Analyse zu Löhnen und Chancen  Besonders frauenfeindlich – die Arbeitsbedingungen in Ostfriesland

Andreas Ellinger
|
Von Andreas Ellinger
| 03.11.2024 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 10 Minuten
Frauen verdienen noch immer weniger als Männer – in Ostfriesland besonders wenig. Symbolfoto: Annette Riedl/dpa
Frauen verdienen noch immer weniger als Männer – in Ostfriesland besonders wenig. Symbolfoto: Annette Riedl/dpa
Artikel teilen:

In 348 Kreisen verdienen Frauen mehr als in den Kreisen Leer, Aurich und Wittmund. Überhaupt sind Frauen beruflich in Ostfriesland noch benachteiligter als anderswo in Deutschland. Vor allem Mütter.

Ostfriesland/Berlin - Das monatliche Medianentgelt von Frauen im Landkreis Wittmund lag im Jahr 2023 bei 2838 Euro, das von Männern bei 3340 Euro. Zum Vergleich: In Wolfsburg lag das mittlere Einkommen von Frauen zum selben Zeitpunkt bei 4759 Euro, das von Männern bei 5764 Euro.

Das Medianentgelt ist das mittlere monatliche Arbeitseinkommen von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten – brutto, also bevor Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden. Die Bundesregierung definiert es in ihrem „Gleichwertigkeitsbericht 2024“, in dem sie die Lebensverhältnisse in den 400 Landkreisen und kreisfreien Städten vergleicht, wie folgt: „Das regionale Medianentgelt (,mittleres Einkommen‘) entspricht dem Bruttoeinkommen, das bei einer aufsteigenden Sortierung aller Arbeitsentgelte aller in Vollzeit erwerbstätigen Personen in der jeweiligen Region (vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen) exakt in der Mitte liegt.“

Der bundesweite Regionen-Vergleich der Bundesregierung

Dieser Regierungsbericht wird seit Oktober 2024 im Bundestag behandelt. Die Statistiken, die ihm zugrundeliegen, vermitteln einen Eindruck, mit welchen Nachteilen Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu kämpfen haben – deutschlandweit, aber auch für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt betrachtet. Für Frauen geht es ums Geld, um berufliche Selbstverwirklichung, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, um Gleichberechtigung. Für die Wirtschaft um weibliche Fachkräfte beziehungsweise um den Fachkräftemangel. Und für die Gesellschaft geht es mindestens um volkswirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg.

Der Autor dieses Berichts hat die Rohdaten des Gleichwertigkeitsberichts und darüber hinausgehende Daten der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet – unter anderem hinsichtlich der Situation von Frauen in Ostfriesland. Dabei kam heraus, dass im bundesdeutschen Regionen-Vergleich auch die Männer auf dem ostfriesischen Arbeitsmarkt relativ wenig verdienen.

Die Beschäftigungsquote ostfriesischer Frauen im Deutschland-Vergleich

Die Betrachtung beginnt bei der Frage, wie viele Frauen überhaupt berufstätig sind beziehungsweise berufstätig sein können. Diesbezüglich vermittelt die Beschäftigungsquote einen Eindruck. Das ist der „prozentuale Anteil von sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen und Männern an der jeweiligen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter“, wie die Bundesagentur für Arbeit erklärt in einer Statistik erklärt, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) veröffentlicht hat. Geringfügig entlohnte Beschäftigte (Mini-Jobber), Beamte, Selbstständige und unbezahlt mithelfende Familienangehörige sind demnach nicht in der Quote enthalten.

Weiter heißt es: „Die Beschäftigungsstatistik erfasst Arbeitnehmende, die kranken- oder rentenversicherungspflichtig oder versicherungspflichtig nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III) sind. Seit dem Berichtsjahr 2012 werden sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (am Wohnort) ab einem Alter von 15 Jahren bis zum Erreichen der gesetzlich festgelegten Regelaltersgrenze erfasst.“ Diese Regelaltersgrenze ist in Deutschland demnach mit Vollendung des 67. Lebensjahres erreicht, wobei sie für Arbeitnehmer mancher Jahrgänge noch bei 65 bis 67 Jahren liegt.

