Nach Rückzug von Pflanzenhändlerin  Dem Emder Wochenmarkt fehlt blühende Vielfalt

| | 05.10.2024 07:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bürsten, Putzzeug und Schälmesser mit Holzgriff: Es gibt durchaus auch besondere Angebote auf dem Emder Wochenmarkt. Foto: Schuurman
Bürsten, Putzzeug und Schälmesser mit Holzgriff: Es gibt durchaus auch besondere Angebote auf dem Emder Wochenmarkt. Foto: Schuurman
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Der Fortgang der Staudengärtnerei auf dem Emder Wochenmarkt hat eine Lücke gerissen. Eine junge Marktsprecherin trommelt für Ersatz und für ihre „coole Marktgemeinschaft“. So ist der Stand.

Emden - Wer dieser Tage über den Emder Wochenmarkt schlendert, bekommt eigentlich alles, was man so braucht: Gemüse und Obst, Fleisch, Fisch und Käse, Blumen und Brot, Oliven und Honig, dazu sogar mal Putzzeug oder Staubsauger. Und doch ist in den vergangenen Monaten manche Lücke unübersehbar größer geworden. „Uns fehlt die Vielfalt“, sagt Marktsprecherin Anke Wilts.

Gähnende Leere jetzt nicht nur in der Winterpause: Hier hatte die Gärtnerei Ambraß zuletzt die Fläche gefüllt: Foto: Schuurman
Gähnende Leere jetzt nicht nur in der Winterpause: Hier hatte die Gärtnerei Ambraß zuletzt die Fläche gefüllt: Foto: Schuurman

Sie bezieht sich dabei vor allem auf das Blumen- und Pflanzenangebot auf dem Wochenmarkt, das sehr überschaubar geworden ist, seit die Gärtnerei Ambraß aus Papenburg nicht mehr mit ihrer riesigen Pflanzen-Auswahl nach Emden kommt. 46 Jahre lang hatte Edeltraud Ambraß große Flächen des Emder Marktes mit ihren Stauden und Kräutern eingenommen. Kränze und Adventsschmuck werden dieses Jahr erstmals fehlen. Aus Altersgründen hat sie ihr Wochenmarkts-Engagement reduziert, bedient im Wechsel mit ihrem Mann nur noch Leer und Norden.

50 Jahre auf dem Markt vollmachen

Aktuell hält der Blumenhändler Volrath Meyer aus Rechtsupweg an allen drei Wochenmarktstagen in Emden die Stellung. Der angestammte Platz des Schnittblumen-Händlers aus Großefehn blieb dagegen in den vergangenen Wochen verwaist, weil Hayo de Wall aus gesundheitlichen Gründen passen musste. Er komme aber wieder und wolle seine 50 Jahre Wochenmarkt unbedingt noch vollmachen, wie Anke Wilts sagt. Viele Jahre brauche er dafür aber nicht mehr.

Hält an allen drei Wochenmarkt-Tagen die Fahne hoch: Blumenhandel Volrath Meyer. Foto: Schuurman
Hält an allen drei Wochenmarkt-Tagen die Fahne hoch: Blumenhandel Volrath Meyer. Foto: Schuurman

Und dann? „Es gibt leider keine Händler mehr im Alter von mir und meinem Bruder, die sich noch selbstständig machen“, sagt Anke Wilts. „Das ist schade für uns.“ Die 28-Jährige hat mit ihrem Bruder André (31) den Geflügelhandel Albert Wilts aus Brookmerland in dritter Generation übernommen. Sie sind damit groß geworden und mit voller Überzeugung dabei. 1958 gründete ihr Großvater den Betrieb. Ihr Vater gilt als Begründer des Wochenmarktes auf Norderney, wo die Geflügelhändler mittwochs auch Obst und Gemüse verkaufen.

Neuer Verkaufswagen und gemeinsame Feiern

Und jetzt haben die Youngster der Familie sogar noch einmal in einen völlig neuen Marktstand investiert. Damit könnten nun alle Geflügelspezialitäten in großzügigen Glasvitrinen präsentiert werden, sagt Anke Wilts. „Kunden kaufen ja nur, was sie auch sehen.“ Zur Investitionssumme wollte sie nichts sagen. Nur dass man dafür noch eine ganze Menge Geflügel und Eier verkaufen müsse.

