Einkaufen in den Niederlanden  Sonntagseinkauf in Bad Neuschanz als Familienausflug

| | 06.01.2025 11:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dieter Herrmann, seine Frau Fenge und das mit ihnen befreundete Ehepaar Helmut und Gerda Sikkes haben den Einkauf mit einem Sonntagsausflug zur Festung Bourtange verbunden. Foto: Gettkowski
Dieter Herrmann, seine Frau Fenge und das mit ihnen befreundete Ehepaar Helmut und Gerda Sikkes haben den Einkauf mit einem Sonntagsausflug zur Festung Bourtange verbunden. Foto: Gettkowski
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Hunderte Deutsche zieht es an den Wochenenden nach Bad Neuschanz. Ziel der Besucher ist der Poiesz-Supermarkt. Wir waren dabei.

Bad Neuschanz - Immer wieder sonntags zieht es Hunderte von Deutschen nach Bad Neuschanz. Während die Geschäfte in Deutschland geschlossen sind, haben Supermärkte in den Niederlanden sonntags und an vielen Feiertagen geöffnet. Auf dem Parkplatz des Poiesz-Supermarktes in Bad Neuschanz ist an den Wochenenden die vorherrschende Farbe Weiß. Jedenfalls was die Autokennzeichen betrifft. Der Einkauf bei den niederländischen Nachbarn scheint für viele zu einem Event geworden zu sein. Nicht nur Ostfriesen machen einen Familienausflug daraus, einige nehmen sogar weitere Anreisen in Kauf. Auf dem Parkplatz stehen Autos mit Kennzeichen aus Brake, Bremen, Wilhelmshaven oder Delmenhorst.

Jens und Claudia Weede aus dem Emsland haben viel entdeckt. Foto: Gettkowski
Jens und Claudia Weede aus dem Emsland haben viel entdeckt. Foto: Gettkowski

Bevor es in den Supermarkt geht, machen Claudia Weede und ihr Mann Jens noch eine kurze Pause auf dem Parkplatz. Die beiden kommen aus Papenburg und haben ihre beiden kleinen Töchter mitgebracht. „Medikamente, Brot, Energiedrinks“, zählt Claudia Weede einen Teil der Einkaufsliste auf. „Ich bin gespannt“, sagt Jens Weede. Normalerweise erledige seine Frau immer die Einkäufe. Für ihn sei der Besuch im Poiesz-Supermarkt gewissermaßen Premiere.

Einige Medikamente kann man in den Niederlanden im Supermarkt kaufen. Foto: Gettkowski
Einige Medikamente kann man in den Niederlanden im Supermarkt kaufen. Foto: Gettkowski

Stammkunden fahren viele Kilometer

Dieter Herrmann dagegen zählt zu den Stammkunden. „Ich komme mindestens einmal im Monat her und das schon zu Zeiten von Bert Stuut“, erzählt der Emder. Am Tag der Neueröffnung im September habe er zu den ersten Kunden gezählt. Nach der Eröffnung sei es in den Gängen deutlich enger geworden. „Weil die Anordnung neu ist, muss man erstmal suchen.“

Im Eingangsbereich des Supermarkts gibt es einen typisch niederländischen Automatenimbiss. Foto: Gettkowski
Im Eingangsbereich des Supermarkts gibt es einen typisch niederländischen Automatenimbiss. Foto: Gettkowski

Herrmann hat diesmal nicht nur seine Frau Fenge, sondern erstmals auch das befreundete Ehepaar Helmut und Gerda Sikkes mitgebracht. „Wir haben das mit einem Ausflug in die Festung Bourtange verbunden und kaufen auf dem Rückweg hier ein“, sagt Dieter Herrmann. Im Einkaufskorb landen Gebäck, Cappuccino mit Schokogeschmack und Bohnenkaffee. „Der kostet hier nur halb so viel wie in Deutschland.“ Dass der Kaffee in den Niederlanden meist günstiger zu bekommen ist als in Deutschland, liegt an den Steuern. Im Nachbarland wird keine Kaffeesteuer erhoben, in Deutschland sind es laut Gesetz Röstkaffee beispielsweise 2,19 Euro je Kilogramm.