Beschäftigungsquoten von Frauen und Männern im Deutschland-Ranking. Quelle: Bundesagentur für Arbeit / BMFSFJ
Beschäftigungsquoten von Frauen und Männern im Deutschland-Ranking. Quelle: Bundesagentur für Arbeit / BMFSFJ

Vergleicht man bezüglich des Jahres 2022 die 400 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland, so reicht das Spektrum bei der Beschäftigungsquote für Frauen von 69,4 Prozent (Landkreis Eichsfeld auf Platz 1) bis 45,1 Prozent (Stadt Trier auf Platz 400). Die ostfriesischen Landkreise Wittmund (54,7 Prozent), Aurich (53,4) und Leer (52,7) sowie die Stadt Emden (51,9) sind auf den Rängen 349, 362, 376 und 383. Bei den Männern liegen die Beschäftigungsquoten in Ostfriesland durchgehend höher; 60,2 Prozent (Kreis Wittmund), 65,1 Prozent (Kreis Aurich), 63,7 Prozent (Kreis Leer) und 64,7 Prozent (Stadt Emden).

Die Beteiligung ostfriesischer Väter am Elterngeld im Deutschland-Vergleich

„Bis heute gibt es in allen Regionen einen deutlichen Unterschied zwischen Müttern und Vätern sowohl bei der Beteiligung am Elterngeld als auch beim Umfang der Elterngeldnutzung“, schreibt die Bundesregierung. Auf die Entscheidung, wie sich Eltern die Elterngeldmonate untereinander aufteilen, können demnach unterschiedliche Faktoren Einfluss haben – darunter die Betreuungsinfrastruktur vor Ort, die individuellen Einstellungen, die Familienfreundlichkeit der Arbeitgeber, die Einkommensverhältnisse und der Arbeitsmarkt vor Ort. Die Väterbeteiligung beim Elterngeld ist laut Bundesregierung „ein Indikator für Veränderungen bei der Gleichberechtigung“.

Wenn Mütter auf der Deutschland-Karte nach Ostfriesland schauen, sehen sie rot. Hier bleibt die Kindererziehung offenbar in besonders überdurchschnittlichem Ausmaß an den Frauen hängen. Quelle/Grafik: Gleichwertigkeitsbericht 2024 der Bundesregierung / BMWK
Wenn Mütter auf der Deutschland-Karte nach Ostfriesland schauen, sehen sie rot. Hier bleibt die Kindererziehung offenbar in besonders überdurchschnittlichem Ausmaß an den Frauen hängen. Quelle/Grafik: Gleichwertigkeitsbericht 2024 der Bundesregierung / BMWK

Die Väterbeteiligung am Elterngeld, wie sie im Gleichwertigkeitsbericht betrachtet wurde, „bildet den prozentualen Anteil der Kinder ab, deren Vater Elterngeld bezogen hat“. Wie die Kindererziehung zwischen Vätern und Müttern aufgeteilt ist, geht daraus aber nur teilweise hervor. Denn die durchschnittliche Dauer des Elterngeldbezugs ist im Vergleich der 400 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland nicht berücksichtigt worden. Die Bundesregierung stellt aber in der Gesamtschau fest, dass die Dauer des geplanten Elterngeldbezugs bei Männern im Jahr 2023 bei 3,7 Monate gelegen habe, bei Frauen hingegen bei 14,8 Monaten.