Viel Vitrine und reichlich Geflügelvariationen: Wilts hat in einen neuen Verkaufswagen investiert. Foto: Schuurman
Viel Vitrine und reichlich Geflügelvariationen: Wilts hat in einen neuen Verkaufswagen investiert. Foto: Schuurman

Zur Eröffnung des neuen Verkaufswagens hatte die Marktsprecherin im Übrigen nicht nur Kundinnen und Kunden eingeladen, sondern auch ehemalige Marktbeschicker wie den Emder Demeter-Bauern Kalle Kehl, der bis vor wenigen Jahren noch sein Gemüse auf dem Markt verkauft hat. „Sie sind alle gekommen“, freut sich Anke Wilts. Und das sei auch üblich, denn die Markthändler seien eine „coole Gemeinschaft“, schwärmt sie. Man feiere zusammen Geburtstage. Und manche fahren sogar gemeinsam in den Urlaub. „Mit Edeltraud (Ambraß) fahre ich jedes Jahr eine Woche zusammen weg“, sagt Anke Wilts. „Das ist super.“

Wochenmarkt-Handel als Familienbetrieb

Gemeinsam mit ihrer Freundin aus Papenburg sei es sogar beinahe gelungen, Ersatz für die größte Lücke durch den Wegfall der Staudengärtnerei zu finden. Doch die Gespräche mit einer Nachfolgerin hätten sich dann doch erst einmal wieder zerschlagen. „Es ist für Neulinge oft zu schwer, die Vor- und Nachbereitung für den Markt in ihren Wochenablauf reinzubekommen“, sagt Anke Wilts.

Ein Team, nicht nur auf dem Wochenmarkt: Anke Wilts (Mitte) mit ihren Stamm-Verkäuferinnen Elisabeth Tietje und Ludmilla de Beer. Foto: Schuurman
Ein Team, nicht nur auf dem Wochenmarkt: Anke Wilts (Mitte) mit ihren Stamm-Verkäuferinnen Elisabeth Tietje und Ludmilla de Beer. Foto: Schuurman

Es sei eben noch häufig so, dass der Wochenmarkt-Handel nur durch Familienbetriebe funktioniere. Etwa wie beim Metzger Ulferts aus Münkeboe, der seinen Verkaufsstand in jüngere Hände weitergegeben hat. Oder die Fischhandlung Luth Eilts aus Hagermarsch, die vom Enkel Michael Hülsmeyer übernommen worden war. Beide Händler sind regelmäßig auf dem Emder Wochenmarkt präsent.

Rückkehrer gibt es auch

Und manchmal kommen auch Händler wieder, die sich schon mal in Emden rargemacht haben. So ist samstags der „Kleine Wilddieb“ wieder auf dem Neuen Markt dabei, freitags werden außerdem die Waren von Gilly‘s Wildgenuss angeboten. Beide werben mit Wildfleisch, Rindfleisch, Grillwaren und Frühstücksaufschnitt. Heidemarie Heyer mit ihrem Kaffeemobil werde auch seit Langem vermisst und ihre Rückkehr sicher erwartet.

Bietet defige Wurst aus Thüringen: Matthias Backhaus. Foto: Schuurman
Bietet defige Wurst aus Thüringen: Matthias Backhaus. Foto: Schuurman

„Wir haben den Platz, alle sind willkommen“, wirbt Anke Wilts. Das dürften dann auch gerne gelegentliche Händler sein wie beispielsweise Henry Wegener aus Rechtsupweg. In der Saison verkauft er seine Straußenei-Produkte überwiegend in den touristischen Küstenorten. Anschließend sei er wieder dienstags und freitags auf dem Emder Wochenmarkt dabei. Saisonaler Händler ist auch schon naturgemäß Bahlmann, der im Frühjahr mit Spargel, Erdbeeren und neuen Kartoffeln aus Molbergen an allen drei Markttagen dicht umlagert ist.

Freitags verkauft er Staubsauger auf dem Emder Wochenmarkt: Kickers-Trainer Markus Unger. Foto: Schuurman
Freitags verkauft er Staubsauger auf dem Emder Wochenmarkt: Kickers-Trainer Markus Unger. Foto: Schuurman

Jung und alt auf dem Wochenmarkt

Jüngste Mitglieder der Emder Marktgemeinschaft sind Kickers-Trainer Markus Unger mit seinem Staubsaugerstand oder Matthias Backhaus aus Gera mit seiner original Thüringer Rostbratwurst zum Direktverzehr. Melissa Brouwer verkauft seit ein paar Monaten an ihrem Käsestand „de Zeeg“ handgemachten Ziegenkäse aus Weener.

Gehört zum jüngsten Wochenmarkt-Zuwachs: Melissa Brouwer mit ihrem Ziegenkäse. Foto: Schuurman
Gehört zum jüngsten Wochenmarkt-Zuwachs: Melissa Brouwer mit ihrem Ziegenkäse. Foto: Schuurman

So gesehen ist also schon eine gewisse Vielfalt auf dem Emder Wochenmarkt gegeben, wenngleich über allem das demografische Damoklesschwert geschwungen wird. Viele Marktbeschicker stehen vor der Rente oder sind bereits über das Rentenalter hinaus. Aber es gibt auch noch „junge Leute und solche, die Bock haben, auf dem Markt zu arbeiten“, sagt Anke Wilts. Wenn sich jetzt noch ein Pflanzenhändler angesprochen fühle, wäre das „richtig gut“ für Vielfalt und Fortbestand des Wochenmarktes.

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