Gerichtsurteil ärgert Landwirte „Wir haben hier im Rheiderland kein Nitrat-Problem“
Die Klage der Umwelthilfe hatte Erfolg: Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts muss das Land im Emsgebiet die Nitratwerte im Wasser reduzieren. Landwirte fürchten schlimme Folgen.
Landkreis Leer - Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) war mit ihrer Klage in letzter Instanz erfolgreich. Das Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig stimmte am Donnerstag zu, dass bisherigen Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität der Ems bislang nicht ausreichend waren. Deshalb müssen die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen nun dafür sorgen, dass die Nitratwerte im Grundwasser im Flussgebiet weiter reduziert werden. Wie und wo ist derzeit noch völlig offen. Dennoch sind Landwirte im Rheiderland in höchster Alarmbereitschaft. Sie fürchten negative Folgen für die Tierhaltung.
„Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist völlig daneben“, sagt Willem Berlin. Er ist selbst Landwirt und gleichzeitig Obersielrichter der Sielacht Rheiderland. „Wir haben hier kein Nitrat-Problem.“ Als Beispiel führt er den neuen Brunnen zur Trinkwassergewinnung in Wymeer an. In dem Ortsteil werde seit 50 Jahren Gülle gefahren und in dem Grundwasserbrunnen sei keinerlei Nitrat nachweisbar. Er empfindet den Richterspruch als „Schlag ins Gesicht der Landwirte“. Irgendwelche Umweltverbände wollten mit solchen Klagen lediglich in der Presse in den Blick der Öffentlichkeit kommen, um neue Mitglieder und Beiträge zu gewinnen. „Wenn die schlechte Gewässerqualität der Ems moniert wird, muss man vielleicht mal einen Blick in die Klärwerke werfen“, so der Obersielrichter. Das Wasser werde in die Ems geleitet.
Schon jetzt wird streng kontrolliert
Landwirt Amos Venema aus Jemgumgeise ärgert sich ebenfalls über den Richterspruch. Es sei in den Augen des Milchviehhalters wissenschaftlich nicht erwiesen, dass erhöhte Nitratwerte überhaupt mit dem Düngen in Verbindung stehen. „Bei uns wird mit großer Exaktheit und Technik gedüngt. Wenn wir Gülle ausbringen wird schon jetzt alles streng protokolliert und dokumentiert“, macht der Agrarblogger deutlich.
Sein Kollege Hero Schulte aus St. Georgiwold vertritt einen ähnlichen Standpunkt. „Die Grünen wollen doch wieder uns Landwirten pauschal die Schuld in die Schuhe schieben“, wettert er. Anders als in Gebieten wie rund um Vechta mit seinen Schweinemastbetrieben gebe es im Rheiderland keine derart intensive Landwirtschaft. Daher werde das Bauern-Bashing der Grünen nach seinen Worten ins Leere laufen. „Wir haben eine gläserne Düngeaufzeichnung und können auch anhand von Bodenproben nachweisen, dass keine Überdüngung stattfindet.“
Keine Überdüngung
In den Augen von Amos Venema gebe es auch einen ganz klaren Beleg dafür, dass eine hohe Nitratbelastung nicht auf eine Überdüngung der Grünlandflächen entlang der Ems zurückzuführen sei. „Durch die Gaskavernen haben wir in der Gemeinde Jemgum ein dichtes Netz an Brunnen“, berichtet Venema. Allein zwei davon befänden sich auf seinen Flächen. Die Werte seien um ein Vielfaches geringer als die vorgeschriebenen Grenzwerte.
Der Landwirt aus Jemgum hält es nicht für ausgeschlossen, dass es andere Ursachen für erhöhte Werte gebe. „In Dargböden, wie sie hier bei uns in Moor- und Niedermoorböden vorkommen, entsteht Nitrat auch auf natürliche Weise, dort wo Ammonium im Boden vorhanden ist“, erzählt Venema.
Bauern fürchten Folgen für die Tierhaltung
Der Milchviehhalter und Agrarblogger Amos Venema fürchtet dennoch, dass das Gerichtsurteil Einfluss auf die Tierhaltung haben könnte und „dazu missbraucht wird, in den Betrieben die Zahl der Rinder zu reduzieren“. „Wenn Betriebe die Zahl ihrer Rinder um ein Drittel reduzieren müssen, können sie nicht mehr wirtschaftlich arbeiten“, warnt Venema. Einige Berufskollegen sehen niederländische Verhältnisse auf sich zukommen. „In den Niederlanden mussten die Landwirte ihre Tierzahlen auch aufgrund eines Gerichtsurteils reduzieren“, so Venema. Er hält diese Konsequenz auch in Niedersachsen für denkbar.
Wo genau, über was für einen Zeitraum und durch welche Maßnahmen die erhöhten Nitratwerte gesenkt werden sollen, ist derzeit noch völlig offen. „Wenn behauptet wird, dass die Nitratbelastung in der Ems zu hoch ist, muss man genau untersuchen, wo es herkommt und auch andere Schadstoffe ins Visier nehmen“, fordert Landwirt Hero Schulte.