Sicherheitsmaßnahmen  Banken kämpfen gegen Automatensprenger

| | 17.09.2024 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In Pewsum zog im August 2024 bereits der Geldautomat aus dem Combi auf den Parkplatz. Foto: Wagenaar/Archiv
In Pewsum zog im August 2024 bereits der Geldautomat aus dem Combi auf den Parkplatz. Foto: Wagenaar/Archiv
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Immer mehr Geldautomaten verlassen die Supermärkte, jüngst passiert im Combi in Pewsum. Grund ist die Angst vor Automatensprengungen. Wie schützen sich Banken in der Region sonst noch davor?

Krummhörn/Ostfriesland - Seit Anfang August 2024 befindet sich im Pewsumer Combi kein Geldautomat mehr. Der steht nun auf dem Parkplatz vor dem Verbrauchermarkt. Der Grund: Die Ostfriesische Volksbank, Betreiberin des Automaten, hatte Sicherheitsbedenken beim bisherigen Standort direkt im Markt. Das Risiko für Automatensprengungen sei einfach zu hoch, sagte eine Sprecherin der Ostfriesischen Volksbank damals auf Nachfrage. Denn sollte der Automat innerhalb des Marktes gesprengt werden, wäre auch das umliegende Gebäude betroffen. Darum also der Umzug auf den Parkplatz, inklusive tonnenschwerem Betonpavillon. Wir haben uns angeschaut, welche weiteren Sicherheitsmaßnahmen die Geldinstitute in der Region ergreifen, um Automatensprengungen entgegenzuwirken.

Bereits mehrere Automatensprengungen in Emden und umzu

Zur Erinnerung: In der Region kam es in den vergangenen Jahren bereits mehrfach zu versuchten und vollendeten Sprengungen von Geldautomaten. So wurden im Jahr 2018 gleich zwei Automaten in der Emder Innenstadt Ziel der Täter: In der Bismarckstraße wurde ein Geldautomat der Oldenburgischen Landesbank (OLB) gsprengt, Geld erbeuteten die Täter damals allerdings nicht. Kurz zuvor wurde in der Straße Alter Markt ein Geldautomat der Deutschen Bank gesprengt, hier konnten die Täter mit Bargeld im unteren sechsstelligen Bereich entkommen. Im Jahr 2019 wurde ein Geldautomat in der Neutorstraße gesprengt, die Täter erbeuteten fast 150.000 Euro Bargeld. Zusätzlich entstand ein Sachschaden in Höhe von etwa 200.000 Euro.

Auch in Hinte wurde im Mai 2019 versucht, den Geldautomaten am Combi-Markt zu sprengen, dort ist es allerdings bei dem Versuch geblieben. Die Täter hatten probiert, unter Verwendung eines explosiven Gemisches die Geldautomaten aufzusprengen, um so an die Geldkassetten zu kommen. Die Täter zogen ohne Beute ab, hinterließen allerdings einen Sachschaden im fünfstelligen Bereich. Grund genug für viele Geldinstitute, ähnlich wie in Pewsum in Zukunft auf Geldautomaten innerhalb von Märkten zu verzichten.

Welche Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor Automatensprengungen gibt es?

„Die Banken und Sparkassen führen Risikoanalysen für jeden einzelnen Standort durch und prüfen, welche Sicherungsmaßnahmen am besten zum jeweiligen Standort passen“, so Thomas Rienecker, Pressesprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, momentan federführend bei der Deutschen Kreditwirtschaft. „Wenn der gegebene Standort auch nach Ausschöpfen sämtlicher verfügbarer Sicherungsoptionen noch zu gefährdet für Angriffe ist, bietet sich sinnvollerweise eine Versetzung des Geldautomaten an.“

