Debatte über Tourismus  Greetsiel-Urlauber fühlen sich unerwünscht

| | 09.10.2024 08:03 Uhr | 6 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Einen höflicheren Umgang miteinander wünschen sich sowohl Greetsieler als auch Besucher des beliebten Touristenortes. Foto: Wagenaar/Archiv
Einen höflicheren Umgang miteinander wünschen sich sowohl Greetsieler als auch Besucher des beliebten Touristenortes. Foto: Wagenaar/Archiv
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Eine Tourismusstudie zeigte jüngst, dass sich manche Greetsieler von Touristen im Ort gestört fühlen. Sind die Urlauber nun unerwünscht? In den sozialen Medien gibt es dazu geteilte Meinungen.

Greetsiel - Der Tourismus in Greetsiel: ein Thema, das weiterhin für hitzige Diskussionen sorgt. Zu viele Urlauber besuchten den Ort, sagen einige Anwohner. Sie könnten sich teilweise nicht benehmen und fielen dadurch unangenehm auf. Andere Anwohner halten dagegen: Man könne sich glücklich schätzen, dass die Region wirtschaftlich profitiere von dem Zulauf an Gästen.

Immer ein beliebtes Fotomotiv: der Greetsieler Hafen mit den Krabbenkuttern. Foto: Wagenaar/Archiv
Immer ein beliebtes Fotomotiv: der Greetsieler Hafen mit den Krabbenkuttern. Foto: Wagenaar/Archiv

Die Diskussion über die Anzahl der Touristen in der Krummhörn war erneut aufgeflammt, nachdem die Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel die Ergebnisse einer gemeindeweiten Umfrage zum Thema Tourismus vorgestellt hatte. Etwa 800 der knapp 12.000 Krummhörner hatten sich daran beteiligt und ihre Meinung zu den Umgang mit Urlaubern in der Region geteilt. Dabei kam raus: Rund 90 Prozent der Greetsieler Teilnehmer empfinden die Anzahl der Touristen als zu hoch und wünschen sich mehr Transparenz von der Gemeinde bei Themen der touristischen Entwicklung. Aber wie sehen das die Touristen selbst? Fühlen sie sich noch willkommen in Greetsiel? Wir haben uns in den entsprechenden Facebook-Gruppen umgesehen und ein paar Meinungen zusammengetragen.

Es wird immer voller im Ort

Dabei wird deutlich, dass einige Urlauber Verständnis für den Unmut mancher Greetsieler zeigen, gerade im Zusammenhang mit einigen wenigen, die sich scheinbar nicht benehmen können. Aber einige Gäste fühlen sich auch zunehmend unerwünscht, wie die Kommentare zeigen. Dass es durchaus voll werden kann in Greetsiel, fällt auch den Urlaubern auf. Er könne „das Ergebnis der Umfrage gut verstehen“, schreibt zum Beispiel ein Gast auf Facebook unter einem Beitrag zu der Menge der Touristen im Ort. „Umso näher man wieder an den wunderschönen Ortskern kommt, umso voller wurde es.“ Diese Beobachtung machte auch ein Kommentator, der nach eigenen Angaben früher ein Haus in Greetsiel hatte. „In den Jahren wurde es immer voller“, schreibt er. „Überall wurde gebaut. Jede Lücke und fast jedes freie Fleckchen.“ Zudem gebe es ein „Überangebot an Wohnraum für Touristen“. Gerade an den Wochenenden sei das Fischerdorf völlig überlaufen. „Irgendwann haben wir dann die Flucht ergriffen.“

Gerade in den Sommermonaten kann es schnell voll werden auf den kleinen Straßen in Greetsiel. Foto: Wagenaar/Archiv
Gerade in den Sommermonaten kann es schnell voll werden auf den kleinen Straßen in Greetsiel. Foto: Wagenaar/Archiv

Aber viele Touristen müssten nicht gleich automatisch für schlechte Stimmung bei den Einheimischen sorgen, finden andere Urlauber. Denn letztendlich komme es vor allem auf das Verhalten der Besucher und den guten Ton an. Eine Besucherin, die seit Jahren regelmäßig mit dem Wohnmobil nach Greetsiel kommt, fasst es wie folgt auf Facebook zusammen: „Man muss sich nur auch mal in die Menschen vor Ort versetzen. Es ist ihr Lebensmittelpunkt, wir sind Besucher für einen kleinen Zeitraum. Verständnis ist wichtig und Respekt füreinander, und dann klappt das Miteinander.“ Darum lege sie bei ihren Besuchen an der Küste Wert darauf, vor Ort einzukaufen und auch die Gastronomie vor Ort zu unterstützen. Zudem gehe es eben auch darum, aktiv am Dorfleben teilzunehmen, lokale Veranstaltungen zu besuchen und so dem Ort und den Vereinen etwas Gutes zu tun.

