Sieben Ex-VfB-Spieler bei Kickers  Derby gegen Oldenburg wird zum Spiel mit den Emotionen

| | 28.11.2024 17:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Kai Kaissis (rechts in der Mauer) will sich seinem alten Verein VfB Oldenburg wie schon im August erfolgreich in den Weg stellen. Er hat eine längere VfB-Vergangenheit, wie einige Kickers-Spieler. Foto: Doden/Emden
Kai Kaissis (rechts in der Mauer) will sich seinem alten Verein VfB Oldenburg wie schon im August erfolgreich in den Weg stellen. Er hat eine längere VfB-Vergangenheit, wie einige Kickers-Spieler. Foto: Doden/Emden
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Am Freitagabend kommt es zum ersten Duell in Emden seit 14 Jahren. Für alle wird es besonders, für Kai Kaissis und Co. nochmals ein bisschen mehr. Drei Emder fallen für das Regionalliga-Spiel aus.

Emden - Kickers Emden und der VfB Oldenburg gingen sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder längere Zeit aus dem Weg. Auf 13 Jahre „Trennung“ der Rivalen folgt nun das dritte Pflichtspiel-Duell binnen vier Monaten. Die Vorfreude auf das Derby in der Fußball-Regionalliga Nord an diesem Freitag, 29. November, ab 19 Uhr im Ostfrieslandstadion ist groß – bei Fans, Trainern, Spielern und Akteuren, die ihre Gefühlswelt ordnen müssen.

Kai Kaissis bildet bei Kickers mit Janek Siderkiewicz die Doppel-Sechs. Foto: Doden/Emden
Kai Kaissis bildet bei Kickers mit Janek Siderkiewicz die Doppel-Sechs. Foto: Doden/Emden

„Das ist für uns Oldenburger und Ex-VfBer schon ein besonderes Spiel“, gibt Kai Kaissis unumwunden zu. Er ist einer von sieben (!) Akteuren, die eine Vergangenheit beim VfB Oldenburg haben und nun das Kickers-Trikot tragen und fast alle auch in Oldenburg leben. Neben Kaissis sind dies noch Dennis Engel, Fabian Herbst, Pascal Steinwender, Marten Schmidt, Tobias Steffen und Ersatztorwart Moritz Onken. Einige waren auch schon in der Jugend beim VfB. Mar

Zwei Kickers-Siege im August

Im August meisterte die Emder Oldenburg-Fraktion die Wiedersehen-Situation vorzüglich, siegte mit Kickers im Verbandspokal nach dramatischen 120 Minuten (3:3) im Elfmeterschießen und dann in der Liga 3:0 – jeweils im Marschwegstadion. „Das Stadion fühlte sich für uns auch noch heimisch an. Man verbindet vieles damit, ganz besonders natürlich den Drittliga-Aufstieg 2022. Wir waren dabei, als Oldenburg nach 25 Jahren in den Profifußball zurückkehrte.“

Pascal Steinwender traf auch beim 3:0-Hinspielsieg im August. Auch er hat eine VfB-Vergangenheit. Foto: Doden/Emden
Pascal Steinwender traf auch beim 3:0-Hinspielsieg im August. Auch er hat eine VfB-Vergangenheit. Foto: Doden/Emden

Das neue Wohnzimmer für Kai Kaissis und Co. ist aber längst das Ostfrieslandstadion geworden. Wenn das Flutlicht angeht und die Tribünen im engen Rund gut gefüllt sind, kribbelt es beim Lehramtsstudenten ganz besonders. „Was unsere Fans da immer abliefern, ist richtig geil. Jede zweite Woche da zu kicken macht großen Spaß.“

Als Bennert doppelt traf

Die Kickers-Fans durften zuletzt in der Saison 2010/2011 Punktspiele gegen den VfB Oldenburg erleben. Das letzte Heimspiel gegen den VfB liegt 14 Jahre zurück. Am 17. November 2010 siegte Emden dank zweier Treffer von Julian Bennert (heute GW Firrel) im Oberliga-Nachholspiel 2:0 und sprang auf Platz eins. Zwar spielten Kickers und der VfB auch in der Saison 2011/2012 zusammen in der Oberliga. Doch Kickers beantragte im Laufe der Hinserie Insolvenz, die Emder Spiele wurden annulliert. Viele Partien fanden gar nicht mehr statt, auch die gegen Oldenburg.

