Milchreis, Linsensuppe & Co. Mein erstes Mal Borkum – der Milchbuden-Test
Die Milchbuden auf Borkum gehören zur Inselkultur. Als Zugezogene wusste ich anfangs nichts damit anzufangen. Bei meinem ersten Borkum-Besuch habe ich alle fünf getestet. Nicht alles hat überzeugt.
Borkum - Wer schon einmal auf Borkum war, der wird sie kennen: Die Milchbuden in der ersten Reihe des Strandes gehören fest zur Insel – und haben sogar eine historische Bedeutung. Ich bin erst in diesem Sommer nach Ostfriesland gezogen und war zu den Borkumer Beach Days das erste Mal auf der Insel. Der perfekte Anlass, um die Buden zu testen. Fünf Stück gibt es derzeit insgesamt, am Nordbad und am Südstrand.
Milchbuden sind Borkumer Tradition
Heute sehen die Milchbuden überwiegend modern aus und bieten zahlreiche Speisen, Snacks und Getränke an. Ich habe mir erklären lassen: Das war nicht immer so. Die Tradition reicht bis Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Damals wurden in einfachen Holzhütten Produkte aus der eigenen Milchwirtschaft verkauft. Praktisch gesagt: dicke Milch und Milchreis.
Nur kann man damit allein heutzutage wohl keine Touristen mehr anlocken. Ich habe abwechselnd mein Mittag- und Abendessen in den Buden gegessen und finde: Das Angebot kann sich sehen lassen. Auch wenn nicht alles toll war – so ehrlich will ich sein.
Tag 1, mittags: Linsensuppe und hausgemachte Ingwerschorle
Zum ersten Mittagessen auf Borkum ging es für mich in die Milchbude „Sonnendeck“. Ein paar Spazierminuten von der Redaktion entfernt, war ich ganz offensichtlich nicht die einzige Person, die in der Bude etwas zu essen suchte. Optisch erinnerte mich das direkt an die vielen Strandpavillons an der niederländischen Nordsee – nur eben etwas kleiner. Innen fiel mir direkt auf: Hier wurde mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Es gibt sogar Schaukeln als alternative Sitzmöglichkeit. Wie viel Social-Media-Content da wohl schon gedreht wurde, dachte ich direkt.
Da ich davor noch nie in einer Milchbude war, überraschte mich das große Essens- und Getränkeangebot. Ich war von einem kleinen Angebot an Finger Food ausgegangen. Das gab es auch – aber eben auch warme Speisen und natürlich ganz viel Milchspeisen, um an der Tradition festzuhalten. Ich entschied mich für Linsensuppe und eine hausgemachte Ingwerschorle. Auch wenn die Suppe lecker war – und deutlich besser als das Dosen-Produkt schmeckt – war ich enttäuscht. Obwohl davon nichts an der Tafel zu lesen war, waren Würstchen in der Schüssel. Für mich ein absolutes No-Go. Die Ingwerschorle war dafür umso besser. Unter den Sonnenschirmen auf der Veranda, bei sehr warmen Temperaturen, war das genau der richtige Frische-Kick. Ein bisschen (mehr) Zucker hätte die für mich aber haben können.
Tag 1, abends: Borkumer Meersalz-Kartoffeln mit Dip
Deutlich vorbereiteter ging es am gleichen Abend noch mal in eine weitere Milchbude. Dieses Mal zu „StrandFlair“. Ein besonderes Highlight hier: Die Bude steht direkt neben dem Gelände der Borkumer Beach Days und war daher am Abend gut gefüllt. Freunde haben zusammen ihren Wein genossen, Familien ihren Strandtag beendet. Von der Atmosphäre deutlich gemütlicher.
Kurz bei dem Personal nach einer Empfehlung gefragt, habe ich mich für die Borkumer Meersalz-Kartoffeln mit Dip entschieden. Klingt deutlich aufregender als es letztendlich war. Lecker waren die Kartoffeln trotzdem. Nur erwarte ich bei Meersalz-Kartoffeln mehr als drei Körnchen Salz. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden – und der „StrandFlair“ dieser Bude war schon überzeugend genug.
