Diamantene Hochzeit 60 Jahre Liebe, die Grenzen überwindet
Maria Emilia und Emilio Relvado feiern 60 Jahre Ehe. Es sind sechs Jahrzehnte voller Liebe, die in einem anderen Land begann und in Emden eine Zukunft fand.
Emden - Am 24. März 1965 gaben sich Maria Emilia und Emilio Relvado das Ja-Wort. Erst standesamtlich, dann kirchlich. Zuhause feierte das Paar seine Eheschließung im engsten Kreis. „Es war klein, aber schön“, erinnert sich Maria Emilia an den Tag vor 60 Jahren zurück. Kennengelernt haben sich die beiden in ihrer Heimatstadt Samora, nahe Lissabon, bei einem Tanz. Maria Emilia war damals erst 14 Jahre alt. Es lief Rock-n-Roll-Musik und ihre Mutter begleitete sie. Die heute 77-Jährige erinnert sich noch genau an den Moment, als sie Emilio das erste Mal sah: „Mir ist sofort aufgefallen, was für ein schöner Mann er ist. Das Leben oder Gott hat dann den Rest gemacht“, sagt sie lachend.
Die beiden lernten sich kennen und drei Jahre später gaben sie sich das Jawort. Ihre Liebe war jung, aber stark – so stark, dass Emilio nur fünf Monate nach der Hochzeit einen mutigen Schritt wagte: Er reiste nach Deutschland, um in Emden bei den Nordseewerken als Schweißer zu arbeiten und der Familie eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Maria Emilia blieb in Portugal zurück – hochschwanger und in der Hoffnung, ihm bald folgen zu können.
Erst zwei Jahre später wieder vereint
Es dauerte schließlich zweieinhalb Jahre, bis sie mit ihrem Sohn José nach Deutschland nachreisen konnte. Die ersten Jahre waren herausfordernd: Sie sprachen kein Deutsch, das Klima war ungewohnt, und die Sehnsucht nach der Heimat war groß. „Emden war ganz anders“, erinnert sich Maria Emilia. Doch sie hielten zusammen, kämpften sich durch und bauten sich in Emden ein neues Leben auf. Während Emilio auf der Werft arbeitete, war Maria Emilia 30 Jahre lang in der Ültje-Fabrik tätig. Auch, wenn die Arbeit körperlich oft anstrengend war, so gefiel den beiden das Leben in Ostfriesland besser als in Portugal.
Die Sprache war anfangs eine große Herausforderung. Maria Emilia erinnert sich mit einem Lächeln an ihre ersten Versuche. „Als der Milchwagen durch unsere Straße fuhr, bestellte ich immer ein Pfund Milch“, erzählt sie. Niemand habe sie korrigiert oder belächelt – erst Jahre später erfuhr sie, dass es eigentlich „Liter“ heißen müsste. Eine ähnliche Situation erlebte sie in der Ültje-Fabrik, wo sie Späne auffegen sollte, doch das Wort falsch verstand. „Ich kam zurück und konnte nirgendwo eine Spinne finden. Das Wort ′Späne′ hatte ich zuvor noch nie gehört“, sagt sie schmunzelnd. Geschichten wie diese gibt es viele, bestätigt Emilio. „Langweilig wird es mit ihr nie“, sagt der heute 86-Jährige.
„Lebt euer Leben!“
Heute blicken die beiden voller Dankbarkeit zurück. „Ich kann nur allen Menschen raten: Lebt euer Leben, es ist so schnell vorbei! Wo sind nur die letzten 60 Jahre geblieben?!“, sagt Maria Emilia. Nach und nach wurde Emden nicht nur ihr Wohnort, sondern ihre Heimat. Heute fühlen sie sich Port Arthur/Transvaal so verbunden wie ihrer Heimatstadt Samora. „Damals hätten wir uns nicht vorstellen können, dass wir einmal hier alt werden“, sagt Emilio. „Aber Emden hat uns eine Zukunft gegeben, die wir in Portugal so nicht gehabt hätten.“
Die diamantene Hochzeit feiern die beiden zunächst in Emden nicht groß. Doch im Frühsommer zieht es sie zurück zu ihren Wurzeln: Dann reist das Paar nach Portugal, um das Jubiläum dort noch einmal in großer Runde zu feiern – in dem Land, das sie einst verließen, aber immer in ihrem Herzen bewahrt haben.