Die Beteiligung der Väter am Elterngeldbezug – und an der Kindererziehung: Aus der Tabelle geht hervor, wie Ostfriesland und die Landkreise Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland sowie die Stadt Wilhelmshaven im Deutschland-Vergleich der Bundesregierung abgeschnitten haben. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht der Bundesregierung
Die Beteiligung der Väter am Elterngeldbezug – und an der Kindererziehung: Aus der Tabelle geht hervor, wie Ostfriesland und die Landkreise Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland sowie die Stadt Wilhelmshaven im Deutschland-Vergleich der Bundesregierung abgeschnitten haben. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht der Bundesregierung

Bezüglich Ostfriesland ergibt sich aus den Daten des Jahres 2020, die für den Gleichwertigkeitsbericht 2024 ausgewertet wurden, dass die Landkreise Wittmund, Aurich und Leer sowie die Stadt Emden im Deutschland-Vergleich weit hinten liegen. Maximal bei 36,5 Prozent der Kinder (Kreis Wittmund) haben die Väter Elterngeld bezogen. In 317 von 400 Landkreisen und kreisfreien Städten haben verhältnismäßig mehr Väter Elterngeld bezogen. Die Zahlen legen bei lebensnaher Betrachtung nahe, dass die Erziehungsarbeit in Ostfriesland in noch höherem Ausmaß von Müttern geleistet wird als in anderen Regionen.

Ostfriesische Kinderbetreuungs-Quoten im Deutschland-Vergleich

„Externe Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind eine wesentliche Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, denn sie ermöglichen Eltern, frühzeitig und in größerem zeitlichen Umfang wieder ins Erwerbsleben zurückzukehren“, erklärt die Bundesregierung und fügt hinzu: „Vor allem Frauen haben in dieser Hinsicht in der Vergangenheit vom Ausbau der Betreuungsangebote profitiert.“ In Ostfriesland aber offenbar weniger als in anderen Regionen Deutschlands.

Entlang der Kinderbetreuungsquoten der Landkreise und kreisfreien Städte lässt sich der einstige Verlauf der Grenze zwischen Bundesrepublik und DDR ziemlich gut nachvollziehen. In Ostfriesland sind die Betreuungswerte ähnlich niedrig wie in Bayern und Baden-Württemberg. Quelle/Grafik: Gleichwertigkeitsbericht 2024 der Bundesregierung / BMWK
Entlang der Kinderbetreuungsquoten der Landkreise und kreisfreien Städte lässt sich der einstige Verlauf der Grenze zwischen Bundesrepublik und DDR ziemlich gut nachvollziehen. In Ostfriesland sind die Betreuungswerte ähnlich niedrig wie in Bayern und Baden-Württemberg. Quelle/Grafik: Gleichwertigkeitsbericht 2024 der Bundesregierung / BMWK

Die Bundesregierung hat die Betreuungsquote bei Kindern in einem Alter unter drei Jahren betrachtet – es geht um die Betreuung außerhalb des Elternhauses. Hinsichtlich des Jahres 2022 zeigt sich, dass in einem Großteil der Landkreise und kreisfreien Städte mehr Kleinkinder betreut wurden als in Ostfriesland. In Kombination mit dem vergleichsweise seltenen Elterngeldbezug der Väter deutet das darauf hin, dass überdurchschnittlich viele Mütter in Ostfriesland nicht oder kaum berufstätig waren oder sein konnten – wobei aus den Zahlen nicht hervorgeht, ob sie das so wollten oder nicht. Denn es ist im Gleichwertigkeitsbericht nicht analysiert, ob es keine weiteren Betreuungsplätze gab oder keine weiteren Betreuungsangebote nachgefragt wurden.

Betreuung von Kindern unter drei Jahren außerhalb des Elternhauses: Aus der Tabelle geht hervor, wie Ostfriesland und die Landkreise Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland sowie die Stadt Wilhelmshaven im Deutschland-Vergleich der Bundesregierung abgeschnitten haben. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht der Bundesregierung
Betreuung von Kindern unter drei Jahren außerhalb des Elternhauses: Aus der Tabelle geht hervor, wie Ostfriesland und die Landkreise Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland sowie die Stadt Wilhelmshaven im Deutschland-Vergleich der Bundesregierung abgeschnitten haben. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht der Bundesregierung

Bei der „Ganztagsbetreuung im Sinne einer mehr als siebenstündigen täglichen Betreuung“ von drei- bis sechsjährigen Kindern in einer Kindertageseinrichtung fällt die statistische Auswertung ähnlich aus wie bei den Kleinkindern. Basierend auf Zahlen aus dem Jahr 2018. Die ostfriesischen Landkreise und die Stadt Emden liegen im Vergleich der 400 Gebietskörperschaften weit hinten – im unteren Viertel der Tabelle oder nah am unteren Viertel dran (Emden). Jedenfalls, wenn man die Rangliste so aufbaut, dass mehr Betreuung als besser und damit als höherrangig bewertet wird.

