Gewalt in der Stadt  Mitglieder der Leeraner Jugendbande stehen vor Gericht

| | 03.03.2025 15:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Jugendlichen hatten unter anderem andere Menschen attackiert und verletzt. Symbolfoto: mubi/stock.adobe.com
Die Jugendlichen hatten unter anderem andere Menschen attackiert und verletzt. Symbolfoto: mubi/stock.adobe.com
Artikel teilen:

Im Frühjahr 2024 attackierten und verletzten Jugendliche in der Leeraner Innenstadt diverse Personen. Die Behörden griffen durch. Jetzt stehen Mitglieder der Bande vor Gericht – nicht das erste Mal.

Leer - In der Leeraner Innenstadt sorgte vor gut einem Jahr eine Gruppe Jugendlicher für mächtig Ärger. Die Mitglieder attackierten und verletzten Opfer – sowohl gezielt als auch zufällig ausgewählt. Die Behörden reagierten. Die Polizei, aber auch die Stadtverwaltung erhöhten massiv die Kontrollen. Im April 2024 wurde sogar über eine Waffenverbotszone nachgedacht. Konkret ging es dabei um die Leeraner Mühlenstraße und den Bahnhofsvorplatz. Im Juli wurden diese Überlegungen wieder verworfen. Die Situation hatte sich beruhigt. Ein Grund könnte sein, dass mittlerweile juristisch gegen Mitglieder der Gruppe vorgegangen wird.

Verhandlungen vor Gericht

Wie der Sprecher des Leeraner Amtsgericht, Heiko Brahms, auf Anfrage sagte, wurden fünf Jugendliche durch ein Urteil vom 9. Dezember 2024 verurteilt. Die Strafen seien sowohl zur Bewährung als auch ohne Bewährung ausgesprochen worden. Es seien diverse Straftaten angeklagt gewesen – maßgeblich aber gefährliche Körperverletzung. „In wechselnder Besetzung wurden Menschen angegriffen und verprügelt“, so Brahms. Die meisten dieser angeklagten Taten hätten sich im Frühjahr 2024 ereignet.

Auch im Bereich des Bahnhofes kam es zu Vorfällen. Foto: Bothe/Archiv
Auch im Bereich des Bahnhofes kam es zu Vorfällen. Foto: Bothe/Archiv

Das Urteil ist jedoch nicht rechtskräftig. Sowohl die Verteidiger als auch die Staatsanwaltschaft hätten Rechtsmittel eingelegt. „Der Fall liegt jetzt beim Landgericht Aurich“, so Brahms. Wann dort die Berufungsverhandlung beginnt, sei aber noch offen. Derzeit läuft außerdem ein weiteres Verfahren am Amtsgericht Leer gegen Mitglieder der Gruppe, bestätigt der Sprecher entsprechende Informationen dieser Zeitung. Teilweise hatten sie sich bereits in dem Prozess aus dem Dezember verantworten müssen. Die Verhandlung ist allerdings nicht öffentlich, da es sich bei den Angeklagten um Minderjährige handelt.

Die Vorgeschichte

Die Jugendbande umfasste rund 15 Mitglieder zwischen 13 und 20 Jahren und hatte diverse Straftaten begangen. Der Leiter der Polizeiinspektion (PI) Leer/Emden, Thomas Memering, hatte bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2023 bestätigt, dass die Polizei in Leer die Präsenz in der Innenstadt erhöht habe. „Diese Gruppe hat ein Aufenthaltsverbot für die Innenstadt und den Bahnhofsbereich“, sagte Memering. Auch ein privater Sicherheitsdienst wurde eingestellt und kontrollierte zusätzlich.

Die Jugendlichen schlugen auch in der Fußgängerzone zu. Symbolfoto: Bothe/Archiv
Die Jugendlichen schlugen auch in der Fußgängerzone zu. Symbolfoto: Bothe/Archiv

Wochenlang war es im Frühjahr 2024 in Leer immer wieder zu Gewalttaten im Zusammenhang mit dieser Gruppe Jugendlicher gekommen. Es seien gezielte Taten, aber teilweise auch arglose Opfer, die die Gruppe attackiere, sagte Memering. Hinzu kämen Ladendiebstähle und der Besitz von Drogen. Die Gruppe bestehe aus 15 Personen, in wechselnder Zusammensetzung. Es seien Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund beteiligt. „Die Jugendlichen sind teilweise massiv auffällig“, sagte Memering damals. Das gelte auch für die 13-Jährigen, die noch nicht strafmündig seien, und das ganz genau wüssten. Damals kündigte der Inspektionsleiter an, hart gegen das Vorgehen der Jugendlichen durchgreifen zu wollen. „Die müssen begreifen, dass sie das nicht dürfen“, so Memering.

Die Problematik um die Gruppe Jugendlicher sei dann aber „durch intensive präventive und strafrechtliche Maßnahmen in Zusammenarbeit von Kommune, Polizei und Staatsanwaltschaft aufgelöst worden“, hatte Polizeisprecherin Svenia Temmen mitgeteilt. Die Behörden gingen rigoros gegen die Jugendlichen vor: „Es sind eine Vielzahl von Ermittlungsverfahren gegen verschiedene Jugendliche aus dieser Gruppierung eingeleitet worden. Den beschuldigten Jugendlichen werden insbesondere Gewaltdelikte vorgeworfen“, erklärte Staatsanwalt Stefan Gleißner.

Das sagen heute Polizei und Stadtverwaltung

Die Situation habe sich beruhigt, teilt Stadtsprecherin Karen Radtke auf Anfrage mit. „Nachdem sich die Lage in der Innenstadt durch die polizeilichen und ordnungsrechtlichen Maßnahmen entspannt hatte, gab es im April 24 kurzzeitig Probleme mit Jugendlichen auf dem Schulhof/Spielplatz der Hoheellernschule.“ Nach der zeitweiligen Schließung des Schulhofes und einer verstärkten Bestreifung durch die Polizei habe sich dies aber schnell beruhigt.

Direkte Antworten auf die Vorfälle durch veränderte Jugendarbeit habe es nicht gegeben. „Allerdings wurde durch eine personelle Aufstockung und bessere Öffnungszeiten die offene Jugendarbeit im Jugendzentrum gestärkt“, so Radtke. Zusätzlich liefen innerhalb der Verwaltung die Planungen für einen Jugendplatz, um alternative Aufenthaltsmöglichkeiten für Jugendliche zu schaffen. „Eine Waffenverbotszone ist derzeit kein Thema“, betont die Sprecherin.

Aktuell ist der Polizei in Leer nicht bekannt, dass es in der Innenstadt zu Problemen mit Jugendlichen kommt, teilt Sprecherin Vanessa Lepper auf Anfrage mit. Die Beamten hätten seiner Zeit mit einer erhöhten Polizeipräsenz in der Innenstadt sowie dem Aufenthaltsverbot für die Jugendlichen reagiert, so Lepper. Durch die Maßnahmen und durch die Verfolgung der Straftaten habe sich die Lage entspannt.

Es könne nie ausgeschlossen werden, dass es durch eine Jugendgruppe erneut zu der Begehung von Straftaten kommt. Aber: „Das eine Jugendgruppe für derart viel Unruhe sorgt, ist im Inspektionsbereich der PI Leer/Emden eher ungewöhnlich“, betont die Sprecherin.

Ähnliche Artikel