Sanierung in Emden Darum ist das Pflaster auf dem Neuen Markt so dunkelgrau
Die helle Pflasterung des Emder Marktplatzes ist eingetrübt. Es ist nur eine Nebenwirkung, heißt es. Und wohl nicht von Dauer.
Emden - Auf dem Neuen Markt in Emden wird seit Wochen grundgereinigt und saniert. Mit einer Fugenhexe wurden alle Rillen von Unrat befreit. Doch die Pflasterung wird immer dunkler. Was passiert da eigentlich genau? Geht da vielleicht etwas schief? Und soll das etwa so bleiben? „Wird es nicht“, wie Tiefbauer Jens Friebel versichert. „Regen und Fegen macht bald alles wieder hell.“
Friebel ist bei der Tiefbau-Firma Jens Iken in Blomberg angestellt, die von der Stadt Emden mit der „Versiegelung von 1500 Quadratmetern Pflasterfugen“ beauftragt ist. An diesem Freitag ist er allein mit seinem Kollegen Gerd Bakker auf der riesigen Fläche bei der Arbeit. Viel mehr Mitarbeiter braucht es auch nicht, weil die Fugen ohnehin immer nur in kleinen Arealen abgefüllt werden können.
Sechs Minuten kräftig rühren
Das Material – zähelastischer Fugenschluss – muss in 25 Kilo-Gebinden jeweils frisch angemischt werden. In dem Eimer sind Quarzsand, Kunststoff und Schotter in der Farbe steingrau. Dazu kommen zwei flüssige Binder plus Fließmittel. Alles zusammen muss mit dem großen Mixer sechs Minuten lang wie ein guter Kuchenteig zusammengerührt werden. Friebel stoppt dafür die Uhr während sein Kollege Bakker schon einmal das Pflaster mit dem Schlauch für die Haftung bewässert. Dann wird der schwere Eimer ausgekippt, das Material mit dem Schrubber in die Fugen eingearbeitet. Ein Eimer reicht mal gerade für knapp drei Quadratmeter. Und diese Fläche muss immer doppelt gemacht werden, weil die Fugen einsickern.
Das ganze Prozedere wird sich 290 mal wiederholen. So viele Eimer von dem Material sind beim Hersteller in Hamburg bestellt. Das wurde im Übrigen schon vor geraumer Zeit ausgewählt, als verschiedene Füll-Materialien auf dem Pflaster des Neuen Marktes ausprobiert wurden, um die breiten Fugen dauerhaft zu versiegeln. Es war der Testsieger. Und es ist wasserdurchlässig.
Nur eine kurzzeitige Nebenwirkung
Die Dunkelfärbung der Pflasterung ist nur eine temporäre Nebenwirkung, sagt Tiefbauer Friebel. Sie entsteht durch das Epoxidharz, das dem Fugenmaterial beigemischt ist. Das soll eben durch Fegen und Regen wieder verschwinden. Mit ihm auch der ungewohnte Glanz, der auf den jüngst bearbeiteten Flächen zu sehen ist. Acht Tage lang dürfen frisch verfugte Flächen nicht befahren werden. Und drüberzulaufen empfiehlt sich zunächst auch nicht. Harz klebt an den Schuhsohlen.
Zwei Drittel der Fläche sind in dieser mühsamen Arbeitsweise schon geschafft. Die Sitzbänke anfangs des Neuen Marktes schon wieder freigegeben. „Wir sind gut in der Zeit“, sagt Jens Friebel. „Wenn es so weiterläuft, sind wir vor Ostern fertig.“ Dann müsse nur noch eine Restreinigung erfolgen, die Kehrmaschine nochmals drüberfegen. Dann dürfte der Wochenmarkt, der wegen der Sanierung in den Stadtgarten verlegt worden ist, wieder zurückkehren.
Ursprüngliche Fugen ausgefegt
Ursprünglich waren die Fugen des erst vor fünf Jahren grunderneuerten Marktplatzes mit einem feinen und losen Mineralgemisch eingeschlämmt worden. Bei einer ungebundenen Bauweise der Pflasterung sei das übliche Praxis, wie die Fachabteilung des Bau- und Entsorgungsbetriebs Emden auf Nachfrage dieser Zeitung erläutert hatte. Da sich in den relativ großen Fugen von acht Millimetern aber leicht Schmutz, Zigarettenkippen und anderer Müll sammeln, sei eine regelmäßige maschinelle Reinigung mittels Fegemaschine erforderlich. „Diese Reinigung hat jedoch den negativen Effekt, dass hierdurch auch Fugenmaterial entfernt wird“, hieß es in der Begründung zur aktuellen Nachbesserung. Auf die Fugenfüllung zu verzichten ist im Übrigen keine Option, weil sie die Pflasterung stabil hält.
Die Komplettsanierung des Neuen Marktes vor fünf Jahren mit Pflasterung, Wasserspielen, neuen Leuchten, dem Pflanzen von Säulenhainbuchen und neuen Sitzbänken wurde seinerzeit auf 1,6 Millionen Euro Kosten beziffert, von denen Bund und Land zwei Drittel übernommen hatten. Was die Nachbesserung mit dem Spezialfugenmörtel kosten wird, ist bisher nicht öffentlich bekannt.