Denkmal in Emden  Brand bremst Apollo-Sanierung noch aus

| | 23.01.2025 12:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In schlechtem Zustand, seit dem Brand noch mehr: das Apollo-Theater. Foto: Schuurman
In schlechtem Zustand, seit dem Brand noch mehr: das Apollo-Theater. Foto: Schuurman
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Vor dem Verkauf des alten Kinos sind noch Fragen offen. Ansehnlicher wird das Gebäude derweil nicht.

Emden - Eigentlich hätte der Verkauf des ehemaligen Apollo-Lichtspieltheaters in Emden längst abgewickelt sein sollen. Doch es dauert. Die Stadt als Eigentümerin und der Projektentwickler Udo Fuhrmann sind sich zwar weitestgehend einig, die Verkaufsverhandlungen befinden sich seit Längerem in der finalen Phase. Dann kommt der 27. Dezember 2024: Es brennt in einer Wohnung des markanten Klinker-Gebäudes. Die Folge: Weiterer bürokratischer Aufwand bremst die Sanierungs- und Umbaupläne eines der zentralsten Emder Baudenkmäler nochmals aus. Als wenn die Bauplanung und denkmalrechtlichen Belange nicht schon so aufwendig genug wären.

Schäbiger Anblick: verriegelte Türen am Apollo. Wer will, kommt offenbar trotzdem rein. Foto: Schuurman
Schäbiger Anblick: verriegelte Türen am Apollo. Wer will, kommt offenbar trotzdem rein. Foto: Schuurman

Der Stopp ist diesmal hoffentlich nur noch kurzfristig, wie Fuhrmann jetzt auf Nachfrage dieser Zeitung sagte. Da gebe es einige versicherungsrechtliche Fragen, die noch nicht abschließend geklärt seien. Zwar könne der Versicherungsschutz und damit der Ausgleich des Schadens generell auf den neuen Besitzer übertragen werden, doch ganz so einfach sei die Sache eben auch nicht. Von der Feststellung der Schadenshöhe bis zur bürokratischen Abwicklung des Ganzen brauche es in diesem Land seine Zeit, so Fuhrmann. Erst wenn das alles geregelt sei, könne der Kaufvertrag abgeschlossen werden. „Ich bin aber sicher, dass wir das vernünftig hinkriegen, sobald die Versicherung grünes Licht gibt.“

Sicher kein warmer Abriss

Um den Kaufpreis als solches gehe es dabei längst nicht mehr. Über den schweigt sich der künftige Bauherr auch schon vor dem Brand aus. Vermutungen, dass der Preis sich durch das am 27. Dezember 2024 von Unbekannten mutwillig oder fahrlässig gelegte Feuer nochmals reduziert habe, verweist Fuhrmann allerdings ins Reich der Lächerlichkeit. „Das ist absurd. Auch solche Sprüche zu einem warmen Abriss oder Ähnlichem.“ Fest stehe aber, dass der „Brand dem Gebäude nicht guttat“. Doch das sei eben Sache der Versicherung, einen Ausgleich herzustellen.

Fuhrmann widerspricht auch der These, dass der aktuelle Zustand mit offenen Fenstern in der Brandwohnung dem Gebäude noch weiter schaden würde. „Das Löschwasser war viel schlimmer als der Regen, der dort vielleicht noch reintropft“, sagt er. Es sei im Gegenteil sogar so, dass die trockene, kalte Luft für eine gute Durchlüftung sorge. „Im Gebäude stinkt es noch mächtig nach dem Brand. So kann es ausdünsten.“

Kein Rennpferd

Dennoch: Wenn es jetzt auch nur noch wenige Wochen bis zum Eigentümerwechsel dauern soll, ist mit einer schnellen optischen Verbesserung des Gebäudes nur bedingt zu rechnen. „Aus einer Ziege machen wir kein Rennpferd“, erklärt Fuhrmann. Heißt: Bevor optisch irgendetwas passiert, muss er erst eine Sanierungsgenehmigung haben und das Go zum Umbauen samt denkmalrechtlicher Genehmigung muss zumindest in Reichweite sein.

Das Ziel ist, bis Ende 2028 das gesamte Projekt abgeschlossen zu haben. Aus dem Apollo soll ein „Teeater“ werden. Vorne Gastronomie und Veranstaltungsraum, oben und hinten Büroflächen, auch inklusives Wohnen. In Kooperation mit der Stadt soll noch ein kleiner Platz vor dem Apollo für eine Außenbestuhlung entstehen. Mit diesem Konzept hatte das Konsortium aus Emder Baufirmen und der geschäftsführende Gesellschafter von Pro.ces, Udo Fuhrmann, 2021 den Bieter-Wettbewerb um eine Neunutzung des Apollos gewonnen.

Prestige-Objekt

Seither wird an der Wiederbelebung des 1908 gebauten Apollos geplant. Der Spielbetrieb des Kinos war 2009 nach 80 Jahren eingestellt worden. 2012 hatte die Stadt das Gebäude erworben. Ein eigens gegründeter Apollo-Verein hatte dort einige Wochen lang Konzerte veranstaltet. Die Idee, es zu einem alternativen Kulturbetrieb zu etablieren, war aber gescheitert. 2019 fiel der Entschluss, das Gebäude des Klinker-Expressionismus so zu verkaufen, dass die Öffentlichkeit partizipieren kann.

Das gibt das „Teeater“-Projekt her. Zeitlich ausgesprochen lähmende Wirkung auf die Umsetzung haben aber Denkmalschutz und Baurecht, was mehrfach Umplanungen nötig machte. Aber auch wirtschaftliche Belange wie die Baustoffpreisentwicklung, die Zinspolitik und nicht zuletzt das Hü und Hott bei Fördermöglichkeiten stellen die Planer vor große Hürden, wie Fuhrmann nicht müde wird zu betonen. Doch auch wenn man aktuell nicht wisse, welche Regierung in wenigen Wochen was begünstigt oder streicht, halte man an dem Projekt fest. Hier gehe es nicht mehr darum, den Restwert aus einem x-beliebigen Gebäude herauszuholen, sondern es zu einem Prestige-Objekt in prominenter Innenstadt-Lage wieder herzustellen.

Verrammelt und schon wieder halb aufgeschraubt: die Seitentür am Apollo. Foto: Schuurman
Verrammelt und schon wieder halb aufgeschraubt: die Seitentür am Apollo. Foto: Schuurman

Davon ist es aktuell augenscheinlich noch weit entfernt. Durch die Brandstiftung vom Dezember noch mehr als zuvor. Immer wieder waren seit dem Leerstand Unbefugte in das Gebäude gelangt, haben dort übernachtet und auch offenes Feuer gemacht. Noch liegt die Sicherungspflicht bei der Stadt. Sie muss zusehen, dass das Gebäude gegen weiteren Vandalismus und gegen weitere ungebetene Gäste geschützt ist. Nach dem Eigentumswechsel ist es Sache von Fuhrmann und Co. „Sobald wir loslegen dürfen, wollen wir das Haus in den Rohbauzustand zurückversetzen“, sagt Fuhrmann. Dann werde es auch wieder dichtgemacht, versicherte er. Wirklich ansehnlicher wird es aber wohl erst deutlich später.

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