Ganztagsbetreuung von Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren: Aus der Tabelle geht hervor, wie Ostfriesland und die Landkreise Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland sowie die Stadt Wilhelmshaven im Deutschland-Vergleich der Bundesregierung abgeschnitten haben. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht der Bundesregierung
Ganztagsbetreuung von Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren: Aus der Tabelle geht hervor, wie Ostfriesland und die Landkreise Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland sowie die Stadt Wilhelmshaven im Deutschland-Vergleich der Bundesregierung abgeschnitten haben. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht der Bundesregierung

Teilzeitbeschäftigte Frauen in Ostfriesland

Zur relativ geringen Väterbeteiligung am Elterngeld und den vergleichsweise niedrigen Kinderbetreuungs-Quoten passt, dass viel mehr Frauen als Männer in Ostfriesland in Teilzeit beschäftigt sind. Zum 31. März 2024 gab es im Bezirk der Arbeitsagentur Emden-Leer, die für Ostfriesland zuständig ist, 51.622 sozialversicherungspflichtig Teilzeitbeschäftigte, darunter 42.414 Frauen (mehr als 82 Prozent).

Umgekehrt fiel das Geschlechter-Verhältnis bei den Vollzeitbeschäftigten aus. Deren 112.025 weist die Arbeitsagentur-Statistik zum selben Zeitpunkt aus – darunter nur 34.491 Frauen (gut 30 Prozent).

Mini-Jobberinnen in Ostfriesland

Ein ähnliches Bild bietet sich bei den geringfügig beschäftigten Männern und Frauen, die auch nur geringfügig entlohnt werden. Ein Mini-Job, beispielsweise am Wochenende, dürfte oft die einzige Arbeitsmöglichkeit für eine Mutter sein, wenn der Vater in Vollzeit berufstätig ist und keine Betreuungsmöglichkeit für die Kinder gegeben ist.

Im Bezirk der Arbeitsagentur Emden-Leer waren 43.726 geringfügige Beschäftigungen registriert, wovon 27.020 von Frauen ausgeübt wurden. Das entspricht 61,8 Prozent. Stand: 31. März 2024. Damit ist der Frauen-Anteil an den geringfügig Beschäftigten in Ostfriesland höher als in der übergeordneten Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Arbeitsagentur (56,7 Prozent), höher als in Westdeutschland (56,9) und höher als in Deutschland (56,5). In diesen Zahlen sind auch Nebenjobs enthalten. In der Statistik der Arbeitsagentur sind aber auch die ausschließlich geringfügig Beschäftigten erfasst. Das waren im Bezirk der Arbeitsagentur Emden-Leer 27.903 Personen, darunter 18.152 Frauen. Das sind 65,1 Prozent.

Lohn-Diskriminierung von ostfriesischen Frauen im Deutschland-Vergleich

Den „Abstand zwischen dem Bruttotagesentgelt einer vollzeitbeschäftigten Frau und dem Bruttotagesentgelt eines vollzeitbeschäftigten Mannes“ kann man vielerorts in Deutschland als groß bewerten, aber in Ostfriesland ist er überdurchschnittlich groß. In der gemittelten Betrachtung der Regierungsbericht-Statistiken bekamen berufstätige Frauen in Emden im Jahr 2022 nur gut drei Viertel des Entgelts, das Männer erhielten. Dieser Einkommensunterschied wird als unbereinigter Gender Pay Gap bezeichnet.

