Touristiker reagieren Überfülltes Greetsiel – wird der Zugang beschränkt?
Die Ergebnisse einer Studie stellen die Krummhörner Tourismusstrategien infrage. So reagiert der Tourismuschef auf die Beschwerden der Anwohner.
Krummhörn - Man könne als Einheimischer an manchen Tagen in der Saison schon gar nicht mehr richtig durchs Dorf laufen, so voll sei es. Das beklagen einige Greetsieler schon seit Längerem, besonders in Kommentaren auf Facebook und auf anderen Plattformen der sozialen Medien. Bei anderen wiederum stößt diese Ablehnung auf absolutes Unverständnis – immerhin lebe die Region von den Touristen und den entsprechenden Einnahmen aus Ferienwohnungen, Gastronomiebetrieben und Geschäften.
Der Tourismus und die Frage, wie man mit den Menschenmassen umgeht, spaltet die Krummhörner, so viel ist klar. Das bekommen auch die Touristiker zu spüren. Kürzlich wurden die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die die Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel in Kooperation mit der Jade Hochschule Wilhelmshaven im Frühling unter den Einwohnern der Krummhörn durchgeführt hat. Dabei ging es vor allem darum, wie zufrieden die Krummhörner mit der Entwicklung des Tourismus in ihrer Region sind. An alle Haushalte der 19 Dörfer in der Krummhörn wurde die Umfrage geschickt. Letztendlich wurden die Antworten von 798 Personen ausgewertet.
Mehr Transparenz, zu viele Touristen
Repräsentativ für die knapp 12.000 Bewohner der Gemeinde ist die Umfrage damit nicht. Deutlich wurde aber: Von den Personen, die sich beteiligten, fühlen sich viele nicht ausreichend involviert in die Planung der weiteren Entwicklung des Tourismus, gerade im beliebten Fischerdorf Greetsiel. Mehr Transparenz von den Touristikern und der Verwaltung haben sich viele gewünscht, und eine allgemein bessere Steuerung der Touristenströme.
Zur Erinnerung: Die Auswertung der Umfrage machte deutlich, dass gerade in Greetsiel rund neun von zehn der Umfrageteilnehmer die Menge der Touristen, die in das Dorf kommen, als viel zu hoch empfinden. Damit verbunden wurden insbesondere das erhöhte Verkehrsaufkommen und der Mangel an Parkplätzen in der Saison sowie die zu hohen Miet- und Immobilienpreise als negative Auswirkungen des Tourismus genannt.
Nicht aus einem Bauchgefühl heraus argumentieren
Die Touristiker, die die Studie in Auftrag gegeben haben, haben mit solchen oder ähnlichen Antworten gerechnet. „Die Ergebnisse haben uns im Grundsatz nicht überrascht“, so Benjamin Buserath, Geschäftsführer der Touristik GmbH, auf Nachfrage dieser Zeitung.
Enttäuscht seien sie von der eher negativen Stimmung einiger Krummhörner zum Thema Tourismus nicht. Nun habe man wenigstens konkrete Ergebnisse, mit denen man arbeiten könne. „Es ging uns im Kern auch darum, eine belastbare Aussage zur Tourismusakzeptanz zu erhalten, damit nicht aus einem ‚Bauchgefühl‘ heraus argumentiert und diskutiert wird“, sagt der Touristiker. „Jetzt haben wir die Ergebnisse schwarz auf weiß und können diese für weitere Überlegungen nutzen.“
Noch keine konkreten Maßnahmen im Gespräch
Bisher wurden die Ergebnisse allerdings weder innerhalb der Gremien noch mit der Verwaltung genauer diskutiert. Von konkreten Maßnahmen als Reaktion auf die Ergebnisse der Studie ist man deshalb noch weit entfernt. „Wir werden uns definitiv die Zeit nehmen, die nötig ist, um alle Seiten der Ergebnisse gewissenhaft zu beleuchten“, so Buserath. Erst nach Gesprächen wolle man gemeinsam mit Politik und Verwaltung überlegen, an welchen Stellen es gewollt, aber auch möglich und sinnvoll ist, entsprechende Maßnahmen zum Thema Tourismus in der Krummhörn zu ergreifen.
Zu dem Vorschlag, die Menge an Tagestouristen in Greetsiel zu beschränken, wie es von einigen Kommentatoren auf Facebook gefordert wurde, wollte sich der Tourismuschef nicht äußern. Bleibt also abzuwarten, ob und welche Maßnahmen in Zukunft in Absprache mit der Verwaltung und Politik mit Blick auf den Tourismus in der Krummhörn ergriffen werden. Wann genau diese Absprachen stattfinden sollen, teilte die Touristik GmbH nicht mit. Man wolle die Ergebnisse dann aber offen kommunizieren.