Sonnenstrom  Erster Solarpark an Autobahn im Kreis Leer im Bau

| | 04.11.2024 18:32 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bürgermeister Bernhard Janssen (links) und der Erste Samtgemeinderat Joachim Duin sind von den Vorteilen der Photovoltaik überzeugt. Foto: Ortgies
Bürgermeister Bernhard Janssen (links) und der Erste Samtgemeinderat Joachim Duin sind von den Vorteilen der Photovoltaik überzeugt. Foto: Ortgies
Artikel teilen:

In Brinkum werden auf 17 Hektar Solarpanele aufgestellt. Bürgermeister Bernhard Janssen wurde vom Skeptiker zum Befürworter und ist nun stolz auf das Projekt.

Brinkum - Noch ragen die Stahlgerüste nackt aus dem Grünland an der Autobahn. Doch ab dieser Woche sollen in dem neuen Solarpark in Brinkum die ersten Solarpanele montiert werden. Auf 17 Hektar soll ab 2026 Strom erzeugt werden. Es handelt sich um das erste Projekt, das nach dem Erneuerbare-Energie-Gesetz des Bundes privilegiert ist.

Auf diesen Gerüsten werden in den nächsten Wochen die Solarmodule befestigt. Projektentwickler Fabian Schneider (links) und Jonas Greiner von Architekturbüro KLM Projektentwicklung stellten den neuen Solarpark vor. Foto: Ortgies
Auf diesen Gerüsten werden in den nächsten Wochen die Solarmodule befestigt. Projektentwickler Fabian Schneider (links) und Jonas Greiner von Architekturbüro KLM Projektentwicklung stellten den neuen Solarpark vor. Foto: Ortgies

Somit konnte es ohne aufwändiges Bauleitverfahren umgesetzt werden, sagt der Brinkumer Bürgermeister Bernhard Janssen (OWG): „Wir brauchten dafür weder den Flächennutzungsplan zu ändern noch einen Bebauungsplan aufstellen.“ Der Betreiber, die Firma Enerparc aus Hamburg, hatte im Mai den Bauantrag beim Landkreis Leer gestellt und konnte schon im Sommer mit den Arbeiten beginnen.

Grünland vom Eigentümer gepachtet

Freiflächen-Photovoltaik kann in einer Tiefe von maximal 200 Meter neben den Autobahnen auf diese Weise gebaut werden. Die Bundesregierung hatte diese Regelung getroffen, um den Ausbau erneuerbarer Energie voranzutreiben und die Klimaziele einzuhalten. Die Flächen pachtet das Unternehmen von einem Landwirt und wird die Photovoltaikanlagen warten.

Die Baufirma hat Tausende Gründungspfosten gesetzt. Foto: Ortgies
Die Baufirma hat Tausende Gründungspfosten gesetzt. Foto: Ortgies

Schon vor etwa drei Jahren habe die Diskussion über Solarparks in der Gemeinde begonnen, sagt Janssen. „Ich war zu Anfang etwas skeptisch“, gibt er zu. Würde damit zu viel Fläche aus der Landwirtschaft versiegelt? Kann der Boden darunter noch genutzt werden? Das seien Fragen gewesen, die in der Diskussion auftauchten. Doch Janssen sagt, er sei zu der Erkenntnis gelangt, dass die Freiflächen-Photovoltaik eine wichtige Einrichtung sei.

Samtgemeinde will klimaneutral werden

Die Samtgemeinde Hesel, zu der Brinkum gehört, hat ein Klimaschutzkonzept aufgestellt, mit dem Ziel, klimaneutral zu werden. „Dazu gehört, einen Beitrag zu den erneuerbaren Energien zu leisten“, sagt der Erste Samtgemeinderat Joachim Duin. Die gesamte Samtgemeinde sei auf Flächen untersucht worden, die für Photovoltaik infrage kommen. „Dabei wurden wertvolle landwirtschaftliche Flächen von vornherein herausgenommen“, sagt er. Hundert Hektar sollen im Gebiet der Samtgemeinde mit Solarzellen bestückt werden – und dabei ist die privilegierte Fläche an der Autobahn noch gar nicht drin.