Der Gender Pay Gap drückt in der unbereinigten Form den „Abstand zwischen dem Bruttotagesentgelt einer vollzeitbeschäftigten Frau und dem Bruttotagesentgelt eines vollzeitbeschäftigten Mannes“ aus. Aus der Tabelle geht hervor, wie Ostfriesland und die Landkreise Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland sowie die Stadt Wilhelmshaven im Deutschland-Vergleich der Bundesregierung abgeschnitten haben. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht 2024 der Bundesregierung
Der Gender Pay Gap drückt in der unbereinigten Form den „Abstand zwischen dem Bruttotagesentgelt einer vollzeitbeschäftigten Frau und dem Bruttotagesentgelt eines vollzeitbeschäftigten Mannes“ aus. Aus der Tabelle geht hervor, wie Ostfriesland und die Landkreise Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland sowie die Stadt Wilhelmshaven im Deutschland-Vergleich der Bundesregierung abgeschnitten haben. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht 2024 der Bundesregierung

„Der bereinigte Gender Pay Gap gibt Auskunft darüber, in welchem Ausmaß der Unterschied in Bezug auf das Bruttotagesentgelt tatsächlich auf geschlechtsabhängige Diskriminierung zurückzuführen ist“, schreibt die Bundesregierung. Die Bereinigung des Einkommensunterschieds besteht darin, dass widrige Faktoren berücksichtigt und herausgerechnet werden. Widrige Faktoren, die allerdings auch eine Benachteiligung von Frauen darstellen. „Ein Großteil der Verdienstlücke ist darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger als Männer in Branchen, Berufen und Anforderungsniveaus arbeiten, in denen schlechter bezahlt wird“, erklärt das Statistische Bundesamt abseits des Regierungsberichts. Bereinigt verdienten demnach „Arbeitnehmerinnen im Durchschnitt auch bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie im Berichtsjahr 2023 pro Stunde 6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen“.

Der bereinigte Gender Pay Gap ist beispielsweise um den Effekt bereinigt, dass Frauen teilweise in schlechter bezahlten Branchen arbeiten. Der bereinigte Parameter soll also aufzeigen, in welchem Ausmaß die Geschlechter-Unterschiede beim Lohn auf Diskriminierung zurückzuführen sind. Aus der Tabelle geht hervor, wie Ostfriesland und die Landkreise Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland sowie die Stadt Wilhelmshaven im Deutschland-Vergleich der Bundesregierung abgeschnitten haben. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht 2024 der Bundesregierung
Der bereinigte Gender Pay Gap ist beispielsweise um den Effekt bereinigt, dass Frauen teilweise in schlechter bezahlten Branchen arbeiten. Der bereinigte Parameter soll also aufzeigen, in welchem Ausmaß die Geschlechter-Unterschiede beim Lohn auf Diskriminierung zurückzuführen sind. Aus der Tabelle geht hervor, wie Ostfriesland und die Landkreise Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland sowie die Stadt Wilhelmshaven im Deutschland-Vergleich der Bundesregierung abgeschnitten haben. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht 2024 der Bundesregierung

Im „Gleichwertigkeitsbericht 2024“ hat die Bundesregierung die Arbeitsentgelte des Jahres 2022 betrachtet. Beim bereinigten Gender Pay Gap hat es die Stadt Emden immerhin in die obere Tabellenhälfte des Deutschlands-Rankings geschafft. Der Landkreis Leer rangiert derweil auf Platz 325 von 400 mit einem bereinigten Einkommensabstand von 19 Prozent. Für eine Arbeit, für die ein Mann 1000 Euro erhält, bekommt eine Frau demnach nur 810 Euro.

Blau markiert sind in dieser Deutschlandkarte Landkreise und kreisfreie Städte, in denen die einkommensmäßige Diskriminierung (bereinigter Gender Pay Gap) von Frauen besonders groß ist. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht 2024 der Bundesregierung / BMWK
Blau markiert sind in dieser Deutschlandkarte Landkreise und kreisfreie Städte, in denen die einkommensmäßige Diskriminierung (bereinigter Gender Pay Gap) von Frauen besonders groß ist. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht 2024 der Bundesregierung / BMWK

Das Statistische Bundesamt bietet im Internet einen Gender-Pay-Gap-Simulator an.

