Soziales Projekt für Kinder Wolthusen will kostenlosen Vereinssport anbieten
Für das Pilotprojekt für Kinder bis zehn Jahre benötigt Amisia noch Geld. Der Klub sammelt Spenden. Klubboss Zoran Smolic erklärt seine Intention. Auch seine eigene Kindheit spielt eine Rolle.
Wolthusen - Mit einem sozialen Projekt sorgt Amisia Stern Wolthusen für Aufsehen. Der 500-Mitglieder-Sportverein aus Emden will Kindern bis einschließlich zehn Jahren die Mitgliedsbeiträge erlassen und ihnen kostenlos Vereinssport anbieten. „Im Mannschaftssport erlernen Kinder viele Kompetenzen für das spätere Leben. In einem Sportverein aktiv zu sein, ist in Zeiten Sozialer Medien noch viel wichtiger für Kinder als vor 30 Jahren“, erklärt Amisia-Vorsitzender Zoran Smolic im Gespräch mit unserer Zeitung.
Für die einjährige Pilotphase benötigt der Verein laut Angaben von Smolic rund 10.000 Euro – die Hälfte hat er über private Kontakte und Gönner als Zusage schon zusammen. Der 54-Jährige will mit dem Projekt namens „Macht Kinder stark“ vor allem sozial benachteiligte Kinder unterstützen, ihnen den Zugang zu einem Sportverein erleichtern und die Tür weit öffnen. Amisia mache das nicht vor dem Hintergrund fehlenden Nachwuchses – er tue es aus Überzeugung, gesellschaftlicher Verantwortung und persönlichen Gründen.
Aus dem „Ghetto“ ins Management
Zoran Smolic hat sich nach seinem Studium in Braunschweig bei Volkswagen in die Manager-Ebene hochgearbeitet und kam durch den Job vor einigen Jahren nach Emden. Doch sein Leben in Deutschland begann ganz unten. „Ich bin im Ghetto aufgewachsen.“ 1970 in Kroatien geboren, kam er mit seinen Eltern 1979 nach Deutschland. Sie waren Gastarbeiter. Aufgewachsen ist er in Salzgitter, in einem sozial sehr schwachen Stadtteil Fredenberg.
Mit der Befreiung der Mitgliedsbeiträge von sieben Euro im Monat (84 im Jahr) für Kinder im Grundschulalter bis einschließlich zehn Jahren will Amisia Wolthusen vor allem sozial schwächere Familien unterstützen, auch wenn das Angebot für alle Kinder gilt. „Da können wir als Verein schwer eine finanzielle Grenzen ziehen. Wir hoffen deshalb darauf, dass Familien, die es sich leisten können, freiwillig weiter den Vereinsbeitrag für ihr Kind bezahlen“, sagt Zoran Smolic.
Crownfunding-Kampagne
Er hofft, dass dies mindestens die Hälfte der Eltern auch macht – um so tragfähiger ist das Projekt für die anderen Kinder, die nicht nur kostenlos im Sportverein Sport treiben können. „Wir wollen sie auch mit Fußballschuhen ausstatten“, sagt Smolic. Die Fußballabteilung ist die mit weitem Abstand größte beim SV Amisia.
Zoran Smolic spekuliert mit Kosten von rund 10.000 Euro für die einjährige Projektphase. „Viele haben sich gemeldet und gesagt, wie toll sie das Projekt finden.“ Nun hofft er, dass sich dies auch in der Crowdfunding-Kampagne niederschlägt. Unter www.startnext.com/macht-kinder-stark kann das Projekt namens „Macht Kinder stark“ mit der Summe seiner Wahl unterstützt werden. „Wir möchten Kindern aus sozial schwachen Familien den Zugang zum Mannschaftssport erleichtern. Im Sport werden vielfältige Kompetenzen gefördert, die neben motorischen Fähigkeiten, vor allem auch die persönliche Entwicklung betreffen“, heißt es auf der Seite. Bisher haben elf Unterstützer knapp 800 Euro gespendet.
Auch ein Schulpädagoge ist dabei
„Das Spenden geht ganz schnell und hilft uns sehr viel. Ich bin von der Idee total überzeugt.“ Zoran Smolic hat auch schon einen Schulpädagogen mit im Boot, der aktiv auf und neben dem Fußballplatz helfen wird. Für Smolic geht es beim Fußball in erster Linie nämlich auch um den Breitensport, das alle Kinder eine sportliche Heimat finden – vor allem auch abseits der digitalen Welt, die nicht nur Gutes mit sich bringe.
Eine andere Aktion zu Saisonbeginn brachte schon mal den gewünschten Erfolg. Der Verein ließ Flyer entwerfen, drucken und verteilte sie im Stadtteil. So seien 35 neue Kinder nach den Sommerferien zum SV Amisia Wolthusen gekommen. „Das Jahr davor waren es noch fünf.“