geschäft gleich zu Beginn ruinieren. Aus Vorsicht gar nicht zu feilschen kann das Gegenüber auch verstimmen, wie Fans von Monty Python aus der legendären Szene in dem Film „Das Leben des Brian“ wissen. Darin versucht Brian auf der Flucht vor den Römern auf einem Basar unterzutauchen, wird aber von einem Händler zu einem Geschäft genötigt. Die Hauptfigur will den geforderten Preis sofort zahlen, was sein Gegenüber zu lautstarken und verräterischen Protesten veranlasst.

4. Der Preis ist heiß

Wenn jemand einen bestimmten Artikel im Auge hat, den er gerne finden und erwerben möchte, sollte er sich vorher über E-Bay oder vergleichbare Portale schlaumachen, was man dafür im Schnitt verlangen kann. Diese Recherche alleine kann schon recht aufwendig sein. Um bei der Kristallvase zu bleiben: Die Bandbreite des Preises ist enorm. Der Anbieter einer Vase aus Bleikristall mit Rübezahl-Motiven will dafür 18,50 Euro haben. Fündig würde man aber schon für fünf Euro. Zu beachten ist dabei immer, dass es noch ein Bieterverfahren gibt und der Preis steigen kann. Insofern sind die Preise nur Näherungswerte. Die Vorabinformation kann in jedem Fall als Vorbereitung auf ein sachkundiges Feilschen dienen. Einen Sachverständigen, wie dies bei der beliebten Sendung „Bares für Rares“ der Fall ist, wird man auf dem Flohmarkt kaum antreffen.

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