Mit dieser Ramme wurden die Pfosten für die Solarmodule in den Boden gebracht. Foto: Ortgies
Mit dieser Ramme wurden die Pfosten für die Solarmodule in den Boden gebracht. Foto: Ortgies

Der Solarpark, der an der Autobahn errichtet wird, kann voraussichtlich ab 2026 Strom erzeugen, der über das Umspannwerk in Logabirum eingespeist wird. „Die Anlage wird eine Leistung von etwa 19 Megawatt haben, womit rechnerisch rund 4500 Vier-Personenhaushalte versorgt werden können“, sagt Projektentwickler Fabian Schneider von Enerparc. Das Unternehmen investiere 16,5 Millionen Euro in den Solarpark.

Jedes Modul wiegt 22 Kilogramm

Jeder Pfosten wurde einzeln in den Boden gerammt. Mit einer Gründung zwischen 3,5 und 4,5 Meter Tiefe soll die Anlage sturmfest installiert werden. Auf den Metallgerüsten werden die Module befestigt, die jedes 2,10 mal 1,15 Meter groß sind und 22 Kilogramm wiegen. Jede Reihe hat einen eigenen Wechselrichter, jedes Feld eine eigene Trafoanlage. Über Stromspeicher soll die Einspeisung laut Schneider so geregelt werden, dass Strom geliefert wird, wenn er benötigt wird und damit den besten Preis erzielt.

An der Autobahn erstreckt sich das Gelände für den Solarpark. Foto: Ortgies
An der Autobahn erstreckt sich das Gelände für den Solarpark. Foto: Ortgies

Eine Voraussetzung, die dem Gemeinderat wichtig war, erfüllt Enerparc jedenfalls: Das Grünland unter den Solarpanelen soll weiter bewirtschaftet werden. „Dafür ist eine Schafbeweidung vorgesehen“, sagt Schneider. Das Unternehmen werde dazu Verträge mit Schäfern schließen. Die Tiere werden das Gras kurz halten. „Die Natur wird davon profitieren“, ist Janssen überzeugt. Diese Auffassung unterstützt Jonas Greiner vom Architekturbüro KLM Projektentwicklung in Leipzig.

Es werden mehr Brutvögel erwartet

Er hat unter anderem die Planung für die Anlage in Brinkum begleitet und den Bauantrag vorbereitet. „Das Unternehmen Enerparc begleitet eine Studie zu Biodiversität in Freiflächen-Photovoltaik“, sagt Greiner. Diese hätten bereits eine Zunahme der Artenvielfalt nachgewiesen. Für Bernhard Janssen ist das keine Überraschung: „Durch die Schafbeweidung werden hier wieder mehr Vögel brüten als vorher.“ Bisher sei das Grünland mehrfach im Jahr gemäht worden.

Weil die Brücke über den Heimschloot für die Baufahrzeuge nicht ausgelegt ist, wurde kurzerhand eine sogenannte "Nato-Brücke" gemietet und darüber gelegt. Sie wird später wieder entfernt. Foto: Ortgies
Weil die Brücke über den Heimschloot für die Baufahrzeuge nicht ausgelegt ist, wurde kurzerhand eine sogenannte "Nato-Brücke" gemietet und darüber gelegt. Sie wird später wieder entfernt. Foto: Ortgies

Für Brinkum ist mit den 17 Hektar noch nicht Schluss mit dem Thema Freiflächen-Photovoltaik. Direkt angrenzend an diese Fläche sollen unter der Bezeichnung weitere 30 Hektar mit Solarmodulen bestückt werden. Allerdings ist dieses Vorhaben nicht privilegiert, sondern durchläuft ein reguläres Planverfahren. „Die Aufstellungsbeschlüsse für den Flächennutzungsplan und den Bebauungsplan haben wir schon gefasst“, sagt Janssen. In Kürze beginne dafür die frühzeitige öffentliche Beteiligung, ergänzt Duin. Weitere Solarparks sind in Hesel und Firrel in Planung.

Ähnliche Artikel