Biotop bei Evenburg Eislauffläche in Loga wird aus Dornröschenschlaf geholt
Viele Jahre lang trafen sich Leeraner an frostigen Wintertagen auf der Eislauffläche bei der Evenburg in Loga. Doch zuletzt wurde sie nicht mehr genutzt. Jetzt soll sie deutlich aufgewertet werden.
Leer - Im flachen Gewässer an der Fährstraße in Loga stehen zwei Fischreiher und suchen nach Nahrung. Am Ufer wachsen großen Pflanzen des invasiven Japanischen Knöterichs. Ein direkter Zugang zum Wasser ist nur schwer möglich. Das war einmal anders. Viele Jahrzehnte lang war der flache Teich im Winter das Ziel von zahlreichen Menschen, um Schlittschuhlaufen zu gehen. Die Fläche wurde von Vereinen und Verbänden gepflegt und bei Frost zum Schöfeln freigegeben. Doch zuletzt wurde sie nicht mehr genutzt. Jetzt holt die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Loga die ehemalige Eislauffläche aus ihrem Dornröschenschlaf.
„Wir haben vor mehreren Jahrzehnten das Grundstück an Vereine und Verbände aus Loga verpachtet“, blickt Pastor Ingo Brookmann zurück. In Kooperation mit der Stadt sei die Fläche ausgekoffert worden, um dort den Bürgerinnen und Bürgern Eislaufen zu ermöglichen. „Seit rund zehn Jahren war das aber wegen der milden Winter nicht mehr möglich“, so Brookmann. Dennoch hätten die Vereine und Verbände die Verpflichtung gehabt, das Grundstück zu pflegen. „Sie sind vor gut einem Jahr auf uns zugekommen und haben gefragt, ob sie die Fläche zurückgegeben können“, sagt der Pastor. Laut Pachtvertrag hätte das Grundstück aber in den Originalzustand zurückgebracht werden müssen. Die Naturschutzbehörde habe jedoch deutlich gemacht, dass es sich mittlerweile um ein schützenswertes Biotop handle. „Da hatten wir erstmal ein Problem“, sagt Brookmann.
Eine Klima- und Naturschutzfläche soll entstehen
Dann sei die Idee aufgekommen, das Grundstück in eine Klima- und Naturschutzfläche umzuwandeln. „Wir wollen diese auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen“, betont der Pastor. Doch alleine konnte die Gemeinde das rund 100.000 Euro teure Projekt nicht stemmen. Die Landschaftsarchitektin Christine von Cölln wurde damit beauftragt, ein Konzept zu entwickeln. Schließlich konnten rund 65.000 Euro an EU-Fördermitteln aus dem Leader-Programm eingeworben werden. Außerdem beteiligt sich die Stadt Leer mit rund 25.000 Euro.
Erinnerungen ans Eislaufen
Anfang der 1980er Jahre wurde die Eislauffläche an der Fährstraße in Loga eingerichtet. Zahlreiche Kinder lernten dort zu Schlittschuhlaufen. Sie haben noch Erinnerungen und Fotos vom Schöfeln in Loga? Schicken Sie uns die Bilder gerne mit einem kurzen Text per Mail an red-leer@zgo.de zu. Wichtig dabei: Die Personen auf dem Foto müssen mit der Veröffentlichung einverstanden sein.
„Wir wollen als Kirchengemeinde ein Zeichen für aktiven Klima- und Naturschutz direkt vor Ort setzen“, betont Brookmann. Dabei solle auch ein eingezäunter Bereich eingerichtet werden, den die Kinder der Kita Lüttje Toornswaalvkes nutzen können „Es soll ein ökologisches Lernfeld entstehen, in dem sie erfahren können, was es bedeutet, Lebensmittel anzubauen“, erklärt der Pastor. Ein Bauwagen, Gemüsebeete, eine Blumenwiese und ein Weidentunnel solle es unter anderem geben. Dabei arbeite man mit dem Verein Acker-Racker zusammen.
Weg und Sitzgelegenheiten für die Öffentlichkeit
Doch auch die Öffentlichkeit soll das Biotop nutzen können. So soll laut Landschaftsarchitektin Cölln ein zweiter Eingang geschaffen werden, von dem aus Bürgerinnen und Bürger am nördlichen Uferbereich entlanggehen können. Dort sollen eine Streuobstwiese, aber auch ein Bereich zum Sitzen entstehen. Für Vögel und Insekten sollen Brutflächen und Nahrung zur Verfügung stehen. Hummelkästen, ein Sandhügel und eine Nistwand für Wildbienen sowie eine Nistgelegenheit für Eisvögel gehören auch mit dazu. Man sei auch in Gesprächen mit der Wallhecken-Schutzgemeinschaft und dem Nabu. Sponsoren hätten bereits ihre Unterstützung für die weitere Fläche zugesagt.
Doch bis die Fläche aufgewertet worden ist, ist viel zu tun. Der Japanische Knöterich muss entfernt werden. „Die Flächen werden einmal komplett ausgekoffert, um sie frei von der Pflanze zu bekommen“, erklärt von Cölln. Die Uferbereiche werden aufgeräumt, ein Weg angelegt, Zäune gezogen und ein Holzsteg gebaut werden. „Das Biotop soll zum Verweilen einladen“, sagt Pastor Brookmann. Am 7. Oktober sollen die Arbeiten beginnen. Bis zum Frühjahr sollen sie abgeschlossen sein.
Schlittschuhlaufen könnte trotzdem möglich sein
Ist mit dem Projekt dann die Eislauffläche Geschichte? Nein, sagen die Verantwortlichen. „Die Fläche ist öffentlich zugänglich“, sagt von Cölln. Wenn der Teich zufriere, könne Schlittschuhlaufen auf eigene Gefahr möglich sein. Und auch Pastor Ingo Brookmann sagt: „Darüber haben wir uns noch gar keine Gedanken gemacht, aber ich würde es nicht ausschließen.“ Man müsse schauen, was man mache, wenn es so weit ist. Sollte also ein frostiger Winter kommen, könnte es die Menschen bald wieder auch zum Schlittschuhlaufen an die Fährstraße nach Loga ziehen.