Immobilienmarkt in Ostfriesland  Hohe Baukosten schrecken noch viele Häuslebauer ab

| | 05.02.2025 17:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hausbau im Neubaugebiet Groninger Straße in Leer: Baugrundstücke für Ein- und Zweifamilienhäuser waren 2024 nicht besonders gefragt. Grund sind die weiter hohen Baukosten. Foto: Ortgies
Hausbau im Neubaugebiet Groninger Straße in Leer: Baugrundstücke für Ein- und Zweifamilienhäuser waren 2024 nicht besonders gefragt. Grund sind die weiter hohen Baukosten. Foto: Ortgies
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Die Preise für Baugrundstücke sind 2024 im Mittel um 4 Prozent gestiegen. Außer im Landkreis Aurich wurden in Ostfriesland nochmals weniger Bauplätze verkauft.

Ostfriesland - Der Traum vom neu gebauten Eigenheim in Ostfriesland ist auch 2024 für viele ein Traum geblieben: Außer im Landkreis Aurich, wo im Vergleich zum Vorjahr 45 Prozent mehr Einfamilienhaus-Grundstücke verkauft wurden, gingen im übrigen Ostfriesland und Friesland Bauplätze für den individuellen Wohnungsbau noch nicht. Grund seien weiter die hohen Baukosten, sagte am Mittwoch Martin Homes, Vorsitzender des Auricher Gutachterausschuss für Grundstückswerte, bei der Vorstellung der Grundstücksmarktsdaten am 5. Februar 2025.

Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte Aurich ist zuständig für die Bereiche der kreisfreien Städte Emden und Wilhelmshaven sowie für die Landkreise Aurich, Friesland, Leer und Wittmund. Seine Aufgabe ist, durch eine Kaufpreissammlung für Transparenz auf dem Grundstücksmarkt zu sorgen.

Bauen ist teuer: Vor allem die Erschließung von Baugrundstücken hat in den vergangenen Jahren die Preise getrieben. Foto: Ortgies
Bauen ist teuer: Vor allem die Erschließung von Baugrundstücken hat in den vergangenen Jahren die Preise getrieben. Foto: Ortgies

Erschließungskosten treiben Baulandpreise nach oben

In den Jahren 2020 bis 2023 sind die Baupreise für den Neubau von Wohngebäuden in Deutschland um mehr als ein Drittel gestiegen – um 37 Prozent. Auch 2024 stiegen die Baukosten nach Angaben des Statistischen Bundesamts noch einmal um rund 3 Prozent. Auch die Preise für Bauplätze steigen stetig: Die Preiskurve für Einfamilienhaus-Bauplätze zeigt seit 13 Jahren nach oben, seit 2020 erhöhten sich die Preise um bis zu 50 Prozent im ländlichen Bereich. Das hänge maßgeblich mit den steigenden Erschließungskosten zusammen, so Homes. Zuletzt flachte die Kurve allerdings ab. Für 2024 verzeichnete der Gutachterausschuss noch einen leichten Preisanstieg von 3 Prozent, damit normalisiere sich die Preissteigerung auf dem Niveau von vor 2020, so Homes. Allerdings: „Unter 100 Euro pro Quadratmeter gibt es auch im ländlichen Raum keine Bauplätze mehr in Neubaugebieten“, fasst er zusammen.

Die Anzahl der 2024 verkauften Einfamilienhaus-Bauplätze lag zwar insgesamt in Ostfriesland und Friesland mit 467 Baugrundstücken 8 Prozent über dem Vorjahrsniveau. Doch das lag allein an den Grundstücksverkäufen im Landkreis Aurich – in allen anderen Landkreisen und kreisfreien Städten wurden weniger Bauplätze verkauft als im Vorjahr: im Landkreis Leer minus 2 Prozent, in Friesland minus 15 Prozent, im Landkreis Wittmund minus 27 Prozent, in Emden minus 36 Prozent und in Wilhelmshaven minus 33 Prozent.

Ein- und Zweifamilienhäuser waren 2024 begehrt

Ganz anders sieht es bei den gebrauchten Immobilien aus: In Ostfriesland und Friesland stiegen die Verkaufszahlen von freistehenden Ein- und Zweifamilienhäusern im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent an (3890 Verträge). So wurden 2024 im Landkreis Aurich 1424 (plus 12 Prozent), im

Die Preise für Wohnbaugrundstücke in den Städten und Gemeinden Frieslands und Ostfrieslands: Deutlich zu sehen sind die Unterschiede von Ort zu Ort. Grafik: Schüür
Die Preise für Wohnbaugrundstücke in den Städten und Gemeinden Frieslands und Ostfrieslands: Deutlich zu sehen sind die Unterschiede von Ort zu Ort. Grafik: Schüür
Landkreis Friesland 604 (plus 10 Prozent), im Landkreis Leer 1177 (plus 12 Prozent), im Landkreis Wittmund 383 (plus 9 Prozent), in der Stadt Emden 171 (0) und in der Stadt Wilhelmshaven 131 (minus 10 Prozent ) Ein- und Zweifamilienhäuser verkauft. Der übliche Kaufpreis für ein durchschnittliches Einfamilienhaus aus der Baujahrsspanne 1978 bis 1990 lag laut Gutachterausschuss um 260.000 Euro, Neubauten bei 400.000 Euro.

Auch bei den Reihenhäusern und Doppelhaushälften wurden 2024 mit 728 Verträgen 16 Prozent mehr abgeschlossen als im Vorjahr. Lediglich in Emden stellte der Gutachterausschuss einen geringen Rückgang fest (143 Verträge, minus 3 Prozent). Die üblichen Kaufpreise für durchschnittliche Objekte aus der Baujahrsspanne 1978 bis 1990 lagen bei rund 180.000 Euro. Die Preisentwicklung der Reihenhäuser und Doppelhaushälften entspricht dem der freistehenden Ein- und Zweifamilienhäuser, so Homes.

Wohnungspreise auf den Inseln sind leicht gesunken

Bei den Wohnungen (Eigentumswohnungen und Wohnungen im Bruchteilseigentum) wurden 2024 insgesamt 1813 Verträge registriert, das entspricht nach den Umsatzrückgängen der beiden Vorjahre wieder einer Zunahme von 7 Prozent. Davon entfielen 519 Verkäufe (+/- 0) auf den Landkreis Aurich, 272 ( minus 6 Prozent) auf den Landkreis Friesland, 253 (plus 17 Prozent) auf den Landkreis Leer, 162 (plus 3 Prozent) auf den Landkreis Wittmund, 238 (plus 29 Prozent) auf Emden und 369 (plus 11 Prozent) auf Wilhelmshaven. Der durchschnittliche Kaufpreis bei Weiterverkäufen lag im Binnenland bei etwa 2000 Euro und in den Küstenbadeorten bei ca. 3.500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Auf den Inseln lag das Preisniveau deutlich höher: auf Borkum bei 6800 Euro pro Quadratmeter, auf Norderney bei 10.000 Euro pro Quadratmeter. Das Preisniveau der Wohnungen ist von Mitte 2023 bis Mitte 2024 auf den Inseln im Mittel um 3 Prozent gesunken.

Die vom Gutachterausschuss für Grundstückswerte ermittelten Zahlen werden im Internet kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dort sind alle Marktdaten der Region – Umsatzzahlen, Preisniveaus, Preisentwicklungen, für die Wertermittlung erforderliche Daten – einzusehen: http://immobilienmarkt.niedersachsen.de.

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