Konzerte in Leer Musiker und Publikum auf Tuchfühlung
Der Verein junger Kaufleute lädt in dieser Saison zu acht Veranstaltungen ein. Wie es gelingt, gefragte Künstler nach Leer zu holen.
Leer - Was hat Leer mit großen Konzertsälen wie der Elbphilharmonie in Hamburg, der Kölner Philharmonie oder der Alten Oper in Frankfurt zu tun? Eigentlich nichts, aber immer wieder gelingt es dem Verein junger Kaufleute in Leer, Musiker für Konzerte im Theater an der Blinke zu gewinnen, die vorher oder nachher in einem der großen deutschen Konzertsäle auftreten. Woran liegt das?
„Viele Musiker sind erstaunt, dass sie bei uns vor einem vollen Haus spielen“, sagt Grietje Oldigs-Nannen, 1. Vorsitzende des Vereins. Das liegt an dem besonderen Modell: Alle Konzerte werden von den Mitgliedern finanziert. Das sind automatisch alle Menschen, die sich ein Abonnement für die Konzertsaison sichern. Selbst wer sich das Abo zulegt, weil ihn ein oder zwei Termine reizen, wird vermutlich die anderen ebenso anhören, so Oldigs-Nannen.
Klassische Musik vor informiertem Publikum
Weil es vor jedem Konzert immer eine Einführung und Erläuterung zu den Musikstücken des Abends gibt, sei das Publikum zudem immer gut informiert und aufmerksam. Viele Abonnenten seien seit Jahren Sitznachbarn und kennen sich gut. Das fördere die gute Stimmung bei den Konzerten, die auch für die Musiker spürbar sei. „Wir bemühen uns, den Abstand zwischen Bühne und Publikum so gering wie möglich zu halten“, sagt Tamme Bockelmann, der für den Verein die Konzerte organisiert.
Das alles sei bei den Agenturen inzwischen bekannt, so dass diese schon mal von sich aus anfragten, ob ihre Musiker auf dem Weg von Hamburg nach Frankfurt einen Zwischenstopp in Leer machen könnten. Musiker von Weltrang kämen auf diesem Weg ins Theater an der Blinke, das übrigens eine sehr gute Akustik habe. Musiker, die heute weltbekannt sind, seien zu Beginn ihrer Karriere schon in Leer gewesen, wie der Pianist Igor Levit. „Heute könnten wir uns den nicht mehr leisten“, sagt Bockelmann lächelnd.
Es gibt noch freie Abonnements
Genauso könne es dem Verein Junger Kaufleute mit einer Musikerin gehen, die für diese Saison eingeplant ist. Kurz nachdem er sie vor etwa zwei Jahren gebucht habe, sei der Violoncellistin Anstasia Kobekina der Leonard-Bernstein-Award verliehen worden. Die Abonnenten in Leer kennen sie bereits von einem früheren Auftritt und können sich nun erneut auf ihre Musik freuen.
Tatsächlich seien in diesem Jahr noch Abonnements erhältlich, sagt Oldigs-Nannen. Die Mitgliedschaft kostet 15 Euro pro Jahr, je nach Platz kommen zwischen 190 bis 210 Euro dazu. Auch erlaube es die Situation derzeit, dass Karten an der Abendkasse verkauft werden könnten. Informationen dazu gibt es mit einer Mail an info@vjk-leer.de oder bei Oldigs-Nannen, Tel. 0491 / 73023.
Das sind die Termine
Am 14. September 2024 beginnt die diesjährige Konzertsaison mit Musik von Carl Nielsen, Jean Français und Ludwig van Beethoven (Septett Es-Dur op. 20), gespielt von Sebastian Manz (Klarinette), Dag Jensen (Fagott), Felix Klieser (Horn), Franziska Hölscher (Violine), Wen Xiao Zheng (Viola), Andrei Ionita (Violoncello) und Dominik Wagner (Kontrabass).
Am 20. Oktober 2024 ist Alexander Lonquich am Klavier zu Gast. Er wird die letzten drei Sonaten von Franz Schubert spielen (Sonatec-Moll, D958; Sonate A-Dur, D 959 und Sonate B-Dur, D960). Ein Programm, wie es nicht oft zu hören sei, versichert Bockelmann.
Am 23. November 2024 bieten das Amatis-Trio und Rezitator Thomas Quasthoff unter dem Titel „Die Menschheit im Krieg“ eine Lesung aus Feldpostbriefen und Tagebüchern aus dem Ersten Weltkrieg, die mit zeitgenössischer Musik von Kreisler, Webern, Schubert, Korngold, Schumann und Schostakowitsch begleitet wird.
Am 11. Dezember 2024 ist das Barockorchester Zefiro im „Weihnachtskonzert“ mit den Orchestersuiten Nr.1 bis 4 (BWV 1066, 1067, 1068 und 1069) von Johann Sebastian Bach zu hören.
Am 19. Januar 2025 gibt es eine Abweichung vom Programm, das im gedruckten Flyer verzeichnet ist. Statt Philharmonix wird das Fauré-Quartett auftreten und Klavierquartette von Gustav Mahler und Gabriel Fauré aufführen.
Am 15. Februar 2025 ist dann Anastasia Kobekina (Violoncello) zu Gast und wird Werke von Fauré, Vivaldi, Strozzi, Paganini und Silvestrov aufführen.
Am 22. März 2025 spielen das Carteto Quiroga aus Spanien und das Doric-Quartet, das bereits mehrfach in Leer zu Gast war. Zu hören ist Musik von Joseph Haydn (Streichquartett C-Dur op. 74/1), Johannes Brahms (Streichsextett Nr. 2 G-Dur op. 36) und Felix Mendelssohn-Bartholdy (Oktett Es-Dur op. 20).
Am 26. April 2025 endet die Saison mit einem Auftritt von Anneleen Lenaerts (Harfe) und Christiane Karg (Sopran) mit Werken von Claude Debussy, Ottorino Respighi und Richard Strauss.
Alle Konzerte beginnen um 19.30 Uhr im Theater an der Blinke in Leer.