In guten wie in schlechten Zeiten Dieser Kickers-Fan kommt seit fast 40 Jahren ins Stadion
Franz Oldewurtel kam 1986 nach Emden und fiebert seither mit dem BSV. Der 70-Jährige gab einmal seine Dauerkarte wütend zurück. Er führt Statistik und tritt sportlich bald gegen einen Spielervater an.
Emden - Franz Oldewurtel aus Emden benötigt keine Internet-Portale, um etwas über die Kickers-Spiele der vergangenen 30 Jahre herauszufinden. Der 70-Jährige hat sein eigenes „Kickers-Lexikon“, führt seit den 90er Jahren Statistiken zu den Spielen des heutigen Fußball-Regionalligisten. „Ich mache das einfach unheimlich gerne, führe Excel-Listen. Und ab und an kann ich Bekannten helfen, die mal wieder etwas wissen wollen.“
Im Vorfeld der Heimpartie gegen den SV Todesfelde am vergangenen Samstag (1:0), 22. Februar, wusste er so auch zu berichten, dass Todesfeldes Mirko Boland vor vielen Jahren schon mal gegen Kickers gespielt hatte. Noch in der. 3. Liga, mit Eintracht Braunschweig. Es war am 14. Februar 2009, Braunschweig besiegte Kickers 2:1. Siegtorschütze? Mirko Boland.
Müller und Boateng in Emden
„Neben Boland sind mir persönlich mit Thomas Müller und Jerome Boateng nur zwei weitere noch aktive Spieler aus der damaligen Regionalliga/3. Liga bekannt“, berichtet der Rentner. Er weiß natürlich ganz genau, wann die beiden Weltmeister von 2014 als junge Nachwuchskräfte mit Hertha BSC Berlin II (Boateng) und dem FC Bayern München II (Müller) gegen Emden spielten: Boateng (heute Linzer ASK) am 15. April und 19. August 2006, Müller (FC Bayern München) am 16. Dezember 2008. Die „Nebel-Partie“ im Ostfrieslandstadion gegen mit dem blutjungen Müller ist eine der wenigen, die Franz Oldewurtel seit 1986 verpasst hatte. „Da lag ich mit einer Grippe flach.“
Der in Esens geborene und in Dornum aufgewachsene Ostfriese kam 1986 aus beruflichen Gründen nach Emden. Und der Fußballfan begann schnell, die Heimspiele des BSV Kickers Emden zu besuchen. Als dann in den 90er Jahren die Tribüne gebaut wurde, legte sich Franz Oldewurtel eine Dauerkarte zu. „Die habe ich jetzt seit rund 30 Jahren.“
Der Frust-Sommer 2009
Jede Saison holt er sich seither aufs Neue eine Dauerkarte, auch diese für inzwischen 370 Euro. Nur einmal legte er eine Pause ein, weil die Liebe zwischen ihm und Kickers auf eine harte Probe gestellt worden war – nach dem plötzlichen Rückzug aus der 3. Liga im Juni 2009. „Da fühlte man sich als Fan verarscht.“ Während der großen Kickers-Zeiten schaute er auch wenige Auswärtsspiele, so auch die Partie im bayerischen Burghausen an der Grenze zu Österreich. „Da saß ich mit der Mannschaft mit im Flieger nach Salzburg“, erinnert er sich.
Nach der Insolvenz und dem Neustart in der Landesliga kehrte er ins Ostfrieslandstadion zurück und erlebte die langsame Rückkehr in die Regionalliga, den drohenden neuerlichen Absturz und wegweisenden Einstieg von Henning Rießelmann. „Bei Kickers stand es in den vergangenen Jahrzehnten immer mal auf der Kippe, das gehört irgendwie dazu“, sagt Franz Oldewurtel, der den neuen Höhenflug genießt. „Es ist toll, dass wir wieder in der Regionalliga spielen und so eine tolle Saison bestreiten. Auch mit den Zuschauerzahlen fühlt sich das an wie früher.“
Boßeln gegen den Steffens-Papa
Dabei lobt der Dauerkarten-Inhaber aus Block A besonders auch Stefan Emmerling, der nach seiner ersten Kickers-Amtszeit (2007 bis 2009) im Sommer 2019 zurückgeholt wurde. „Wir haben einen super Trainer, besser geht es gar nicht.“
Aus der Mannschaft ist für ihn der dienstälteste Spieler Tido Steffens „der Mann“, wie er sagt. Bald begegnet Franz Oldewurtel Tido Steffens´ Vater Reno Steffens sportlich. Oldewurtel ist nämlich auch leidenschaftlicher Boßler und tritt mit seinem Altersklassen-Team von Canhusen/Loppersum beim Altersgenossen Germania Menstede-Arle an.