Problem in Ostfriesland  „Patienten fehlen“ – Paar sucht nach einem Arzt, der es impft

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Von Vera Vogt
| 07.02.2025 08:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Arzt impft einen Patienten. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Ein Arzt impft einen Patienten. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Ein Ehepaar aus dem Rheiderland wandte sich mit seinem Problem an die Zeitung: Sie würden sich gern gegen Covid-19 impfen lassen, telefonierten Praxen ab. Wo liegt das Problem?

Rheiderland - Ein Ehepaar aus dem Rheiderland möchte sich gegen Covid-19 impfen lassen. Bei Arztpraxen bekamen sie eine Absage. Und zwar je mit der gleichen Antwort, wie die Frau uns schreibt: „Es hieß, dass sie keine Impfungen mehr durchführen können, weil ihnen dafür Patienten fehlen.“ Die beiden waren allerdings auch auf der Suche nach allgemeinen Infos dazu, wo man die Impfungen bekommen könnte.

Sie hätten verschiedene Stellen angeschrieben, aber keine Unterstützung bekommen, erklären sie. Gibt es die irgendwo? Was hat es mit der Patienten-Zahl bei Impfungen auf sich? Wir haben uns an die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) gewandt, um einige Fragen zu klären.

Wie finde ich am besten heraus, welche Arztpraxen impfen und welche nicht?

Nur direkt bei dem Arzt oder der Ärztin. Das erklärt auch, warum das Ehepaar mit seinen Anfragen bei anderen Stellen kein Glück hatte. „Diese Informationen erhalten Patientinnen und Patienten ausschließlich von den Praxen selbst“, erklärt Detlef Haffke, Sprecher der KVN. „Anrufen oder eine E-Mail schreiben und fragen, ob und wann eine Impfung möglich ist.“

Einen Überblick darüber, welche Praxen, welche Impfungen anbieten, gebe es generell nicht. Die Nationale Lenkungsgruppe Impfen (Nali) schreibt aber beispielsweise, dass in Deutschland Impfungen „in der Regel“ von niedergelassenen Ärzten wie Hausärzten, Kinder- und Jugendärzten und Frauenärzten durchgeführt werden. Seit dem 1. März 2020 dürften alle Ärztinnen und Ärzte jede Art von Impfung durchführen (außer Zahnärztinnen und Zahnärzte). „Zuvor war die Möglichkeit für dieses so genannte ‚fachübergreifende’ Impfen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt“, heißt es weiter. Zahnärztinnen und Zahnärzte dürften aber die Corona-Schutzimpfung durchführen, sofern sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Nach der Impfung gibt es ein Pflaster. Foto: Stefan Puchner/dpa
Nach der Impfung gibt es ein Pflaster. Foto: Stefan Puchner/dpa

Gibt es so etwas wie eine Mindest-Anzahl an Patientinnen, die sich impfen lassen wollen, damit es sich lohnt?

Ja. „Das Problem bei den Covid-Impfungen ist nach wie vor die Auslieferung des Impfstoffes in sogenannten Vials“, erklärt Haffke. Ein Vial beinhalte sechs bis sieben Impfstoffdosen. „Ein angebrochenes Vial ist nicht lange haltbar“, so Haffke. Daher „sammelten“ Ärztinnen und Ärzte erst Impflinge, bevor sie ein Vial öffnen. „Dies kann einige Zeit dauern.“

Muss man auch jetzt noch auf die „Sorte“ der Corona-Impfstoffe achten?

Nein. „Für die COVID-19-Impfung empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) zugelassene mRNA- sowie proteinbasierte Impfstoffe mit einer jeweils von der Weltgesundheits­organisation (WHO) empfohlenen Varianten­anpassung“, schreibt Haffke. Bei Personen mit einer entsprechenden Indikation solle die jährliche Covid-19-Impfung jeweils im Herbst erfolgen, dabei würden ohnehin nur die aktuellsten Impfstoffe mit der jeweiligen Variantenanpassung verimpft.

In Deutschland sind laut Haffke in der Saison 2024/2025 an verschiedene Varianten von Omikron angepasste mRNA-Impfstoffe von Pfizer/Biontech (Comirnaty) und von Moderna (Spikevax) sowie der proteinbasierte Impfstoff von Novavax (Nuvaxovid) für die Impfung verfügbar.

Ein Schild mit der Aufschrift «Arzt» hängt an einer Straßenlaterne. Foto: Tom Weller/dpa
Ein Schild mit der Aufschrift «Arzt» hängt an einer Straßenlaterne. Foto: Tom Weller/dpa

Wie ist die Lage derzeit, was Ansteckungen und Impfung angeht?

Das Virus zirkuliere weiterhin in der Bevölkerung. „Die dominierenden Omikron-Varianten sowie die hohe Immunität durch Impfungen und Infektionen in der Bevölkerung haben dazu geführt, dass heute deutlich weniger schwere Verläufe und Langzeitfolgen (wie Long-/Post-Covid) auftreten als noch vor zwei Jahren“, so Detlef Haffke. „Das ist auch ein Erfolg der Impfung, die auch zukünftig wichtig für den Schutz der Bevölkerung bleibt.“

Das Ziel der STIKO-Impfempfehlungen zur Covid-19-Impfung sei weiterhin, schwere Verläufe (mit Hospitalisierungen und Todesfällen) zu verhindern, Langzeitfolgen so weit wie möglich zu reduzieren und Beschäftigte in der medizinischen und pflegerischen Versorgung vor Infektionen zu schützen. Deshalb empfiehlt die STIKO für besonders gefährdete Personengruppen eine jährliche Auffrischimpfung, die im Herbst verabreicht werden soll.

Wie läuft es derzeit mit den Impfungen?

Insgesamt gut. „In der letzten Januarwoche 2025 gab es 183 laborbestätigte Covid-19-Fälle in Niedersachsen. Covid-Impfungen werden auf einem sehr geringen Niveau weiterhin nachgefragt. Impfungen stellen aber kein Problem dar“, sagt Detlef Haffke.

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