Standort-Diskussion  Wochenmarkt-Verlegung in Leer schmeckt nicht allen

| | 28.12.2024 10:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Hat sich der Wochenmarkt während der Weihnachtsmarktzeit auf dem Ernst-Reuter-Platz bewährt? Welche Alternativen gibt es? Was sagen Kunden? Wie blicken Händler ins neue Jahr?

Leer - Normalerweise ist im Winter auf vielen Wochenmärkten Saure-Gurken-Zeit. Auch auf dem Ernst-Reuter-Platz bleiben in der kalten Jahreszeit einige Standplätze leer. Vor allem Händler mit Pflanzen fehlen, aber auch manch anderer Marktbeschicker gönnt sich eine Winterpause. Bei Rita und Peter Visser ist immer Saure-Gurken-Zeit. Allerdings im positiven Sinne. Das Ehepaar aus Westoverledingen verkauft Gurken, frisches Sauerkraut aus dem Fass und andere Spreewald-Spezialitäten. Und das schon seit 25 Jahren.

Peter Visser vom Stand mit Spreewald-Spezialitäten ist zufrieden mit der Verlegung der Wochenmarktstände an den Rand des Ernst-Reuter-Platzes bei Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt. Foto: Gettkowski
Peter Visser vom Stand mit Spreewald-Spezialitäten ist zufrieden mit der Verlegung der Wochenmarktstände an den Rand des Ernst-Reuter-Platzes bei Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt. Foto: Gettkowski

Weil sich der Wochenmarkt während der Weihnachtsmarkt-Zeit in Leer den Ernst-Reuter-Platz mit dem Riesenrad, Glühwein- und Bratwurstbuden teilen muss, mussten die meisten Verkaufswagen an den Rand des Platzes umziehen, dichter ans Wasser und auf die Parkplätze für die Marktkunden. „Die Stammkunden kommen ganz gezielt an unseren Stand. Sie suchen und finden uns“, sagt Peter Visser, „für uns sind eher heiße Sommertage Saure-Gurken-Zeit.“ Da sei den Kunden nicht nach deftigen Spezialitäten.

An die Seite gequetscht

Nicht allen Kunden schmeckt die Wochenmarkt-Verlegung. „Das Riesenrad finde ich hier unmöglich. Das passt überhaupt nicht zur weihnachtlichen Atmosphäre“, sagt eine Kundin am Spreewald-Spezialitätenstand, „und dafür wurden die Wochenmarktstände an die Seite gequetscht, so dass jetzt Parkplätze für die Marktbesucher fehlen.“

Die fehlenden Parkplätze machen sich auch am Gemüsestand des Biohofs ter Veen bemerkbar. „Aber es kommen weniger Kunden von außerhalb, weil Parkplätze fehlen“, beschreibt Jan-Malte Janßen seinen Eindruck. Das sei schade. „Das ganze Jahr über ist das unser Platz. Aber im Dezember haben die Schausteller Vorrang.“ In den Augen der meisten Marktbeschicker ist diese Variante das kleinere Übel. Eine Alternative wie der Platz beim Zollhaus, wäre für die meisten Händler „nicht in die Tüte“ gekommen.

Jan-Malte Janßen hält den Rand des Ernst-Reuter-Platzes immer noch für eine bessere Standort-Alternative wie den Platz beim Zollhaus. Foto: Gettkowski
Jan-Malte Janßen hält den Rand des Ernst-Reuter-Platzes immer noch für eine bessere Standort-Alternative wie den Platz beim Zollhaus. Foto: Gettkowski

„Dazu hätten wir eindeutig nein gesagt und wären dort nicht hingekommen“, sagt Fischhändler Hans-Werner Schulz. In diesem Punkt seien sich die Markthändler nach seinen Worten auch einig gewesen. Eine weitere Idee, die Wochenmarktstände auf freie Flächen in den Fußgängerzone zu verteilen, konnte sich ebenfalls nicht durchsetzen. „Grundsätzlich ist die Innenstadt als Standort nicht schlecht“, findet Kundin Doris Herzog. Aber die Kunden müssen dort erst auf einer relativ langen Strecken, den gewünschten Stand suchen. „Und für die Geschäfte ist es wahrscheinlich auch nicht ideal, wenn Stände direkt davor stehen“, vermutet die Leeranerin. Die jetzige Lösung sieht sie als guten Kompromiss.

„Jede Verlegung des Wochenmarktes ist mit Umsatzeinbußen verbunden“, sagt der Fischhändler und führt als Beispiel die Stadt Aurich an. Wegen des Weihnachtsmarktes wurde der Wochenmarkt an den Georgswall verlegt. Ob die Puppenspieler-Bühne mehr Kunden anlockt? Schulz hat so seine Zweifel. „Vielleicht kommen mehr Familien auf den Markt, aber das heißt ja nicht automatisch, dass sie dort auch einkaufen.“

Auch eine nur zeitweise Verlegung des Wochenmarktes zum Zollhaus wäre für Hans-Werner Schulz nicht zu machen. „Dann bleib ich zu Hause“, sagt der Fischhändler entschieden. Foto: Gettkowski
Auch eine nur zeitweise Verlegung des Wochenmarktes zum Zollhaus wäre für Hans-Werner Schulz nicht zu machen. „Dann bleib ich zu Hause“, sagt der Fischhändler entschieden. Foto: Gettkowski

Idealer Standort für Wochenmarkt

Es gibt aber auch Kunden, die rundrum zufrieden sind. „Ich kann das Gequengel nicht nachvollziehen“, sagt Jutta Chicato, die nach eigenen Worten jeden Mittwoch und Samstag ihre Einkäufe auf dem Wochenmarkt erledigt. Die Leeranerin findet es nicht schlimm, wenn sie einen bestimmten Stand wegen der Verlegung suchen muss. „Dann dreh ich hier eine kleine Runde und finde ihn auch.“ Der Ernst-Reuter-Platz sei aus ihrer Sicht der gemütlichste Platz in Leer. „Eine grüne Lunge am Wasser und der ideale Standort für den Wochenmarkt.“ Ein Alternativ-Standort am Rande der Innenstadt wie beispielsweise hätte nach ihrer Einschätzung einen schlechten Zulauf gehabt.

Für sie ist auch der Standort am Rand des Ernst-Reuter-Platzes ok: Maike und Arjen Amer von der Obstbaumschule Dietmar Coordes und Kundin Jutta Chicato. Foto: Gettkowski
Für sie ist auch der Standort am Rand des Ernst-Reuter-Platzes ok: Maike und Arjen Amer von der Obstbaumschule Dietmar Coordes und Kundin Jutta Chicato. Foto: Gettkowski

Aus Sicht der Leeraner Stadtverwaltung hat sich der aktuelle Standort für den Wochenmarkt während der Weihnachtsmarkt-Zeit bewährt und wird gut angenommen. „Von den Schaustellern gibt es überwiegend positive Rückmeldungen. Probleme sind uns nicht bekannt“, teilt Stadtsprecher Edgar Behrendt auf Nachfrage mit. „Es ist die beste Lösung, an der wir auch künftig festhalten wollen.“ Weitere Optionen, die im vergangenen Jahr diskutiert worden, aber nicht gewollt waren, waren nach den Worten des Stadtsprechers der Willy-Brandt-Platz am Nesseufer und der Bereich beim Zollhaus. „Beide Standorte wären aus unserer Sicht weniger gut geeignet als der aktuelle Ausweich-Standort.“

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