Tierseuche in Ostfriesland  Zehn Fakten über die Blauzungenkrankheit

| | 30.08.2024 08:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Totes Lamm in der Schäferei Bonsemeyer in Petkum. Foto: Kubassa
Totes Lamm in der Schäferei Bonsemeyer in Petkum. Foto: Kubassa
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Schafe sterben, Kühe geben keine Milch mehr – die Blauzungenkrankheit grassiert besonders im Nordwesten. Ist sie auch für den Menschen gefährlich? Was Tierhalter und Verbraucher wissen sollten.

Ostfriesland - In Deutschland und besonders im Nordwesten grassiert die Blauzungenkrankheit, eine Tierseuche, die sich schnell ausbreitet und vor allem bei Schafen tödlich verlaufen kann. Was ist über die Krankheit bekannt?

1. Was ist die Blauzungenkrankheit?

Die Blauzungenkrankheit (kurz: BT für „Bluetongue Disease“) ist eine Viruserkrankung, hervorgerufen durch das Virus BTV-3, benannt nach dem aktuell vorherrschenden Serotyp 3.

2. Seit wann grassiert die Blauzungenkrankheit in Deutschland?

Im Oktober 2023 wurden erste Fälle der Blauzungenkrankheit, hervorgerufen durch den Virusstamm BTV-3, in Niedersachsen nachgewiesen. Seitdem hat sich das Virus rasant in Deutschland verbreitet. BTV-3 wurde im letzten Jahr bereits in den Niederlanden identifiziert, wo die Seuche zu großen Ausfällen führte. Auch in Belgien und Großbritannien wurde BTV-3 nachgewiesen.

3. Welche Tiere können die Blauzungenkrankheit bekommen?

Laut der Niedersächsischen Tierseuchenkasse sind Wiederkäuer betroffen. Dazu gehören Rinder, Schafe und Ziegen. Aber auch Wildwiederkäuer sowie Kamele, zu denen auch Alpakas und Lamas zählen, können erkranken. Andere Tiere können sich nicht mit dem Blauzungenvirus infizieren.

Eine erkrankte Kuh mit Läsionen am Maul und schlechtem Allgemeinbefinden. Foto: Ortgies
Eine erkrankte Kuh mit Läsionen am Maul und schlechtem Allgemeinbefinden. Foto: Ortgies

4. Was sind die Symptome erkrankter Tiere?

Rinder, die an BT erkranken, leiden unter Fieber, Entzündungen der Zitzenhaut und der Schleimhäute im Bereich der Augenlider, Maulhöhle und Genitalien, mit Bläschenbildung und Ablösungen der Schleimhäute insbesondere an Zunge, Maul und Kronsaum (das ist die Region an den Füßen), wie die Niedersächsische Tierseuchenkasse mitteilt. Zudem treten Fehl- und Frühgeburten auf.

Schafe sterben ungleich häufiger an BT. Krankheitssymptome bei ihnen sind neben vermehrtem Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul laut dem Niedersächsischen Landesamt für Landwirtschaft und Verbraucherschutz (LAVES) „erhöhte Körpertemperatur, Apathie und Absonderung von der Herde sowie typische Veränderungen der Schleimhäute.“ Auch Schwellungen der Zunge und am Hals, ein entzündeter Kronsaum, Lahmheiten und Fehlgeburten kommen vor.

Anne und Dennis Bonsemeyer aus Petkum haben viele ihrer Schafe an die Blauzungenkrankheit verloren. Foto: Ortgies
Anne und Dennis Bonsemeyer aus Petkum haben viele ihrer Schafe an die Blauzungenkrankheit verloren. Foto: Ortgies

5. Was müssen Tierhalter tun, wenn sie erkrankte Tiere haben?

Die Blauzungenkrankheit gehört zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen und muss innerhalb der Union gemeldet werden. Lediglich das Leiden der Tiere kann behandelt werden, zum Beispiel mit Schmerzmitteln und Entzündungshemmern. Vorbeugend wird empfohlen, die Tiere zu impfen, da dadurch schwere Verläufe weitgehend verhindert werden können, wie die Niedersächsische Tierseuchenkasse mitteilt.

6. Wie wird die Blauzungenkrankheit übertragen?

Übertragen wird das Virus über Gnitzen, kleine Blut saugende Mücken. Bei der Blutmahlzeit an einem infizierten Tier nehmen sie die Viren mit dem Blut auf und übertragen es mit dem Speichel auf das nächste Tier. Als förderlich für die Gnitzen gilt ein feuchtwarmes Klima.

7. Wie viele Betriebe sind betroffen?

Seit dem ersten Nachweis wurden laut dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) 1500 Betriebe in Niedersachsen positiv getestet, dabei überwiegend aus Rinder-, Schaf- und Ziegenhaltungen. In Ostfriesland waren am 14. August 2024 770 Betriebe betroffen.

Wie eine Grafik des Friedrich-Loeffler-Instituts vom 22. August zeigt, wurden in Deutschland Fälle der Blauzungenkrankheit bereits in fast allen Bundesländern nachgewiesen.

Maren Osterbuhr aus Strackholt macht sich Sorgen um ihre Tiere. Foto: Ortgies
Maren Osterbuhr aus Strackholt macht sich Sorgen um ihre Tiere. Foto: Ortgies

8. Was sind die Folgen der Blauzungenkrankheit?

Milchbetriebe und Schäfereien werden dadurch wirtschaftlich zum Teil erheblich belastet. Schafe streben häufig. Kühe geben weniger oder gar keine Milch mehr. Zudem darf die Milch von Kühen, die Medikamente erhalten, nicht verwendet werden. Molkereien erhalten somit weniger Milch, Preiserhöhungen könnten langfristig die Folge sein.

9. Wie kann man seine Tiere vor der Blauzungenkrankheit schützen?

Seit dem 7. Juni sind per Eilverordnung des Bundes drei Impfstoffe gegen BTV-3 freigegeben. Zudem wird empfohlen, die Gnitzen zu bekämpfen, etwa im Stall, oder, wie die Niedersächsische Tierseuchenkasse empfiehlt, empfängliche Tiere nachts und in der Dämmerung in den Stall zu stellen, Staugewässer zu vermeiden und Mittel zu verwenden, die die Gnitzen abwehren. Zudem sind Tiere, die schon vorerkrankt sind oder besonderem Stress wie etwa Hitze ausgesetzt sind, empfänglicher für einen schweren Verlauf als gesunde Tiere.

10. Ist die Blauzungenkrankheit für den Menschen gefährlich?

„Für den Menschen ist die Erkrankung völlig ungefährlich“, informiert die Niedersächsische Tierseuchenkasse auf ihrer Webseite. Auch der Verzehr von Milch- und Fleischprodukten gilt als absolut unbedenklich.

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