Seniorenheim in der Kritik Erneut massive Pflegemängel bei Newcare in Leer festgestellt
Das Pflegeheim Newcare Home in Leer steht in der Kritik. Bereits Ende Januar waren Pflegemängel festgestellt worden. Bei einer Überprüfung im Juni fielen die meisten Ergebnisse noch schlechter aus.
Leer - Die Situation in der Pflege im Leeraner Seniorenheim Newcare Home hat erhebliche Mängel. Das ist das Ergebnis einer unangekündigten Überprüfung des Medizinischen Dienstes Niedersachsen vom 25. Juni 2024. Die Qualitätsüberprüfung ist seit kurzem unter anderem auf der Seite der AOK abrufbar.
Die Entwicklung seit Anfang des Jahres
Seit Anfang des Jahres steht das Leeraner Pflegeheim bereits in der Kritik. War es anfangs eine neue Liste mit Gebühren für Zusatzleistungen, rückte bald auch die Situation in der Pflege in den Fokus. In einer Überprüfung des Medizinischen Dienstes (MD) Niedersachsen waren bereits Ende Januar deutliche Mängel in der Pflege festgestellt worden. Das Seniorenheim hat 95 stationäre Plätze.
So waren mehrere erhebliche Qualitätsdefizite sowie ein schwerwiegendes Qualitätsdefizit zu finden. Es wurde festgestellt, dass es bei der Unterstützung bei der Einnahme von Medikamenten in einer Stichprobe von neun Bewohnerinnen und Bewohnern bei vier Personen zu Defiziten „mit eingetretenen negativen Folgen“ gekommen sei. In einem Fall habe es ein Defizit mit „Risiko negativer Folgen“ gegeben. Der MD bewertet dies als schwerwiegendes Qualitätsdefizit. Erhebliche Qualitätsdefizite gab es bei der Prüfung zudem bei der Unterstützung im Bereich der Mobilität, beim Essen und Trinken sowie bei der Körperpflege.
Damals habe es keine Auflagen gegeben, hatte eine Sprecherin von Newcare im Anschluss mitgeteilt. Doch die Kritik blieb. Auch bei dieser Zeitung meldeten sich Angehörige, um auf die Pflegesituation aufmerksam zu machen. Sie schalteten zudem die Heimaufsicht des Landkreises und den MD ein. Es folgte die unangekündigte Überprüfung am 25. Juni 2024 durch die beiden Institutionen.
Die Ergebnisse des Berichts
In dem nun online veröffentlichten Bericht wurden in den Rubriken „Unterstützung im Bereich der Mobilität“ und „Unterstützung bei der Körperpflege“ schwerwiegende Qualitätsdefizite festgestellt. Bei einer Stichprobe von neun beziehungsweise acht Menschen war es jeweils in vier Fällen zu einem Defizit mit negativen Folgen für die Bewohnerinnen und Bewohner gekommen. Bei vier Menschen gab es hingegen keine Auffälligkeiten.
Erhebliche Qualitätsdefizite, die zweitniedrigste Stufe von vier, gibt es bei „Unterstützung beim Essen und Trinken“, „Unterstützung bei Kontinenzverlust, Kontinenzförderung“, „Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme“, „Schmerzmanagement“ und „Nächtliche Versorgung“. Das Ergebnis der Kontrolle hat sich in diesen Rubriken jeweils im Vergleich zum Januar entweder verschlechtert oder ist gleich geblieben. Nur bei der Medikamenteneinnahme waren es im Januar noch schwerwiegende Qualitätsdefizite. Keine oder geringe Qualitätsdefizite gibt es beispielsweise bei der Unterstützung bei der Strukturierung des Tages, Beschäftigung und Kommunikation oder bei der Unterstützung in der Eingewöhnungsphase nach dem Einzug.
Die Reaktion des Betreibers
Man habe „umgehend auf die Prüfungsergebnisse reagiert, um die identifizierten Mängel in der Grund- und Behandlungspflege nachhaltig zu beseitigen“, teilt Newcare-Sprecherin Marina Hümmer mit. So habe man bei allen Bewohnerinnen und Bewohnern eine „umfassende Inaugenscheinnahme“ durchgeführt, um sicherzustellen, „dass deren Pflegebedürfnisse vollständig abgedeckt“ seien. Zudem seien die Mitarbeitenden nachgeschult worden. Die Sprecherin betont, dass das Personal regelmäßig an verpflichtenden jährlichen Schulungen und Weiterbildungen teilnehme und man darüber hinaus „großen Wert auf zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen“ lege. Auch die Dokumentationen seien evaluiert worden, „um sicherzustellen, dass alle Vorgänge lückenlos und korrekt festgehalten sind“.
Der vorgeschriebene Personalschlüssel sowie die erforderliche Fachkraftquote seien zu jedem Zeitpunkt eingehalten worden. „Somit war es nicht erforderlich, zusätzliches Personal einzustellen“, so Hümmer. Darüber, ob es personelle Konsequenzen wegen der Pflegemängel gegeben habe, möchte die Sprecherin „aus Datenschutzgründen“ keine Auskunft geben.
Laut Hümmer habe man Auflagen erhalten, „die wir umgehend und konsequent umsetzen“. Der Fokus liege darauf, sämtliche Anforderungen zu erfüllen, um die Qualität der Pflege weiter zu verbessern. Um dies sicherzustellen, würden alle Maßnahmen, die die Pflegequalität sicherstellen sollen, durch das eigene Qualitätsmanagement überprüft und optimiert.
Derzeit sei die Einrichtung gut belegt. Man passe die Belegung kontinuierlich den aktuellen Gegebenheiten und Auflagen an. „Zum aktuellen Zeitpunkt liegen uns keine Beschwerden vor, die uns durch die Heimaufsicht mitgeteilt wurden“, schreibt die Sprecherin. Beschwerden, die im Alltag auftreten, würden umgehend besprochen und in einem offenen Dialog geklärt.
Das sagt die Heimaufsicht
Die Heimaufsicht habe in Anlehnung an die Ergebnisse der Qualitätsprüfung des MD „geeignete Maßnahmen in ihrem Prüfbericht festgelegt“, teilt Landkreis-Sprecher Jens Gerdes mit. Darüber hinaus habe sie „erforderliche Anordnungen getroffen, um die Mängel in der Behandlungs- und Grundpflege der Bewohnerinnen und Bewohner schnellstmöglich und nachhaltig zu beseitigen“. Ebenso enthalte dieser Prüfbericht geeignete Maßnahmen, um die vorgefundenen hygienischen Defizite abzustellen.
Die Einrichtung arbeitet laut Gerdes intensiv an der Beseitigung der Mängel. Dieser Prozess werde – ebenso wie die Einhaltung der Anordnungen – engmaschig begleitet. „Aktuell ist die Heimaufsicht einmal in der Woche vor Ort“, teilt der Sprecher mit. Eine erneute Überprüfung werde zu gegebener Zeit unangemeldet erfolgen.