Markenzeichen von Otto Waalkes  Der Ottifant hat es erstmals in den gedruckten Duden geschafft

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Von Mona Hanssen, Claus Hock und Heiko Müller
| 25.08.2024 18:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Ottifant ist mittlerweile fast 51 Jahre alt. Hier war er als Plüschvariante auf der Bühne zum 50. Geburtstag in Emden mit Schöpfer Otto Waalkes. Foto: Ortgies/Archiv
Der Ottifant ist mittlerweile fast 51 Jahre alt. Hier war er als Plüschvariante auf der Bühne zum 50. Geburtstag in Emden mit Schöpfer Otto Waalkes. Foto: Ortgies/Archiv
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Seit 2022 ist Otto Waalkes‘ Wortschöpfung „Ottifant“ schon im Online-Duden. Jetzt hat er eine weitere Hürde überwunden – und es in die gedruckte Variante geschafft. Aber wieso eigentlich?

Emden - Wer nicht weiß, wie „Ottifant“ geschrieben wird, kann seit 2022 im Online-Duden nachsehen. Jetzt hat es die Schöpfung von Komiker Otto Waalkes auch in die gedruckte Ausgabe des Wörterbuchs geschafft. Waalkes hatte zu dem Eintrag damals gewitzelt, dass der Ottifant ja einen Genitiv habe und: „Den hat er mir nie gezeigt.“ Zu der Zeit war noch offen, ob das Wort auch gedruckt würde.

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Die putzigen Rüsseltiere gibt es mittlerweile seit mehr als 50 Jahren. Im vergangenen September wurde ihr runder Geburtstag groß in Emden gefeiert. Tausende Besucher kamen auf den Rathausvorplatz und Otto Waalkes sang und witzelte für etwa 20 Minuten auf einer großen Bühne. Ottifanten wurden schon auf Fußballtrikots von Kickers Emden und auf einer Briefmarke der Deutschen Post abgebildet. Es gibt sie als kotzende Schlüsselanhänger, aus Weingummi zum Vernaschen, als Keksausstecher und als Sammelfigur an der Supermarktkasse.

Wie entstand der Ottifant?

Eigentlich ist der Ottifant schon vor deutlich mehr als 50 Jahren entstanden. Denn schon als Schüler des Johannes-Althusius-Gymnasiums (JAG) schuf Otto Waalkes in den 1960er Jahren das erste Exemplar dieser Gattung - mehr aus Versehen. Denn es war das Resultat eines missglückten Selbstporträts. Er habe sich für die Schülerzeitung im Seitenprofil zeichnen wollen, erzählt der Kult-Komiker immer wieder.

Zum Ottifanten-Geburtstag im vergangenen Jahr kamen Tausende Besucher auf den Rathausvorplatz. Foto: Ortgies/Archiv
Zum Ottifanten-Geburtstag im vergangenen Jahr kamen Tausende Besucher auf den Rathausvorplatz. Foto: Ortgies/Archiv

Die Nase sei etwas zu lang geworden: „Da habe ich die Augen etwas vergrößert, den Rüssel verlängert“. Das war sozusagen ein Urahne des Markenzeichens von Otto Waalkes. In den Blick einer breiteren Öffentlichkeit rüsselten sich die Ottifanten erstmals 1973 als grinsende Herde auf dem Cover seiner ersten Langspielplatte „Otto“.

Wo findet man den Ottifanten sonst in Emden?

Schon 14 Jahre später wurde den niedlichen Dickhäutern ein Denkmal in Emden gesetzt. Am 5. September 1987 enthüllte Otto Waalkes auf dem Platz Unner de Boomen in seinem Heimatstadtteil Transvaal die von ihm gestiftete Bronze-Skulptur zweier Ottifanten, die sich mit aufgerichteten Rüsseln und gespitzten Lippen zum Kuss entgegen recken. Ganz in der Nähe wuchs der Komiker auf. Geschaffen hat die Plastik der aus Emden stammende und damals in Hannover wirkende Bildhauer Bruno Hoffmann. „Ich habe natürlich ein bisschen mitgeknetet“, sagte Otto Waalkes bei der feierlichen Enthüllung im Beisein von Hunderten Schaulustigen.

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Buchstäblich bahnbrechende Spuren hat der Ottifant schon gut einen Monat früher hinterlassen - und zwar mitten in Emden. An der Fassade des am 1. August 1987 eröffneten Otto-Huus durchbricht ein großes Exemplar die Hauswand - mit lächelndem Blick. Staunend stehen Touristen und andere Besucher davor. Für sie ist es mittlerweile eines der beliebtesten Fotomotive in der Stadt. In vielen von Waalkes’ Kunstwerken, die er auch bei einer großen Ausstellung in der Kunsthalle Emden zeigte, tauchen immer wieder Ottifanten auf. Auf die Otto-Ampel haben es die Rüsseltiere aber leider nicht geschafft. Die Straßenverkehrsordnung erlaubt keine Abbildung von Vierbeiner auf den Lichtsignalgebern. Stattdessen „hüpft“ Otto bei Grün.

Wie schaffte es der Ottifant in den Duden?

„Die Dudenredaktion ist ständig auf der Suche nach neuen Wörtern“, heißt es auf duden.de. Ein Großteil der Arbeit erfolgt dabei mithilfe von Computern. Veröffentlichte Texte werden automatisiert nach bislang unbekannten Wörtern. „Treten sie in einer gewissen Häufung und einer bestimmten Streuung über die Texte hinweg auf, handelt es sich um Neuaufnahmekandidaten für die Wörterbücher“, so die Dudenredaktion. Wird also ein neues Wort entsprechend häufig in Texten benutzt, dann ist die Chance groß, dass es in den Duden aufgenommen wird, zumindest online.

„Eintagsfliegen“, die also nur in einem kurzen Zeitraum auftauchen, werden dabei in der Regel ignoriert. Wörter, die es auf duden.de geschafft haben, müssen vor der Aufnahme in das gedruckte Werk aber nochmals bewertet werden. Denn: Der Platz in einem Buch ist deutlich begrenzter als der Platz im Internet.

Oft wird der Duden als eine besondere Sprachinstanz geadelt. Das ist das Wörterbuch aber streng genommen gar nicht. Im Alltag bezeichnet man als „den Duden“ das Rechtschreibwörterbuch. Bis 1996 wurde das, was im Duden steht, auch als verbindlich eingestuft. Auch heute ist das Wörterbuch eine sichere Instanz, aber verbindlich ist das Werk nicht mehr.

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