Die Medianentgelte von Frauen in Ostfriesland im Deutschland-Vergleich

Die Arbeitsmarktbedingungen für Frauen in Ostfriesland führen aber nicht „nur“ zu niedrigeren Medianentgelten als bei den Männern in der Region, sondern auch zu niedrigen Medianentgelten im bundesweiten Vergleich der Frauen-Einkommen. Die VW-Stadt Wolfsburg liegt im Jahr 2023 mit 4759 Euro auf Rang 1 unter den 400 Landkreisen und kreisfreien Städten, der Kreis Cloppenburg mit 2655 Euro auf dem letzten Platz.

Unsere Redaktion hat die Medianentgelt-Statistiken der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2023 unter Geschlechter- und Ostfriesland-Aspekten ausgewertet. Diese Tabelle zeigt, dass die ostfriesischen Landkreise unter den 400 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland weit hinten liegen – auf Platz 299 bis 327 bei den Männern. Bei den Frauen liegen die Kreise Aurich, Leer und Wittmund noch schlechter – auf den Rängen 349 bis 384. Quelle: Bundesagentur für Arbeit
Unsere Redaktion hat die Medianentgelt-Statistiken der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2023 unter Geschlechter- und Ostfriesland-Aspekten ausgewertet. Diese Tabelle zeigt, dass die ostfriesischen Landkreise unter den 400 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland weit hinten liegen – auf Platz 299 bis 327 bei den Männern. Bei den Frauen liegen die Kreise Aurich, Leer und Wittmund noch schlechter – auf den Rängen 349 bis 384. Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Die Kreise Leer (2974 Euro), Aurich (2971 Euro) und Wittmund (2838 Euro) sind auf den Rängen 349, 351 und 384 zu finden. Die Stadt Emden, wo es ein VW-Werk und damit relativ hohe Industrie-Löhne gibt, hat es mit 3424 Euro auf Platz 130 geschafft – bei den Medianentgelten der Männer liegt Emden mit 4346 Euro auf Platz 46.

Die Entgeltverteilung bei Frauen in Ostfriesland im Deutschland-Vergleich

Medianentgelte vermitteln einen Eindruck vom Lohnniveau, aufschlussreich ist aber natürlich auch die Einkommensverteilung. Diesbezüglich ist bei einer Analyse der Arbeitsagentur-Daten feststellbar, dass der Anteil der sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigten Frauen in Ostfriesland, die 2000 Euro und weniger verdienen, überdurchschnittlich hoch ist – verglichen mit Niedersachsen, Westdeutschland und Deutschland, sogar mit Ostdeutschland. Bei den Bruttomonatsentgelten zwischen 2000 und 3000 Euro verhält es sich ähnlich.

Dahingegen liegt der Anteil von Frauen in Ostfriesland, die mehr als 6000 Euro pro Monat verdienen, extrem niedrig. Auf Niedersachsen bezogen liegt dieser Anteil mehr als doppelt so hoch, bezogen auf Westdeutschland sogar mehr als drei Mal so hoch wie in Ostfriesland. Auch bei den Einkommen zwischen 5000 und 6000 Euro ist der Frauen-Anteil in Ostfriesland niedrig – sogar in Ostdeutschland mit seinen tendenziell niedrigeren Löhnen als in Westdeutschland kommt ein größerer Anteil der beschäftigten Frauen als in Ostfriesland auf mehr als 5000 Euro pro Monat.

Die Einkommensverteilung bei sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigten Männern und Frauen in Ostfriesland – im Vergleich zu den Gesamtanteilen für Niedersachsen, Westdeutschland, Ostdeutschland und Deutschland. Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Zum Vergrößern auf die Grafik klicken

Auch die vollzeitbeschäftigten Männer in Ostfriesland schneiden im Vergleich zu den Niedersachsen-, Westdeutschland- und Deutschland-Werten schlecht ab. Der Anteil der Geringverdiener ist hoch, der Anteil der Vielverdiener niedrig.

Ähnliche Artikel