Emden unterliegt St. Pauli II 0:1 Erste Kickers-Pleite nach einem Tor des Monats aus 70 Metern
Nach schwacher erster Halbzeit und einem unglaublichen Gegentor drehte Kickers nach der Pause mächtig auf. Es knisterte auf und neben dem Feld. Die Nachspielzeit war vor 3700 Fans nochmal dramatisch.
Emden - Kickers Emden hat in dieser Saison das erste Spiel in der Fußball-Regionalliga Nord verloren. Einige neue Fans dürften die Ostfriesen dennoch gewonnen. Nach einem Gegentor des Jahres aus rund 70 Metern kurz vor dem Halbzeitpfiff zeigte ein in der ersten Halbzeit schwaches Kickers nach dem Wechsel großen Einsatz und hätte sich zumindest das eine Tor redlich verdient gehabt. Doch nachdem Joshua Dudock in der schon 99. Minute die letzte Kickers-Chance vergeben hatte, war die erste Emder Saisonpleite und der erste Sieg des FC St. Pauli II amtlich. „Irgendwann musste es passieren“, sagte Kickers-Trainer Stefan Emmerling. „Schuld daran war die erste Halbzeit. So eine wollen wir von uns nicht mehr sehen.“
Die 3700 Zuschauer feierten das Team dennoch. Wäre nach einem der vielen Eckbälle, Schiller-Einwürfe und oder Flanken in der packenden Schlussphase noch der 1:1-Ausgleich gefallen, es hätte auf und neben dem Feld kein Halten mehr gegeben. „Das Unentschieden hätten wir uns verdient gehabt.“
Ostfriesland im Kickers-Fieber
Das Ostfriesland im Kickers-Emden-Fieber ist, zeigte sich auch schon vor dem Anpfiff. Bei herrlichem Spätsommer-Wetter strömten 3700 Zuschauer ins Ostfrieslandstadion und sorgten direkt für eine tolle Atmosphäre. Keine Minute war gespielt, da stimmte der Block 5 ein „Kickers“ an und die Gegengerade antwortete mit „Emden“.
Spieldaten
Kickers: Bergmann; Podolski (83. Dudock), Herbst, Dietrich, Engel (68. Stöhr), Kaissis (59. Schmidt), Siderkiewicz, Steinwender (59. Eickhoff), Steffen (59. Igwe), Steffens, Schiller.
Tore: 0:1 Ulbricht (45. +1).
Ein Zwölf-Punkte-Unterschied war zwischen beiden Teams nicht zu sehen. Die junge Bundesliga-Reserve versteckte sich trotz erst einen Punktes nicht. Doch die Kickers-Defensive stand meist sicher. Einen Freistoß von Julian Ulbricht aus 20 Metern parierte Kickers-Keeper Marcel Bergmann stark, auch wenn der Ball im Torwart-Eck landete. Kickers sorgte selber kaum für Gefahr, wirkte behäbig. David Schiller bekam bei einem Kopfball nach butterweicher Steinwender-Flanke keinen Druck hinter den Ball, zwei Freistöße von Freistoß-Maschine Tobias Steffen verpufften.
Unglaubliches Gegentor
Kurz vor der Pause nahm die Partie dann Fahrt auf. Erst vergab Emil Staugaard nach einer Ecke die beste Gäste-Chance (43.), dann David Schiller mit einem Schuss aus spitzem Winkel die größte Emder (45.). Dann schockte Gäste-Kapitän Julian Ulbricht Kickers und die Fans. Stefan Emmerling nannte es „die Krönung der ersten Halbzeit“. Ulbricht setzte sich Mitte der eigenen Hälfte nahe an der Außenlinie im Zweikampf gegen Tobias Steffen durch, dribbelte noch ein paar Meter und schoss aus rund 70 (!) Metern auf das Kickers-Tor. Der bei Angriffen weit vor seinem Tor stehende Keeper Bergmann rannte zurück, doch der Ball trudelte in den Kasten - ein Tor des Monats.
Da halfen auch nicht die Proteste der Emder Spieler, die ein Foul an Steffens gesehen hatten. „Er trifft mich von hinten. Ich hätte es gepfiffen, manche Schiris pfeifen es auch“, sagte Steffen, der die erste Halbzeit von Kickers so bewertete: „Sehr, sehr schlecht.“
Power Play nach der Pause
Kickers kam mit einer großen Wucht aus der Kabine und erzeugte ein wahres Power Play. Ein Schiller-Schuss aus zwölf Metern aus dem Getümmel (Torwart parierte/46.) war der Beginn ganz starker Emder Minuten, in denen das 1:1 permanent in der Luft lag. Bei großen Möglichkeiten von Tido Steffens und Schiller retteten die Gäste mit vereinten Kräften kurz vor der Torlinie. Und als der Ball nach einem Freistoß von Tobias Steffen doch im Netz lag, verstummte der große Jubel schnell. David Schiller, der den Ball noch berührt hatte, soll im Abseits gestanden haben (51.).
Danach ließ der Druck nach, wenngleich Kickers weiter das Spiel bestimmte. Bis in die dramatische Schlussphase gab es noch Chancen von Mika Eickhoff, Tido Steffens und Dudock. Aber bei gelegentlichen Kontern war auch zweimal das 0:2 möglich. In der XL-Nachspielzeit flogen noch Dutzende hohe Bälle in den Gäste-Strafraum. Doch meist war ein Kopf, ein Bein oder anderes Körperteil dazwischen. Wie beim Drehschuss von Maren Schmidt. Als dann Dudock den letzten Ball aus kurzer Entfernung neben das Tor setzte, starb die letzte Hoffnung auf ein verdientes Emder Happy End. Kurz zuvor hatte Peer Julius Mahncke noch Gelb-Rot gesehen. „Nach der ersten Halbzeit zum Vergessen haben wir uns in der zweiten Hälfte aufgebäumt. Aber irgendwie wollte der Ball nicht durch- oder reinrutschen. Mund abputzen, Dienstag geht es in Lübeck weiter“, sagte Kickers-Kapitän Tido Steffens.
Der Liveticker zum Nachlesen