Neubaugebiete in Jemgum  Darum profitieren nun Senioren statt junger Familien

| | 21.09.2024 08:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Jemgum wird an den Zuwegungen für das neue Baugebiet am Toten Weg gearbeitet. Foto: Gettkowski
In Jemgum wird an den Zuwegungen für das neue Baugebiet am Toten Weg gearbeitet. Foto: Gettkowski
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Eigentlich wollte die Gemeinde mit den Neubaugebieten in Ditzum und Jemgum vor allem junge Bauwillige aus der Region ansprechen. Doch das Konzept geht nicht auf. Dafür profitiert ein anderes Klientel.

Jemgum - Die Erschließung der beiden neuen Baugebiete am Toten Weg in Jemgum und am Schöpfwerkstief in Ditzum ist in vollem Gange. In Ditzum wurden sogar schon die Bodenplatten für die ersten Häuser gegossen. Doch Henning Tammen, Geschäftsführer der Grundstücks- und Projektmanagement-Gesellschaft der Sparkasse Leer/Wittmund (GPL), macht sich nichts vor: „Bis sich die Baugebiete gefüllt haben, wird es dauern.“ Der Grund: Viele Bauwillige mussten sich angesichts gestiegener Bau- und Grundstückspreise und hoher Zinsen von ihrem Traum vom Eigenheim verabschieden. Das betrifft vor allem junge Familien.

Die Vermarktung der Bauplätze in Ditzum und Jemgum hat die GPL übernommen. Foto: Gettkowski
Die Vermarktung der Bauplätze in Ditzum und Jemgum hat die GPL übernommen. Foto: Gettkowski

„Persönlich glaube ich, dass es künftig keine 100-Prozent-Finanzierung mehr geben wird“, so Tammen. Er sei kein Finanzexperte, betont er, doch vor allem jüngere Bauwillige ohne Eigenkapital müssten sich nach seiner Einschätzung auf eine längere Ansparphase einstellen. Gerrit Terfehr bestätigt das. Selbst Doppelverdiener bekämen die Baufinanzierung einer eigenen Immobilie derzeit nicht gewuppt. Der Bauunternehmer aus Rhede hat das in den vergangenen Monaten mehrfach erlebt. Als Beispiel führt er ein junges Paar aus Aurich an. „Er ist Polizist, sie Krankenschwester. Obwohl die beiden zwei Einkommen haben und 50.000 Euro Eigenkapital mitbringen, können sie damit kein Eigenheim finanzieren“, schilderte der Obermeister der Baugewerbeinnung Aschendorf-Hümmling im Frühjahr beim „Baugipfel“ mit Wirtschaftsminister Olaf Lies die Situation, in der sich viele junge Leute befinden. Das trifft auch auf Jemgum zu.

Den Traum vom Eigenheim können sich vor allem viele junge Familien derzeit nicht erfüllen, weil die Baufinanzierung scheitert. Grund sind unter anderem hohe Kreditzinsen und gestiegene Baupreise. Bild: Pixabay
Den Traum vom Eigenheim können sich vor allem viele junge Familien derzeit nicht erfüllen, weil die Baufinanzierung scheitert. Grund sind unter anderem hohe Kreditzinsen und gestiegene Baupreise. Bild: Pixabay

Grundstücke für Jedermann

Vor der Energiekrise gab es in der Gemeinde noch einen enormen Bedarf an Bauplätzen. Im August 2021 konnte die Gemeinde Bauwilligen kein einziges freies Grundstück mehr anbieten. Die Nachfrage nach Wohnbaugrundstücken war so groß, dass im Rathaus sogar eine Warteliste mit mehr als 30 Interessenten geführt wurde. In den beiden neuen Baugebieten sollten daher in einem Auswahlverfahren vor allem junge Familien oder Paare berücksichtigt werden, die noch kein Wohneigentum hatten. Die Gemeinde wollte damit auch den Fortbestand ihrer Kindergärten und Schulen sichern. Von dieser Idee hat man sich offenbar inzwischen verabschiedet, damit die Grundstücke nicht zum Ladenhüter werden.

Während in Jemgum die Erschließungsarbeiten andauern, wurden im Baugebiet am Schöpfwerkstief bereits die Bodenplatten für die ersten Wohnhäuser gegossen. Foto: Gettkowski
Während in Jemgum die Erschließungsarbeiten andauern, wurden im Baugebiet am Schöpfwerkstief bereits die Bodenplatten für die ersten Wohnhäuser gegossen. Foto: Gettkowski

„Die Grundstücke werden an jedermann verkauft“, macht Tammen deutlich. Auch ältere Kaufinteressenten von außerhalb können somit zum Zuge kommen. „Einige von ihnen kommen allerdings aus der Region und wollen zurück in die Heimat.“

Am Schöpfwerkstief in Jemgum entstehen auf einem 3,2 Hektar großen Gelände 44 Grundstücke mit einer Größe zwischen 574 und 800 Quadratmetern. Der Kaufpreis liegt knapp unter 100.000 Euro. Im Angebot sind auch vier Bauplätze, auf denen Mehrfamilienhäuser gebaut werden können, sie und vier Bauplätze für Einfamilienhäuser sind bereits verkauft. Für 14 Grundstücke gibt es Reservierungen.

Neuartiges Energiekonzept

Am Toten Weg in Jemgum umfasst das Baugebiet 48 Grundstücke mit Größen zwischen 506 und 740 Quadratmetern. Sechs Grundstücke sind reserviert, vier verkauft, darunter eines für ein Mehrfamilienhaus. „Dort werden Mietwohnungen entstehen, die sonst in Baugebieten nicht so üblich sind“, so der GPL-Geschäftsführer.

Zumindest in einer Sache können die Baugebiete vielleicht doch punkten: mit einem Nahwärmekonzept. Weil die Energieversorger in den Neubaugebieten wegen hoher Gaspreise keine Gasleitung verlegen wollten, werden die Hausbewohner dort in Kombination mit Wärmepumpen ein sogenanntes kaltes Nahwärmenetz nutzen. „Die Energiepreise sind damit fest und die Hausbesitzer wissen schon ganz verbindlich, wie hoch die Nebenkosten sind.“

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