Anwohner berichtet Lkws auf maroden Brücken in Leer und riskante Wendemanöver
Die Leda- und eine Stadtringbrücke in Leer sind marode. Schwere Fahrzeuge dürfen sie nicht nutzen. Doch ein Anwohner sieht dort regelmäßig Lkws. Manche Fahrer versuchten riskante Wendemanöver.
Leer - Von der Spierkreuzung in Leer aus fährt ein Lastwagen auf den Stadtring. Erst in Höhe des Großen Oldekamps sieht er auf einem Schild, dass für die Strecke über die Brücken eine Gewichtsbeschränkung von 7,5 Tonnen gilt. Die Schilder zuvor hatte er offenbar übersehen. Der Fahrer parkt vor der Tischlerei Pecher, überlegt und biegt dann nach links in den Große Oldekamp ein, um zu wenden. Zwar mit Warnblinkern, aber ohne wirklich zu sehen, ob Fahrzeuge kommen, rangiert er zurück auf den Stadtring, um zurück zur Spierkreuzung zu kommen. Einen Vorfall wie diesen hat Anwohner Hans Appiß eigenen Angaben zufolge bereits häufig erlebt. „Es ist ein Wunder, dass es dabei noch nicht gerumst hat“, sagt er.
Doch nicht immer halten Lkw-Fahrer vor den Brücken an und drehen um. „Wenn man sich hier hinstellt und zehn Minuten wartet, sieht man zu den Hauptzeiten mit großer Wahrscheinlichkeit einen Lkw über die marode Brücke fahren“, sagt Appiß. „Ein Lastwagen nach dem anderen“ fahre trotz Gewichtsbeschränkung weiter.
Schäden an Brücken waren bei Sanierung aufgefallen
Die Brücke über die Bahnschienen ist eine von fünf besonders maroden Brücken, die die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Ostfriesland unter genauer Beobachtung hat und die erneuert werden muss. Die Schäden waren bei der Sanierung des Stadtrings vor zwei Jahren aufgefallen. Sie waren so gravierend, dass keine andere Möglichkeit als die drastische Gewichtsbeschränkung bliebe, hatte Frank Buchholz, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich, damals gesagt. „Zwischenzeitlich waren wir nicht einmal sicher, ob wir das Bauwerk überhaupt wieder für den Verkehr freigeben können.“
Durch den Einsturz der Carolabrücke in Dresen in der Nacht zum 10. September 2024 hat die Sicherheit der Bauwerke wieder an Aktualität gewonnen. Auch Hans Appiß ist dadurch erneut ins Nachdenken gekommen. „40-Tonner fahren über die Stadtringbrücke, die eigentlich nur noch für 7,5 Tonnen schwere Fahrzeuge ausgelegt ist“, sagt der Leeraner. Wenn sich zwei Lkws begegnen, könnten es bis zu 80 Tonnen sein. In Dresden sei die Brücke eingestürzt, ohne dass gerade jemand drübergefahren sei, mahnt Appiß. Er würde sich deutlichere und besser verständlichere Umleitungsschilder wünschen. Beispielsweise sollten LED-Schilder, wie sie seit Anfang August vor der Ledabrücke stehen, schon an der neuen Score-Tankstelle in Logabirum aufgestellt werden.
Behörde weist auf jeweilige Umleitungskonzepte hin
Laut Johannes Booken, Sprecher der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich, bestehen für die Leda- und die Stadtringbrücke eigene Umleitungskonzepte, um den Schwerlastverkehr frühzeitig auf die Gewichtsbeschränkungen aufmerksam zu machen. Bei der Stadtringbrücke weisen insgesamt zwölf große sogenannte Vorwegweiser im und um das Leeraner Stadtgebiet herum auf die Gewichtsbegrenzung hin, betont der Sprecher. Hinzu kämen etwa 40 kleinere Hinweisschilder, die durch die Umleitung aus verschiedenen Richtungen führen.
Bei der Ledabrücke sind es 13 große Vorwegweiser sowie 105 kleinere Hinweisschilder. Die LED-Tafeln befinden sich zudem in Höhe der Evenburg-Kaserne, am Südring nahe Multi Süd sowie in Folmhusen. „Hervorheben möchten wir, dass diese Tafeln nicht dafür installiert worden sind, um auf die Gewichtsbegrenzung, sondern auf plötzlich eintretende oder geplante Ereignisse wie eine Brückenprüfung beziehungsweise Brückensperrung hinweisen zu können“, betont der Sprecher.
Polizei kontrolliere regelmäßig an den Brücken
Grundsätzliches Ziel sei es, durch die Gewichtsbeschränkungen den Großteil des Verkehrs aufrechtzuerhalten. „Dies ist jedoch nur mit einer Gewichtsbeschränkung für Lkws möglich, damit die Brücken möglichst geschont werden und damit länger für den allgemeinen Verkehr geöffnet bleiben können“, so Booken.
Und wer überprüft, ob sich die Lkw-Fahrer wirklich an die Beschränkungen halten? An der ebenfalls unter Beobachtung stehenden Südring-Brücke war zunächst eine Videoüberwachung im Gespräch. Die Idee wurde aus Datenschutzgründen aber verworfen. „Wir kontrollieren nahezu täglich“, betont Svenia Temmen, Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden. Zunächst seien ein bis zwei Fahrzeuge an den Schulwegen. Im Anschluss – zu Stoßzeiten für den Lieferverkehr – werde an den maroden Brücken kontrolliert. „Das Hauptaugenmerk liegt auf der Ledabrücke“, sagt Temmen. Da sich die Kontrollen rumgesprochen hätten, seien die Verstöße überschaubar.
Sollte doch ein schweres Fahrzeug gestoppt werden, droht ein Bußgeld zwischen 75 und 150 Euro. „Bei Vorsatz kann es noch höher ausfallen“, sagt Temmen. Laut der Sprecherin haben die neuen LED-Schilder sehr viel gebracht. Temmen appelliert auch an Anwohner, auf der Wache anzurufen, wenn man einen Verstoß, aber auch riskante Wendemanöver sieht. „Dann kommen wir vorbei“, sagt die Sprecherin und fügt an: „Wir haben unsere Brücken im Blick.“