Ballett in Emden Zwei Mädchen tanzen Momo im Doppelpack
Zwei Kinder tanzen die Rolle der Momo im Festspielhaus in Emden. Warum Lilly und Emma so viel Leidenschaft für Michael Endes Zeitmärchen aufbringen.
Emden - Tanzen ist das Größte! Lilly Kahl (9) und Emma Sieler (11) erzählen noch ein bisschen schüchtern aus ihrem Leben. Doch bei der Frage nach dem, was sie am liebsten machen, kommt die Antwort laut und selbstbewusst über ihre Lippen. Und sie haben auch allen Grund dafür. Schließlich haben die beiden gleich im Doppelpack die Hauptrolle für Momo bekommen, der geplanten neuen Show der Ballet-Factory in Emden.
Seit dem Sommer proben die beiden Mädchen mit insgesamt 120 Tänzerinnen und Tänzern unter der Leitung von Katharina Riebschläger. Im März 2025 sollen zwei Shows auf der großen Bühne im neuen Festspielhaus vor viel Publikum gezeigt werden. In der einen tanzt Lilly, in der anderen Emma vorneweg. Tanzen, das machen Lilly und Emma aber schon mehr als ihr halbes Leben lang. Lilly hat mit fünf Jahren mit dem Ballett begonnen. Emma sogar schon mit vier. Beide haben schon in Shows mitgetanzt, Parts übernommen etwa in „Moving Poetry“, der letzten großen Aufführung aus der Ballet-Factory.
Momo als Vorbild
Und jetzt also Momo, ein ganzer Roman lang, nicht nur einzelne Szenen. Was gefällt ihnen an dem Stück von Michael Ende? „Ich finde die Geschichte schön“, sagt Lilly. „Und ich, dass Momo ihre eigenen Regeln hat und ihr eigenes Leben lebt“, sagt Emma. „Sie ist schon ein Vorbild.“ Die Regeln und die Geschichte wollen die beiden jetzt selbst erzählen. Keine leichte Aufgabe, steht ihnen doch eben nur der Tanz und nicht etwa das Sprechen zur Verfügung. Und trotzdem braucht man dabei auch großes schauspielerisches Talent, wie ihre Tanzlehrerin sagt. „Die Geschichte von Momo ist nicht ganz selbsterklärend, wir erzählen sie pantomimisch.“
Es gehöre viel Mut dazu, viel Schauspielkunst und Selbstbewusstsein – und tanzen muss man natürlich auch können, sagt Riebschläger. Die Wahl sei bewusst auf die jungen Talente gefallen, damit sich Kinder mit Momo identifizieren können, die Großen dafür mit den anderen Tänzerinnen, die das Stück im Team mittragen. Lilly sei außerdem balletttechnisch sehr weit für ihr Alter, Emma sehr ausdrucksstark und schauspielerisch präsent. Idealbesetzung also.
Vom Suchtmittel dieser Zeit
Dabei ist Momo nicht unbedingt erste Wahl für eine Ballettaufführung. Es gibt nicht so viele, die sich tanzend an diese Geschichte wagen. Katharina Riebschläger ist aber geübt in solchen Herausforderungen. Die Tanzpädagogin mit ellenlanger Ausbildungs-Vita von Berlin über London bis schließlich zur eigenen Ballet-Factory in Emden und ihrem Engagement an der Landesbühne in Wilhelmshaven kann das. Sie hat dafür die Choreografie entwickelt, Szenen geschrieben, Kostüme ausgewählt und eine Musikauswahl getroffen.
Dazu hat Katharina Riebschläger Michael Endes Momo auch noch an die Jetztzeit adaptiert, soweit es das die Lizenzvorgaben des Urhebers zulassen. Statt grauer Herren gibt es geschlechtsneutral graue Menschen oder auch graue Frauen. Beppo heißt vielleicht Beppa – eine der weiteren Lieblingsfiguren der beiden Hauptdarstellerinnen neben Gigi. Und die gestohlene Lebenszeit ist nicht verraucht, wenn die Zigaretten ausgehen, sondern wenn der Akku vom Handy leer ist – das Suchtmittel dieser Zeit. „Momo ist auch Zeitgeist“, sagt Riebschläger. Dabei soll Momo mehr sein als „Wir präsentieren mal was für die Eltern“. „Wir wollen Leute ins Theater holen, die immer schon Momo mochten oder sie kennenlernen wollen.“
Alles für den guten Zweck
Außerdem gehen die Einnahmen aus den Shows an Wander-Danz, eine Hilfsorganisation, die Katharina Riebschläger während des Corona-Lockdowns gegründet hat. Seinerzeit mussten immer wieder Show-Termine verschoben werden – auch Momo, die Show, die eigentlich schon seit 2019 in Emden auf die Bühne sollte. In der Tanzpause war Riebschläger durch einen Podcast auf ein Tanz-Projekt in Südafrika gestoßen. Nahe Kapstadt engagieren sich Tänzer dafür, Kinder von der Straße zu holen und ihnen mit einem Dach über dem Kopf Raum zum Tanzen zu geben. Sie selbst reiste dorthin, spendet seither Zeit und Geld in die Projekte. Weltweit wirken inzwischen Mitglieder und Tanzschulen dabei mit. So werde mit der Leidenschaft zum Tanz auch für andere viel bewirkt.
Lilly und Emma haben also eine ziemlich große Aufgabe vor sich. Mindestens fünf Stunden Training die Woche, erzählen die beiden. Klassisches Ballett, Modern Dance und seit Sommer eben auch eine Art Schauspiel. Alles für Momo und ihre Fans. Nicht nur für die Eltern, wie auch sie betonen. Vor allem aber auch für sich selbst, denn „Tanzen ist ja das Größte“.
Die Shows finden im Festspielhaus Emden am 22. und 23. März 2025 statt. Karten gibt es schon an den bekannten Vorverkaufsstellen.