Keine Privatsphäre für die Einheimischen

Er fühle sich auch nach jahrelangen Besuchen in Greetsiel noch immer wohl im Ort, habe sogar Freundschaften mit Einheimischen aufgebaut, schreibt ein weiterer Urlauber. Dass es einigen Greetsielern zu viel wird mit den Touristen, dafür macht er vor allem jene Besucher verantwortlich, die durch unhöfliches Verhalten auffielen. Eine Urlauberin bemängelt dabei besonders „die Selbstverständlichkeit, mit der manche Touristen glauben, dass Einheimische in einem Touristenort keine Privatsphäre haben“.

Auch beim Greetsieler Weinfest in diesem Sommer war viel los. Foto: Wagenaar/Archiv
Auch beim Greetsieler Weinfest in diesem Sommer war viel los. Foto: Wagenaar/Archiv

Touristen schauten zum Beispiel in private Wohnungen, beträten die Gärten von Einheimischen unerlaubt und machten dort Fotos, oder sie fielen allgemein durch einen hohen Lärmpegel auf, so lauten die Vorwürfe. Mehr Respekt gegenüber den Anwohnern würde das Gesamtbild der Touristen in Greetsiel sicher aufwerten, so die Urlauberin. Das sehen einige Anwohner ähnlich. Manche Tagestouristen hätten kein Benehmen, benähmen sich „wie die Axt im Wald“, schreibt einer von ihnen. Sie benähmen sich teilweise unterirdisch, so eine andere Anwohnerin.

„Da muss man sich wohl nach einem anderen Ort umsehen“

Solche Diskussionen haben zunehmend dazu geführt, dass einige Urlauber angeben, sich unerwünscht in Greetsiel zu fühlen. Sie finde es traurig, dass sich manche Einheimische anscheinend durch die Gäste belästigt fühlten, schreibt eine Urlauberin. Und weiter: „Da muss man sich wohl nach einem anderen Ort umsehen.“ Eine andere Besucherin stimmt ihr zu, sagt, dass sie persönlich überhaupt keine Lust habe, zu hören oder zu lesen, dass sie in Greetsiel nicht erwünscht sei. „Man kann nicht den Menschen ihr teilweise schwer verdientes Geld aus der Tasche ziehen und anschließend jammern, dass es zu viele werden“, formuliert es eine Urlauberin auf Facebook. Eine weitere Urlauberin geht sogar noch einen Schritt weiter und schreibt, dass es vor allem die Einheimischen seien, die immer anfingen, gegen die Touristen zu wettern. Auf Norderney gebe es so was nicht, da werde man als Tourist nicht dafür verantwortlich gemacht, dass neue Unterkünfte für Urlauber entstehen.

Stattdessen müsse man die Verantwortung eher bei der Gemeinde suchen, da sind sich Einheimische und Besucher einig. Immerhin sei es die Gemeinde, die gemeinsam mit der Politik weitere Baugebiete geplant habe und so noch mehr Raum für Touristen biete. An den Baugenehmigungen seien schließlich nicht die Touristen schuld. „Einen kleinen Ort mit Unmengen von Ferienwohnungen zu belasten (und immer noch weiter Fewos zu genehmigen) konnte doch dauernd nicht ohne Probleme bleiben“, schreibt eine Krummhörnerin. Sie könne daher den Unmut einiger Greetsieler sehr gut verstehen. Denn solange es weiterhin verfügbare Ferienunterkünfte gebe, würden diese genutzt. Auch da sehen viele der Urlauber und Einheimischen die Gemeinde in der Verantwortung. Um bezahlbaren Wohnraum in der Krummhörn zur Verfügung zu stellen, besonders für Einheimische und Arbeitskräfte, müsse man sich eben bei der Verwaltung geeignete Maßnahmen überlegen.

Alle wollen Respekt und Verständnis

Deswegen seien nun Vorschläge statt Beschimpfungen gefragt, schreibt eine Krummhörnerin auf Facebook. Ansonsten würden irgendwann die Gäste ausbleiben, so die Befürchtung. Denn schließlich habe niemand Lust, „sich durch das Dorf schieben zu lassen oder keinen Platz im Restaurant zu bekommen“, schreibt eine Kommentatorin. Auch dort sei die Gemeinde gefragt, sich Lösungen zu überlegen.

Deutlich wird: Am Ende wünschen sich sowohl Touristen als auch Einheimische ein respektvolles Miteinander und gegenseitiges Verständnis. Um dieses Verständnis bemüht sich auch die Touristik GmbH. Man nehme die Ergebnisse der Studie ernst und wolle sich gemeinsam mit der Verwaltung einige Maßnahmen überlegen, um für mehr Transparenz bei der touristischen Entwicklung der Krummhörn zu sorgen, sagte Geschäftsführer Benjamin Buserath kürzlich gegenüber dieser Zeitung.

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