Reserven schrumpfen  Blutkonserven gehen aus – wie steht es um unsere Kliniken?

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Von Vera Vogt
| 23.08.2024 07:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Patient wird in den OP-Saal gebracht. Symbolfoto: Frank Molter/dpa
Ein Patient wird in den OP-Saal gebracht. Symbolfoto: Frank Molter/dpa
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Es fehlen Blutspenden und die Reserven neigen sich dem Ende, sagt das DRK. Müssen in der Region OPs verschoben werden?

Rheiderland - Weil in Deutschland derzeit zu wenig Blut gespendet wird, werden die Blutreserven knapp. „Eine hohe Konkurrenz durch Freizeitaktivitäten trägt dazu bei, dass die benötigten Spenden vielerorts nicht erreicht werden“, sagte der Bundessprecher der DRK-Blutspendedienste, Patric Nohe, gegenüber der Deutschen Presseagentur. „Die DRK-Blutspendedienste mussten daher auf ihre Reserven zurückgreifen, die nun weitestgehend aufgebraucht sind.“

Auch wenn das Blut „wirklich knapp“ sei: „Wir haben keinen bundesweiten Notstand mit Blutpräparaten“, erklärt Nohe weiter. „Wer jetzt in Not gerät und dann ins Krankenhaus kommt, der bekommt auch noch eine Blutkonserve.“ Die DRK-Blutspendedienste decken nach eigenen Angaben etwa 75 Prozent der bundesweiten Blutspenden ab. Das Blut, das derzeit gespendet werde, komme sofort zum Einsatz. „Alles, was reinkommt, geht auch direkt wieder raus.“

Blutkonserven werden im Zentrallabor des DRK-Blutspendedienstes für Krankenhäuser und Praxen gefiltert und aufbereitet. Foto: Vennenbernd/dpa
Blutkonserven werden im Zentrallabor des DRK-Blutspendedienstes für Krankenhäuser und Praxen gefiltert und aufbereitet. Foto: Vennenbernd/dpa

Besonders kritisch sei die Situation unter anderem in Niedersachsen. „In einigen Fällen mussten planbare Operationen bereits verschoben werden“, sagte Nohe. Wir haben diese Nachricht zum Anlass genommen, bei den Kliniken in der Region nachzufragen, wie die Lage ist.

Wie ist die Lage am Klinikum Leer, Krankenhaus Rheiderland und am Inselkrankenhaus Borkum?

„Der Bestand an Blutkonserven im Klinikum Leer ist derzeit knapp, aber ausreichend“, erklärt Klinikums-Sprecherin Lisa Menken. „Es müssen also keine Operationen aufgrund mangelnder Blutkonserven verschoben werden.“ Auch das Krankenhaus Rheiderland in Weener und das Inselkrankenhaus Borkum gehören zum Verbund. Jährlich werden nach Angaben des Klinikums rund 20.000 stationäre und 65.000 ambulante Patienten versorgt.

Grundsätzlich sei die Nachfrage nach Blutkonserven unvorhersehbar, „da Unfälle und damit verbundene chirurgischen Eingriffe sowie andere medizinische Notfälle nicht planbar sind“, so Menken. In der Regel würden bei kleinen Eingriffen generell keine Blutkonserven bereitgestellt oder benötigt. Wenn es so weit sei, würden am häufigsten „die Blutgruppen A positiv und 0 positiv benötigt, denn diese Blutgruppen sind am häufigsten vertreten.“

Zudem sei ein Notfallkonservenpool der Blutgruppe 0 negativ wichtig. „Die Blutgruppe 0 negativ ist eine der seltensten und ist mit allen anderen Blutgruppen kompatibel“, erklärt Menken. Deshalb könne bei Notfällen wie schweren Unfällen oder in Momenten, bei denen man nicht auf die Untersuchung der Blutgruppe des Patienten warten könne, immer auf Präparate von 0 negativem Blut zurückgegriffen werden. „Auch von dieser Blutgruppe haben wir im Klinikum Leer derzeit den Notfallkonservenpool vorrätig.“

Wie ist die Lage am Borromäus Hospital Leer?

„Bei uns im Borromäus Hospital gibt es derzeit keinerlei Einschränkungen bei der Versorgung mit Blutkonserven, dementsprechend gab es auch keine Auswirkungen auf den OP-Betrieb“, sagt Sprecher Hauke Mucha.

Wer ist besonders gefragt?

Schwester Christina (rechts), Teamleiterin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) nimmt von Spender Artjom Blut ab, während seine Freundin Laura neben ihm sitzt. Foto: Annette Riedl/dpa
Schwester Christina (rechts), Teamleiterin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) nimmt von Spender Artjom Blut ab, während seine Freundin Laura neben ihm sitzt. Foto: Annette Riedl/dpa
Neben den bestimmten Blutgruppen, die benötigt werden, ist nach DRK-Angaben auch eine gewisse Altersgruppe besonders gefragt: „Das Fundament der Blutspender in Deutschland bilden aktuell die Babyboomer“, so der Bundessprecher der DRK-Blutspendedienste, Patric Nohe. Doch viele ältere Menschen dürften trotz des Wegfalls der Altersobergrenze aufgrund von Medikamenteneinnahmen oder Krankheiten nicht mehr spenden. Deshalb seien besonders junge Leute gefragt: „Bereits zwei Blutspenden pro Jahr könnten helfen.“

Sollte sich die Situation nicht bessern, würden weitere planbare Eingriffe in den Kliniken nach hinten geschoben werden. Nohe: „Grundsätzlich ist Blut nicht künstlich herstellbar. Wenn niemand mehr Blutspenden gehen würde, würde das ziemlich schnell in einer großen Katastrophe enden.“

Der nächste Termin zur Blutspende im Rheiderland ist beispielsweise in Bunde am 28. August im Dorfgemeinschaftshaus, 15 bis 19:30 Uhr. Auf der Internetseite des Roten Kreuzes kann man sich einen Termin reservieren. Es gibt auch eine Suchfunktion, wann und wo die weiteren Blutspenden in der Umgebung stattfinden.

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