Wolfsrisse gemeldet  Möglicherweise jagt die Jemgumer Wölfin nun in Uplengen

| | 27.09.2024 08:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Viele Tierhalter sind ratlos, weil sie nicht wissen, wie sie ihre Tiere effektiv schützen können. Immer wieder werden Nutztiere auf den Weiden Opfer von Wolfsangriffen. Foto: Pixabay
Viele Tierhalter sind ratlos, weil sie nicht wissen, wie sie ihre Tiere effektiv schützen können. Immer wieder werden Nutztiere auf den Weiden Opfer von Wolfsangriffen. Foto: Pixabay
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Im Sommer hat ein Wolf in der Gemeinde Jemgum fast jede Woche Schafe und Lämmer getötet. Dafür, dass es plötzlich ruhig um das Wildtier wurde, gibt es einen Grund.

Rheiderland/Uplengen - In der Gemeinde Jemgum gab es im Sommer eine ganze Serie von Wolfsrissen. Seit Himmelfahrt wurden dort fast jede Woche Lämmer und Schafe von einem Wolf verletzt oder getötet. Inzwischen ist es erstaunlich ruhig geworden. Schafhalter hoffen, dass er weitergezogen ist. Entwarnung gibt es aber nicht.

„Insgesamt wurden uns aus der Gemeinde Jemgum dieses Jahr bisher zwölf Wolfsrisse gemeldet, zuletzt am 20. September“, teilte Wolfgang Ehrecke, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, auf Nachfrage mit. Allerdings wundert sich auch Erich Delfs, dass es über einen längeren Zeitraum aus Jemgum keine Meldung gab. Delfs ist seit 2022 als Bezirksförster der niedersächsischen Landwirtschaftskammer (LWK) für die Wolfsrissbegutachtung zuständig. „Eine Zeitlang war ich ja mitunter dreimal in der Woche in Jemgum unterwegs. Es ist gut möglich, dass der Wolf sich zwischenzeitlich von Rehwild ernährt hat. Auch über den Wolf auf Norderney habe ich lange nichts mehr gehört“, mutmaßt Delfs. Betroffene Schafhalter bestätigten dieser Zeitung aber, dass sie Risse nicht mehr melden. Sie sind frustriert.

Frust sitzt tief bei den Betroffenen

Für ein gerissenes Tier bekommen sie nur eine Entschädigung, wenn ihre Weide mit einem wolfsabweisenden Zaun gesichert sind, der hohe Anforderungen erfüllen muss und teuer ist. Wer solch einen Schutz nicht nachweisen kann, der geht leer aus. Lediglich am Emsdeich gelten andere Kriterien. „Für Risse im Deichgebiet können Billigkeitsleistungen auch ohne vorhandenen wolfsabweisenden Grundschutz ausbezahlt werden“, erklärt LWK-Pressesprecher Wolfgang Ehrecke. In diesen Genuss kommen die meisten Nutztierhalter aber nicht. Warum also überhaupt noch einen Riss melden?

„Es ist schon wichtig, dass jeder Riss dem Ministerium gemeldet wird. Ansonsten gilt: kein Riss, kein Wolf“, macht Erich Delfs die Bedeutung für das Wolfs-Monitoring deutlich. Wenn Risse nicht gemeldet würden, bilde das Monitoring ja nicht die Realität ab. „Das ist für die Tierhalter nicht besonders zeit- oder arbeitsaufwändig“, macht Delfs deutlich. „Sie müssen den Riss nur melden, uns das Tier zeigen und uns vor Ort ein bis zwei Fragen beantworten.“ Der Aufwand für die Rissgutachter dagegen sei deutlich höher. „Wir müssen Fotos machen und alle Daten dokumentieren.“

Zwei Rinder gerissen

Delfs nimmt auch DNA-Proben von den Bissverletzungen. Sie werden im Labor untersucht und ausgewertet. Damit kann zu 100 Prozent nachgewiesen werden, ob das Tier tatsächlich von einem Wolf getötet wurde. Durch bereits gesammelte Daten können diese Proben mitunter einem Individuum zugeordnet werden. Wie auch in Jemgum. Für etliche Risse in Critzum, Jemgum und Pogum konnte eine junge Wölfin als Täter ermittelt werden. Das Tier mit der Nummer GW4075f stammt aus einem Rudel aus dem Raum Midden-Drenthe in den Niederlanden. Es hat offenbar im Rheiderland eine neue Heimat gefunden – oder es ist inzwischen weitergezogen.

„In den vergangenen Tagen wurden in Uplengen zwei Rinder getötet“, berichtet Erich Delfs. Nach einem Riss am Sonntag wurde am Dienstag ein weiterer Riss in Oltmannsfehn gemeldet. „Das war ein 400-Kilo-Rind“, so Delfs. Nach seiner Einschätzung könne es durchaus sein, dass es sich um die Wölfin aus Jemgum handelt. „Die Ems ist für einen Wolf kein Hindernis“, betont er. Aus Jägerkreisen in Uplengen habe er gehört, dass dort auf Wildtierkameras schon mehrere Wölfe fotografiert worden seien. „Bei der Entfernung nach Uplengen könnte es sich natürlich auch um ein Rudel aus Reepsholt handeln.“

Auch wenn es jetzt eine Zeitlang ruhig gewesen sei, rechne er damit, dass die Risse wieder zunehmen. „Viele Jungwölfe aus dem letzten Jahr werden ihre Familie verlassen und sich ein eigenes Revier suchen“, macht er deutlich.

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