Sprache fördern In Moormerland soll jeder Tag ein Plattdeutsch-Tag sein
Im Rathaus in Moormerland gibt es zwei neue Plattdeutschbeauftragte: Astrid Bufe und Anja Zimmermann sagen, was sie sich vorgenommen haben.
Warsingsfehn - Gerade ist in Ostfriesland wieder Plattdüütsch-Maant. Zwei Frauen in Moormerland unterstützen diese Aktion der Ostfriesischen Landschaft – doch das ist ihnen nicht genug. Sie wollen dazu ermuntern, so oft es geht, Platt zu sprechen: „Elke Dag is een Plattdüütsch-Dag“, sagen Astrid Bufe und Anja Zimmermann.
Sie sind die neuen Plattdeutschbeauftragten der Gemeinde Moormerland. Kurios: Vorher haben sie miteinander gar nicht immer Platt gesprochen, sogar oft genug Hochdeutsch. Weil die Arbeit in der Verwaltung das so mit sich bringe. Dabei hätten sie beide gewusst, dass die jeweils andere die Heimatsprache spricht. Nun wird sich das wohl ändern, denn gemeinsam wollen sie die Nachfolge von Harm Busemann als Plattdeutschbeauftragte antreten. Der bisherige Bauamtsleiter geht zum Ende des Jahres in den Ruhestand.
Mit Plattdeutsch nah an den Menschen
Dass sie sich beide um die Aufgabe beworben hatten, und sie nun gemeinsam angehen, bewerten sie als Glücksfall. Denn Bufe ist unter anderem für Kultur zuständig, Zimmermann ist Gleichstellungsbeauftragte. So seien sie beide nah an den Menschen. „Wi hebben uns tosamensett und harrn glieks vööl Ideen“, sagt Zimmermann. Diese vielen Ideen wollen sie nun in die Tat umsetzen. Was als erstes kommt, könnten sie noch gar nicht sagen, dazu sei alles noch zu frisch.
Was sind Platt-Beauftragte?
Städte und Gemeinden können zur Förderrung der Heimatsprache eigene Plattdeutsch-Beauftragte berufen. Die Aufgabe fußt auf der Europäischen Sprachencharta von 1999, die den Schutz von Minderheitensprachen, darunter das Ostfriesische Platt und Saterfriesisch, sichern soll. Weil es damit nicht so recht voranging, rief der damalige Ostfriesische Landschaftspräsident Helmut Collmann dazu auf, Plattdeutschbeauftragte zu bestellen. Dem kamen die meisten ostfriesischen Kommunen, auch Landkreise, nach. Inzwischen ist deren Arbeit fest installiert und zeigt Erfolge. In Zusammenarbeit mit dem Plattdeutsch-Büro der Landschaft fördern die Beauftragten aktiv die Nutzung des Plattdeutschen, unter anderem in Kindergärten und Grundschulen. Sie unterstützen örtliche Aktionen und stehen mit Rat und Tat zur Seite, wenn Vereine oder Einrichtungen zum Plattsprechen ermuntern wollen. Durch die Sprachencharta ist unter anderem der Gebrauch der Regionalsprachen im öffentlichen Leben gestärkt worden. Urkunden und andere Schriftstücke dürfen auf Platt verfasst werden und sind rechtsgültig. In den Behörden soll mehr Platt gesprochen werden, das gleiche gilt für Ratsversammlungen.
Aufgefallen ist ihnen, dass sehr viele Menschen in Moormerland noch gerne Platt sprechen, sogar Jüngere. Bufe hat ihren Arbeitsplatz in der Tourist-Information und viele Moormerländer, die dort hereinkommen, sprächen sie gleich auf Platt an. Dabei ist es Bufe so gegangen, wie vielen Ostfriesen: Als Kind wurde mit ihr gar kein Platt gesprochen. Anfang der 70er herrschte die Meinung vor, es sei ein Vorteil für Kinder, wenn sie nur Hochdeutsch sprächen. Ein Irrtum, wie man inzwischen weiß.
Platt sprechen muss man sich nur trauen
Dass sie trotzdem zum Platt kam, habe daran gelegen, dass viele Menschen um sie herum es sprachen. Irgendwann habe sie dann von alleine damit angefangen, zum Erstaunen ihrer ganzen Familie. „Ik proot nu ok Platt“, habe sie verkündet. Anfangs sei das nicht ganz einfach gewesen, gibt sie zu: „Man mutt sück dat eenfach troen“, sagt sie – einfach mal wagen, dann wird es schon. In der Tourist-Info werde jetzt jeden Tag ab 9.30 Uhr für eine Stunde nur Platt geredet, das gehe besser als alle gedacht hätten.
Bei Anja Zimmermann sei es ähnlich gelaufen, aber auch sie fand durch Menschen in ihrer Umgebung zum Platt. Sie spielt in Hatshausen beim Plattdeutschen Theater mit. Als Mutter blieb sie konsequent: Mit ihrem Sohn spricht sie bis heute nur Platt. Eigentlich findet sie, sollten Ostfriesen auf diesen Sprachschatz stolz sein und ihn wertschätzen. „Ik kann noch ‘n Spraak“, diese Haltung wünschen sich die beiden Platt-Beauftragten.
Von Ideen und Erfahrung anderer lernen
Inzwischen wurden sie in den Kreis der anderen Platt-Beauftragten im Landkreis Leer bei einem Treffen aufgenommen. Solche Zusammenkünfte gibt es zwei Mal im Jahr, ein größeres für ganz Ostfriesland findet zwei Mal jährlich auf Einladung des „Plattdüütsk-Büros“ der Ostfriesischen Landschaft statt. Dort fänden sie Unterstützung und Erfahrung der anderen, von denen sie profitieren könnten, so die beiden Moormerländerinnen.
Eine der Ideen, die sie haben, könnten sie direkt vor ihrer Bürotür umsetzen. In Edeka-Geschäften sei ihr eine plattdeutsche Beschriftung der Regale aufgefallen, sagt Zimmermann. „Dat kunnen wi ok in uns Raathuus maaken“, denken sie. Allerdings wohl eher im neuen Gebäude, das gerade im Bau ist. Dort wird nämlich auch Bufe in der neuen Tourist-Info ihren Arbeitsplatz haben. Für Besucher könne eine solche Beschilderung ein Anreiz sein, Platt zu sprechen. Denn das ist Bufe und Zimmermann bereits aufgefallen: Wenn man selbst Platt spreche, dann machen das andere auch.
Ein plattdeutsches Konzert mit dem Liedermacher und Autor Gerd Spiekermann ist für den 27. November 2024 ab 19 Uhr im Rathaus geplant.