Tag 2, mittags: Gemischter Salat, Alkoholfreies Bier und frischgebackene Waffel
Eine etwas größere Portion gab es am nächsten Tag zum Mittag in „Hinni’s Strandoase“ für mich. Beim Frühstück war der Hunger verschwindend gering, zur Mittagszeit dann umso größer. Da durfte es auch gleich ein Dessert sein. An Tag zwei gab es: einen gemischten Salat, eine frischgebackene Waffel mit Puderzucker und ein alkoholfreies Flensburger.
Richtig genießen konnte ich das Essen aber nicht. Das hatte mehrere Gründe: Es war deutlich wärmer und sonniger als am Vortrag und dementsprechend wahnsinnig warm in der Bude. Die Plätze am Strand waren alle belegt und innen gab es nur Sonnenplätze. In Kombination mit fehlender Luftzufuhr war hier schwitzen für mich angesagt. In meiner näheren Umgebung schien das aber keinen weiter zu stören. Das viel größere Problem für mich war aber: Den Salat habe ich bewusst ohne Lachs bestellt. Die Auswahl lag zwischen Räucherlachs und Pulled Lachs, ich wollt ihn vegetarisch. Den bekam ich auch – dachte ich zumindest. Nach wiederholtem Fisch-Geschmack fand ich auch die Ursache. Offenbar wurde vom vorbereiteten Salat nur der Lachs entfernt. Blöd nur, wenn man dabei die Hälfte vergisst. Die Waffel hingegen war ein Traum. Warm, fluffig, schön süß.
Tag 3, mittags: Milchreis mit Apfelmus
Keine Sorge, ich habe natürlich auch den Klassiker der Milchbuden nicht vergessen. Dafür ging es vom Nordbad mit dem Fahrrad an den Südstrand. Denn: Die beiden letzten Buden auf meiner Liste liegen etwas ab vom Schuss. Aber so ein bisschen Bewegung zwischen den Mahlzeiten hat sicher nicht geschadet. Angekommen bei der Milchbude „Wattwurm“ war ich irritiert. Während die drei bisherigen Milchbuden modern und – wie wir jungen Leute sagen – fancy aussahen, ist diese hier anders. Die Bude ist noch in der alten Bauweise der Milchbuden gehalten– schlicht und rustikal. Besonders überrascht mich allerdings die Lage – direkt nebenan liegt mit „Mathilde’s Melkbudje“ die Konkurrenz.
Tag 4: Tapas und regionale Apfelschorle
Nächster Tag, gleiche Richtung. Für mich ging es wieder mit dem Fahrrad an den Südstrand. Dieses Mal nicht zum „Wattwurm“, sondern zur benachbarten „Mathilde’s Melkbudje“. Allerdings mit ordentlich Gegenwind auf der Fahrt. Ganz so schlimm wie die Knoblauchfahne, die ich nach meinem Besuch in die Redaktion mitnahm, war der aber nicht. Denn: Die Tapas-Platte für eine Person hat mich direkt auf den ersten Blick angestrahlt.
Auf Nachfrage folgte nur leider der direkte Stimmungskiller: Die Tapas-Platte ist nicht vegetarisch erhältlich. Ärgerlich – aber mit den vorbereiteten Speisen und der fehlenden Flexibilität kannte ich mich ja schon aus. Es musste also eine Alternative her und so wurden es dann Oliven, Aioli und Brot. Und obwohl das Ambiente bei Weitem nicht so schön war wie bei den Buden am Nordstrand, hat mich das Aioli direkt in Urlaubsstimmung versetzt.
Meckern auf hohem Niveau – sehr solides Angebot in bester Lage
Bei keinem anderen Thema kommt es so sehr auf den eigenen Geschmack an wie beim Essen und Trinken. In den vier Tagen Borkum konnte ich mir allerdings einen guten Eindruck über die fünf Milchbuden machen – und kann ein abschließendes Fazit ziehen.
Zuerst einmal, auch als Erinnerung für mich selbst: Bei den Milchbuden handelt es sich um keine Restaurants, sondern um Strandbars in bester Strandlage. Und die können sich alle sehen lassen – auch wenn ich bei jeder etwas zu meckern hatte. Aber wie es so schön heißt: Das ist Meckern auf hohem Niveau. Insulaner und Touristen können sich über das vielseitige Angebot mit Meerblick freuen. Auch wenn ich mir wünschen würde, dass die Betreiber an ihrem vegetarischen und veganen Angebot arbeiten. Schon allein wegen der Nachhaltigkeit – und die hat auf Borkum bekanntlich einen höheren Stellenwert als anderswo.