Julian Bennert war 2010 der Emder Derbyheld. Archivfoto: Doden/Emden
Julian Bennert war 2010 der Emder Derbyheld. Archivfoto: Doden/Emden

14 Jahre später und eine Liga höher will Kickers die drei Punkte, um Platz vier zu festigen und bei einem Meppen-Patzer gegen Lohne auf Platz drei zu springen. Es wäre ein starkes Statement nach einer tollen Hinserie als Aufsteiger und dem 2:0 in Lohne. „Wir haben es in Lohne außerordentlich gut gemacht, kaum Aktionen des Gegners zugelassen. Das erhoffen wir uns natürlich auch gegen Oldenburg“, sagt Trainer Stefan Emmerling.

Kickers-Startelf wird verändert

Eigentlich gäbe es keinen Grund, die Startelf zu ändern, auch wenn der Coach sich diese Option für „Trainingsweltmeister“ immer offen lassen will. Doch das Trainerteam muss zwei Umstellungen vornehmen. Innenverteidiger Tim Dietrich fehlt wegen seiner fünften Gelben Karte. „Für Tim spielt Niklas von Aschwege oder Marvin Eilerts.“

Tipp

Emden - Oldenburg 2:1. Mit der Stabilität aus dem Lohne-Spiel und der Gier auf einen Derbysieg vor eigenem Publikum sollte sich Kickers in dem engen Spiel knapp durchsetzen können. Tabellenplatz und Heimvorteil sprechen für Kickers.

Zudem fällt Stürmer David Schiller aus, weil er sein Knie im Lohne-Spiel bei einer Aktion überstreckt hatte. Für diesen freien Platz im Team gibt es mehrere Optionen. Mika Eickhoff ist noch keine, da er mit einer starken Fußprellung weiter ausfällt. Im Tor wird wieder Isaak Djokovic spielen, der in Lohne erstmals den Vorzug vor Marcel Bergmann erhalten hatte.

VfB im Abstiegskampf

In der Tabellenregion, in der Kickers zuhause ist, war vor der Saison auch der VfB Oldenburg erwartet worden. Jener Verein, der mittelfristig wieder in den Profifußball will und sich auf und neben dem Platz (geplanter Stadionneubau der Stadt) darauf vorbereitet. Doch davon ist der VfB diese Spielzeit weit entfernt. Abstiegskampf war und ist noch angesagt. „Unter Dario Fossi hat sich der VfB stabilisiert. Er hat an ein paar Stellschrauben gedreht, das sieht man auch an den letzten Ergebnissen Das Team wirkt kompakter“, so Emmerling.

Dario Fossi (links) ist seit September wieder Trainer des VfB Oldenburg. Der Ostfriese Frank Löning ist beim seit 2022 Co-Trainer. Foto: Imago
Dario Fossi (links) ist seit September wieder Trainer des VfB Oldenburg. Der Ostfriese Frank Löning ist beim seit 2022 Co-Trainer. Foto: Imago

Im September kehrte Trainer Dario Fossi zurück – er wurde Nachfolger von seinem Nachfolger Fuat Kilic. Unter Fossi gab es 15 der 20 VfB-Punkte, neun davon in den letzten fünf ungeschlagenen Spielen. Der Co-Trainer in Oldenburg ist seit zwei Jahren ein Ostfriese. Der Auricher Ex-Profi Frank Löning stürmte selbst einmal für Kickers, von 2002 bis 2004.

So läuft der Ticketverkauf

Viele der Ex-Oldenburger im Kickers-Team spielten unter Fossi, stiegen mit ihm in die 3. Liga auf. „Er war zuvor sogar noch beim VfL Oldenburg mein Trainer“, sagt der 28-jährige Kai Kaissis, der viele schöne Erinnerungen hat und die Mischung aus Fußballfachmann und authentischem Motivator an Fossi schätzt. „Es wird ein aufregendes Spiel, in dem wir in emotionalen Momenten fokussiert bleiben müssen.“

Viele Oldenburg-Fans werden ihr Team auch nach Emden begleiten. Foto: Doden/Emden
Viele Oldenburg-Fans werden ihr Team auch nach Emden begleiten. Foto: Doden/Emden

Die erwarteten bis zu 3500 Zuschauer – darunter rund 600 VfB-Fans – dürften ihren Teil zum stimmungsvollen ersten Derby seit 14 Jahren in Emden beisteuern. 2200 Karten waren am Donnerstagnachmittag schon verkauft. Der Rasenplatz ist laut Emmerling in einem guten Zustand. Den vielen Regen von Mittwoch hat er gut verkraftet. Alles ist also angerichtet für einen tollen Fußballabend, nach dem mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Bus mit glücklichen Fußballern nach Oldenburg zurückfährt. Der Mannschaftsbus des VfB – oder ein Kleinbus mit Kai Kaissis und den Kickers-Kollegen aus Oldenburg.

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