Durchbruch für Verkauf  Emder Apollo-Mission kann endlich starten

| | 17.10.2024 12:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Leerstand oder doch bewohnt? Ein Vorhang weht seit einigen Wochen aus dem offenen Fenster des ehemaligen Apollo-Theaters. Foto: Schuurman
Leerstand oder doch bewohnt? Ein Vorhang weht seit einigen Wochen aus dem offenen Fenster des ehemaligen Apollo-Theaters. Foto: Schuurman
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Das Apollo-Theater in Emden steht seit vielen Jahren leer. Das könnte sich bald ändern. Von einem Durchbruch bei den Verkaufsverhandlungen ist die Rede.

Emden - Der abgeranzte Anblick eines der zentralsten Baudenkmäler in Emden könnte bald beendet sein. Während aus den oberen Stockwerk des ehemaligen Apollo-Lichtspieltheaters noch Vorhänge aus offenen Fenstern flattern, die Beschriftung der alten Leuchtreklame immer mehr verblasst und Bäume auf dem Dach wachsen, haben sich nämlich Investor und Stadt endlich weitestgehend auf einen Kaufvertrag geeinigt.

Verblasst: die Aufschrift der alten Leuchtreklame des ehemaligen Lichtspieltheaters. Foto: Schuurman
Verblasst: die Aufschrift der alten Leuchtreklame des ehemaligen Lichtspieltheaters. Foto: Schuurman

Endgültige Unterschriftsreife soll dieser Ende des Jahres 2024 haben, wie Udo Fuhrmann dieser Zeitung sagte. Dann muss der geschäftsführende Gesellschafter von Pro.ces, des Entwicklungs-Konsortiums Emder Baufirmen, noch mal Gas geben. Drei Jahre bleiben Zeit, um das „Teeater“ zu realisieren. „Lieber heute als morgen“, sagte Fuhrmann. „Es gibt keinen, der größeres Interesse hat loszulegen.“

Hätte schon realisiert sein können

Nach Fuhrmanns Einschätzung hätte das Teeater-Konzept, mit dem das Konsortium 2021 den Bieter-Wettbewerb um das alte Gemäuer des Backstein-Expressionismus gewonnen hatte, schon realisiert sein können. Vorne Gastronomie und Veranstaltungsraum, dazu oben und hinten Büroflächen, inklusives und normales Wohnen. Daran hat sich bis heute nichts groß geändert. Im Gegenteil: Inzwischen sei man trotz zahlreicher Einwände und Vorgaben wieder am Ausgangs-Planungspunkt angelangt.

Die Planung von September 2022: vierstöckig vorne und Balkone an den Studentenwohnungen hinten. Entwurf: awp
Die Planung von September 2022: vierstöckig vorne und Balkone an den Studentenwohnungen hinten. Entwurf: awp

Doch das Vorhaben sei eben seit drei Jahren mit vielen Faktoren konfrontiert, die ausgesprochen „lähmende Wirkung“ hatten. Fuhrmann zählte den Denkmalschutz, das Baurecht, „hü und hott“ bei Fördermaßnahmen und der Zinspolitik sowie die Baustoffpreisentwicklung auf, die letztlich die Wirtschaftlichkeit des gesamten Projektes immer wieder infrage stellten. Und manchmal mahlten die Verwaltungs-Mühlen auch einfach sehr langsam. So gebe auch schon mal ein aufreibendes Hin und Her, was in manchem Punkt Vorrang hat, das Baurecht oder der Denkmalschutz.

Wie war das Apollo 1908 gebaut?

Konkretes Beispiel: Wenn Gebäude bewohnt werden sollen, müssen laut Baurecht die Lichtverhältnisse stimmen. Das heißt: Es muss ausreichend Tageslicht über Fenster hereinkommen. Doch große Flächen der Fassade am alten Apollo haben keine Fenster. Nachträglich reinschneiden ist nicht ohne Weiteres erlaubt. Der Denkmalschutz beruft sich auf die ursprüngliche Bauweise, doch was ist ursprünglich? Der Bau von 1908, der schon wenige Tage nach seiner Eröffnung ausgebrannt war und dann erstmals wieder aufgebaut wurde? Oder die Version, die seit einigen Jahren nach dem Kriegsende steht?

1944 war das Gebäude zu mehr als 70 Prozent zerstört und wieder aufgebaut worden. Und überhaupt: Was war zuerst? Drei oder vier Geschosse? Alles zeitraubende Fragen, die hätten geklärt werden müssen. „Trotzdem sind wir mit der Stadt sehr konstruktiv vorwärtsgekommen und haben jetzt alles im Kaufvertrag gelöst“, sagte Fuhrmann.

Keinen Cent runtergehandelt?

Billiger werde die Übernahme des Gebäudes für ihn allerdings nicht, auch wenn in den Jahren die Bausubstanz noch weiter gelitten habe. Der Kaufpreis sei unverändert, sagte Fuhrmann. Über die Höhe schweigt er sich aus. Aber es geht auch wohl nicht darum, den Restwert aus dem Gebäude herauszuholen, sondern es zu einem Prestige-Objekt in prominenter Innenstadt-Lage wieder herzustellen, wie er durchblicken lässt.

Kaputte Fensterscheiben, Graffiti und ein Baum, der auf dem Flachdach wächst: der Anblick von der Wasserseite. Foto: Schuurman
Kaputte Fensterscheiben, Graffiti und ein Baum, der auf dem Flachdach wächst: der Anblick von der Wasserseite. Foto: Schuurman

2009 war das Apollo-Kino nach 80 Jahren Spielbetrieb geschlossen worden. Seit dem letzten Wiederbelebungsversuch des alten Kinos zu einem alternativen Veranstaltungsort steht das Objekt leer. Der eigens dafür gegründete Apollo-Verein hatte einige Wochen lang dort Konzerte organisiert. Die Stadt hatte das Gebäude 2012 gekauft. Das Ziel, es zu einem Kulturzentrum zu etablieren, war aber gescheitert. 2019 fiel der Entschluss, es wieder zu verkaufen. Ein Bieterverfahren wurde vorbereitet.

Nichts mehr von Wert

Seit dem Leerstand suchen dort immer wieder Obdachlose Unterschlupf. Offene Fenster mit wehenden Vorhängen sind ein Indiz dafür. Im Inneren sei inzwischen nichts mehr von Wert vorhanden, heißt es. „Die Bausubstanz ist so schlecht, dass man eigentlich abreißen müsste“, sagte Fuhrmann. Mit einem bezahlbaren Konzept sei das Apollo aber noch zu retten. „Und ich glaube daran, es ist ein schönes Konzept.“

Dazu beitragen soll auch der Platz vor dem Apollo. Der habe zuletzt noch einige Kopfschmerzen gemacht, weil dieser im Besitz der Stadt Emden bleibt. Ihn wieder mit einem Stigt, also einer Treppe ans Wasser herzurichten sei aufgrund der Verkehrssituation mit der Kreuzungsanlage kaum mehr möglich. Eine wie auch immer geartete Verschönerung des Platzes wolle die Stadt nun aber über Förderprogramme hinbekommen, so Fuhrmann. Das ganze Ensemble mit alter Stiege und der Kirche solle eingebunden werden. Denn letztlich braucht das „Teeater“ auch Raum für eine Außenbestuhlung der Gastronomie.

Sollte der Kaufabschluss jetzt wie vorgesehen zum Jahresende 2024 klappen, will der Investor loslegen. „Bis Ende 2028 wollen wir das Projekt endlich abgeschlossen haben“, sagte Fuhrmann. „Wir ziehen das jetzt durch.“

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