Max-Windmüller-Gymnasium Gutachten offenbart Pfusch nicht nur an der Sporthalle in Emden
Nun ist klar, was zu den Wasserschäden in der Sporthalle des Max-Windmüller-Gymnasiums führte: Ein wichtiges Gutachten wurde ignoriert. Die Stadt Emden steht vor kostspieligen Sanierungsarbeiten.
Emden - Der Bauskandal um die Sporthalle des Max-Windmüller-Gymnasiums (Max) in Emden nimmt immer größere Ausmaße an. Bei der Planung der Sporthalle sind gravierende Fehler passiert. Wie ein erster Zwischenbericht nun zeigt, haben die zuständigen Planer ein entscheidendes Bodengutachten ignoriert. Dieses hätte wohl die fehlerhafte Drainage und damit die fortlaufenden Wasserschäden in der Halle verhindert.
„Das Ergebnis ist niederschmetternd“, sagte Freia Visser, Betriebsleiterin des Gebäudemanagements Emden (GME), bei einem Ortstermin an der Halle am Dienstag, 5. November 2024. „Das hat keiner so gewollt.“
Bodengutachten wurde von Planern ignoriert
Die Stadt hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, um offenzulegen, wie genau es dazu kommen konnte, dass solche Mängel an dem Gebäude überhaupt auftreten können. Erste Ergebnisse liegen nun vor. „Der Boden um die Halle ist nicht sehr versickerungsfähig, er hat einen hohen Lehm- und Kleianteil“, so Visser. Eigentlich hätten die eingesetzten Drainageleitungen also gar nicht in diesem Boden verlegt werden dürfen. Nach dem Gutachten sei deutlich, dass die Leitungen absacken würden. Und auch, dass das Wasser nicht vom Boden aufgenommen werden könne. Somit drückte das Wasser in die Halle, weil dort auch nicht entsprechend abgedichtet worden ist.
Außerdem sei allgemein bekannt, so Visser, dass in der Stadt Emden ein sehr hoher Grundwasserspiegel herrsche. Das Gebäude hätte demnach nicht so tief gebaut werden dürfen. Doch diese Faktoren wurden damals bei der Planung der neuen Sporthalle nicht bedacht, das Bodengutachten wurde damals nicht mit einbezogen. „Die Ausschreibung war dementsprechend falsch“, so Visser.
Auch Schulgebäude von fehlerhafter Planung betroffen
Und es kommt noch schlimmer: „Die fehlerhafte Abdichtung wurde auch an der Schule selbst festgestellt“, sagte Visser am Dienstag. Um diese fehlerhaften Abdichtungen zu erneuern, müsse man Teile des Mauerwerks Meter für Meter abtragen, was die Kosten zusätzlich in die Höhe treiben dürfte.
Für den Austausch des welligen, vom Wasser beschädigten Sporthallenbodens waren in diesem Jahr bereits 300.000 Euro im Haushaltsplan vorgesehen, welche nun stattdessen in die Abdichtung des Sockels fließen sollen. Außerdem will die Stadt im folgenden Jahr nochmals 320.000 Euro in die Hand nehmen, um die weiteren Reparaturen auszuführen. Ob das Geld dafür ausreicht, ist noch unklar.
Kosten für die zusätzlichen Maßnahmen sind nicht bekannt
„Kann man da nicht besser eine neue Halle planen?“, fragte Alexander von Gliszczynski (FDP). „Das würde nach heutigem Stand wohl 15 Millionen Euro kosten“, konterte Visser. Zu den Kosten der umfangreichen Sanierungsarbeiten kann sich das GME zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äußern. „Der Sanierungsfahrplan für die Halle steht noch nicht fest, dafür müssen wir auf das abschließende Gutachten warten“, so Visser. „Und ohne Sanierungsfahrplan gibt es keine Zahlen.“ Das Gutachten wird am Ende des Jahres erwartet. Erst dann könne man auch konkret sagen, was gemacht werden muss und wie viel die Arbeiten kosten werden.
Eins ist aber auch schon vor der Fertigstellung des endgültigen Gutachtens klar: „Da muss eine Drainage gelegt werden, eine vernünftige im Kiesbett“, so Visser. Nur so können zukünftige Wasserschäden, gerade bei Starkregenereignissen, verhindert werden.
Unklar, ob juristische Schritte Erfolgsaussichten hätten
Dass es überhaupt so weit kommen konnte, machte die anwesenden Politiker sprachlos. „Das hätte doch ein Architekt sehen müssen“, so Gliszczynski. Einen Anwalt hatte die Stadt bereits zu Beginn des Jahres eingeschaltet, um den Vorgang juristisch zu begleiten. „Der ausführenden Firma kann man wahrscheinlich keinen Vorwurf machen, die haben geliefert, was bestellt wurde“, so Visser. Aber man wolle nun erst mal das endgültige Gutachten abwarten, um dann zu entscheiden, ob ein entsprechendes Verfahren überhaupt erfolgversprechend ist. „Da bin ich verhalten optimistisch“, so Visser. Immerhin sei ein solches Unterfangen auch mit hohen Verfahrenskosten verbunden.
Doch bis das Gutachten am Ende des Jahres vorliegt, hat das GME schon erste konkrete Pläne, um den maroden Hallenboden zumindest temporär zu reparieren, wie Visser ankündigte. Man wolle die Reparaturarbeiten zeitnah vornehmen, „damit der Sportboden wieder sicher ist.“ Zum jetzigen Zeitpunkt gehe man beim GME davon aus, dass die Halle dafür zwei Wochen lang geschlossen werden muss. „Vielleicht ginge das in den Weihnachtsferien“, warf Visser in die Runde.
Komplettes Ausmaß an Schäden noch fraglich
Aktuell könne weiterhin Wasser in die Halle eindringen. In den vergangenen Monaten sei das aber nicht passiert, heißt es von Mitarbeitern des GME. Das liege daran, dass man nun Gräben um das Fundament freigelegt habe, in welche das Wasser abfließe. Nur, weil kein Oberflächenwasser in der Sporthalle selbst sichtbar sei, heiße das allerdings nicht, dass das Wasser nicht weiter in den Boden unter der Halle eindringe und dort weiteren Schaden anrichte, so die Mitarbeiter weiter. Was unter der Halle passiert, sehe man erst, wenn man den Boden freilege.
Wie lange die weiteren Sanierungsarbeiten dauern werden, das konnte auch Visser noch nicht einschätzen. „Um das zu beantworten, müsste ich in die Glaskugel schauen.“ Aber mit vielen Monaten könne man auf jeden Fall rechnen.
Bei der 2016 für 2,5 Millionen Euro gebauten Sporthalle des Max-Windmüller-Gymnasiums waren von Beginn an Mängel festgestellt worden. Wasser dringt von außen in die Halle ein, verursacht seitdem Wasserschäden in der Halle, vor allem am Boden, in dem tiefe Versackungen sichtbar sind.