Solche Sicherheitsmaßnahmen können vielfältig sein. Dazu zählen bewährte Methoden wie Alarmanlagen, aber auch Vernebelungstechnik und Einfärbesysteme für Geldscheine, so Rienecker. „Die in der Diskussion stehende Klebetechnik ist in Deutschland noch nicht zugelassen und kann daher nicht eingesetzt werden“, sagt er. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem im Fall einer Automatenexplosion die Geldscheine miteinander zu einem Klumpen verkleben und dementsprechend nicht mehr nutzbar sind. Im Nachbarland Niederlande ist diese Technik bereits in vielen Geldautomaten im Einsatz. Dort ist die Zahl der vollendeten Automatensprengungen seit dem Einsatz der Klebetechnik bereits zurückgegangen. Es gebe zumindest in Deutschland allerdings bisher keine Einzelmaßnahme, die besonders zur Eindämmung von Automatensprengungen beigetragen habe. „Zum Erfolg führt stets der zum jeweiligen Standort passende Maßnahmen-Mix“, so Rienecker.

Wie schützen die Banken in der Region ihre Automaten?

Die Sparkasse Aurich-Norden betreibt in der Krummhörn keine Geldautomaten in Verbrauchermärkten, allerdings zwei Filialen in Pewsum und Greetsiel. Dort setzt man auf Nachtschließungen als Sicherheitsmaßnahme vor Automatensprengungen. Die zwei Geldautomaten in Verbrauchermärkten in Victorbur und Upgant-Schott wurden bereits im Jahr 2023 abgebaut, allerdings nicht auf Grund von Sicherheitsbedenken, wie eine Sprecherin der Sparkasse Aurich-Norden auf Nachfrage mitteilt. „Für diese Standorte hatte die Sparkasse Aurich-Norden von der Bünting-Gruppe eine Kündigung erhalten. Die Geldautomaten in den Märkten waren daraufhin zum 30.10.2023 außer Betrieb gesetzt worden“, so die Sprecherin.

Auch bei der Deutschen Bank, die eine SB-Filiale in Leer betreibt, setzt man darauf, die SB-Zonen mit Geldautomaten während der Nachtstunden zu verschließen. Das bestätigt eine Sprecherin der Deutschen Bank auf Nachfrage dieser Zeitung. Zusätzlich würden fortlaufend Risikoanalysen an den Standorten der Geldautomaten durchgeführt, um entsprechende Präventionsmaßnahmen ergreifen zu können. „Bei alldem sind wir im Kontakt mit den Polizei- beziehungsweise Kriminalbehörden, deren Hinweise wir berücksichtigen“, so die Sprecherin weiter.

Wird es überhaupt noch Geldautomaten in Verbrauchermärkten geben?

Einen Trend zu vermehrten Standortwechseln von Geldautomaten aus Verbrauchermärkten, wie im August in Pewsum geschehen, sieht Rienecker von der Deutschen Kreditwirtschaft nicht. Die Gegebenheiten unterschieden sich von Standort zu Standort einfach stark. „Die Entscheidung fällen jeweils die Banken und Sparkassen vor Ort, in enger Abstimmung mit den Polizeibehörden“, so Rienecker.

Im Jahr 2023 wurden bundesweit 461 Sprengungen von Geldautomaten polizeilich erfasst. Das geht aus kürzlich veröffentlichten Zahlen des Bundeskriminalamts hervor. Bei 276 dieser Sprengungen waren die Täter erfolgreich und zogen mit Beute davon. Insgesamt entstand ein Schaden in Höhe von fast 29 Millionen Euro. Die Anzahl der gesprengten Geldautomaten sank damit zwar gegenüber dem Vorjahr, ist aber allgemein immer noch auf einem hohen Niveau - das ist die zweithöchste Zahl der Sprengungen seit dem Beginn der Erhebungen im Jahr 2005.

Und: Noch viel höher als die Schäden durch das erbeutete Geld sind die Begleitschäden, die durch die versuchten und vollendeten Sprengungen verursacht werden. Aber Rienecker gibt sich optimistisch: „Banken und Sparkassen haben in den letzten Jahren über 300 Millionen Euro in die Sicherung der über 51.000 Geldautomaten investiert.“ Neben den verschiedenen genannten Maßnahmen, wie zum Beispiel dem Umzug von Automaten raus aus den Verbrauchermärkten, gehören dazu auch verschiedene bauliche Maßnahmen, „die die Täter abschrecken oder den Taterfolg verhindern“, so Rienecker.

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