Sonntagsausflug über die Grenze

Kim Fahrenholz und Ismail Seleman aus Rhauderfehn und Ihrhove machen einen Sonntagsausflug zum Supermarkt nach Bad Neuschanz. „Wir sind spontan hergefahren“, erzählt Seleman. Der Einkaufswagen ist mit Kaffee und Brot gefüllt. Aber auch einfach nur durch die Gänge zu schlendern und zu schauen, was es bei den Nachbarn so alles zu kaufen gebe, sei spannend. Allerdings gibt es auch Produkte, die in deutschen Supermärkten deutlich billiger sind. Waschmittel und Weichspüler beispielsweise. Daher gibt es auch einen entgegengesetzten Kundenstrom. Vor allem zu Beginn der Woche zieht es viele Niederländer aus der Grenzregion in die Multi-Märkte in Leer und zu den Supermärkten und die Discounter in Bunde und Weener.

Seit dem 18. September 2024 ist der ehemalige Supermarkt von Bert Stuut ein Poiesz-Supermarkt. Foto: Gettkowski
Seit dem 18. September 2024 ist der ehemalige Supermarkt von Bert Stuut ein Poiesz-Supermarkt. Foto: Gettkowski

Deutschsprachige Mitarbeiter

Lennart Franta und seine Eltern kaufen sowohl in den Niederlanden als auch in Leer ein. Der Schüler aus Weener gehört zum Poiesz-Team und ist gerade dabei, Verkaufskisten zu füllen. „Man hört heute wieder fast nur Deutsch, wie immer sonntags“, sagt er und lacht. „Ich gehe auf die BBS II in Leer und verdiene mir hier ein bisschen was dazu.“ Seine Mutter sei Niederländerin, daher sei er zweisprachig aufgewachsen und könne im Poiesz-Markt sowohl deutschen und niederländischen Kunden weiterhelfen. „Wenn ich arbeiten muss, bringen meine Eltern mich her und verbinden das mit einem Einkauf.“ Viele Sachen seien in deutschen Supermärkten zwar billiger. „Manche bekommt man da aber nicht“, sagt der Schüler, „Vla zum Beispiel.“

Lennart Franta ist Schüler an der BBS II in Leer und hilft beim Auffüllen der Regale. Foto: Gettkowski
Lennart Franta ist Schüler an der BBS II in Leer und hilft beim Auffüllen der Regale. Foto: Gettkowski

Das niederländische Familienunternehmen Poiesz hatte den Supermarkt Coop von Bert Stuut übernommen und am 18. September neu eröffnet. Geschäftsführer des neuen Supermarkts ist Klaas Derk Oldenzijl. Er sei „superzufrieden“ mit der Resonanz der Kunden. Insbesondere die Metzgerei werde gut angenommen. Durch ein größeres Sortiment sei es in den Gängen etwas enger geworden. Diese Kritik habe er schon von einigen Kunden zu hören bekommen. „Da werden wir gucken, wie wir das ändern können“, so der Geschäftsführer.

Gefüllt ist der Einkaufswagen von Kim Fahrenholz und Isamail Selemann vor allem mit Kaffee und Brot. Foto: Gettkowski
Gefüllt ist der Einkaufswagen von Kim Fahrenholz und Isamail Selemann vor allem mit Kaffee und Brot. Foto: Gettkowski

Am Kaufverhalten habe sich seit dem Wechsel kaum etwas geändert. „Kaffee, Käse und Chips sind bei den Deutschen die beliebtesten Produkte“, sagt er. Genauso war es schon zu Zeiten von Bert Stuut. Aber auch das niederländische Brot hat nach Oldenzijls Worten viele Fans in Deutschland. Viele verbinden ihren Einkauf mit einem Ausflug in die Therme in Bad Neuschanz oder im Sommer zum Kleintierpark im Ortskern. Ein Ehepaar aus Oldenburg verstaut gerade die Einkäufe im Kofferraum. Ganz fertig sind die beiden aber noch nicht. „Jetzt gibt es hier im Imbiss noch eine Portion Kibbeling. Das gehört für uns zum Sonntagsausflug nach Neuschanz dazu“, sagt Roswitha Klein.

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