Leidenschaftlicher Azubi Krummhörner Nachwuchs-Landwirt beeindruckt überregional
Janto Smit aus Visquard macht eine Ausbildung zum Landwirt. Und das so erfolgreich, dass man nun auch überregional auf ihn aufmerksam geworden ist. Uns erzählt er, was die Branche so besonders macht.
Visquard/Westerstede - An der Arbeit in der Landwirtschaft mag Janto Smit „so ziemlich alles“, wie er sagt. Die Tage seien zwar lang, aber das Gefühl, den ganzen Tag von Tieren und Pflanzen umgeben zu sein, mache das wieder wett. Der 21-Jährige aus Visquard ist Auszubildender auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Westerstede (Landkreis Ammerland) und konnte mit seiner Leistung bisher nicht nur seinen Ausbilder überzeugen, sondern auch die Mitglieder des bundesweit stattfindenden Berufswettbewerbs (BWB). An diesem alle zwei Jahre ausgetragenen Wettbewerb nehmen in Niedersachsen Auszubildende aus der Land-, Haus- und Forstwirtschaft sowie landwirtschaftliche Fachschüler und Fachschülerinnen teil.
Und Smit konnte jüngst mit seinem Talent beim Wettbewerb überzeugen: Von den insgesamt 2500 teilnehmenden Azubis aus der Landwirtschaft schaffte er es mit weiteren 119 Teilnehmern in die nächste Runde. Dort bewies er seine Leidenschaft für die Landwirtschaft in verschiedenen praktischen und theoretischen Übungen. Schließlich wurde er als einer von 24 Siegern und Siegerinnen gekürt, die nun am 25. und 26. April 2025 am Landesentscheid in Nienburg teilnehmen werden.
Leidenschaft in die Wiege gelegt: Er ist mit Kühen aufgewachsen
Die Liebe zur Landwirtschaft wurde Smit sozusagen in die Wiege gelegt. Auf dem elterlichen Hof in Visquard kümmert sich die Familie um 260 Kühe, bewirtschaftet außerdem eine Ackerfläche von 83 Hektar. Mit dem Alltag als Landwirt kennt sich Smit also schon bestens aus. Im Ausbildungsbetrieb in Westerstede beginnt sein Arbeitstag „erst“ um halb sieben. Ziemlich früh also. Schlimm findet Smit das nicht. „Zu Hause geht es schon um halb sechs los“, sagt er mit einem Lachen.
Smit macht seine Ausbildung in einem Roboterbetrieb. Drei Melkroboter gibt es dort, zuständig für 180 Kühe. Die erste Amtshandlung am Morgen? „Erst mal nach den Kühen schauen“, so Smit. Die Tiere tragen Halsbänder mit einem Transponder. Dieser erfasst wichtige Daten, die Auskunft über den Zustand der Kühe geben können. „Man kann somit leicht Abweichungen erkennen, zum Beispiel im Essverhalten“, sagt Smit. Wenn er bei dem morgendlichen Rundgang eine Abweichung erkenne, müsse er gleich schauen, was los sei. „Da sind die technischen Fortschritte wirklich sinnvoll“, so der angehende Landwirt. Denn wenn man schon weit im Voraus sehen könne, dass etwas mit einer Kuh nicht stimme, könne man dementsprechend schnell handeln. „Die Transponder erkennen Zustandsveränderungen, noch bevor diese vielleicht optisch erkennbar sind“, sagt Smit. Das schnelle Erkennen und Eingreifen bei möglichen Erkrankungen habe zur Folge, dass dann zum Beispiel auch die Zugabe von Antibiotika bei der Behandlung gar nicht mehr notwendig sei.
Arbeiten in der Landwirtschaft: Arbeitstage dauern zwölf Stunden
Nachdem Smit am Morgen nach den Kühen geschaut hat, geht es an einem typischen Arbeitstag weiter mit Stallarbeit. Auch die Kälber müssen gefüttert werden. Dann gibt es auch für Smit erst mal Frühstück. „Danach kümmere ich mich um alles, was sonst noch aus der Reihe tanzt“, sagt Smit. Etwa zwölf Stunden dauere so ein Arbeitstag insgesamt, mit verschiedenen Pausen. Ein langer Tag, doch dem jungen Mann macht die Arbeit Spaß. Auch sein Ausbilder zeigt sich begeistert von dem 21-Jährigen: „Er macht seine Sache wirklich gut, packt überall mit an“, so Heye Thye vom Ausbildungsbetrieb Thye in Westerstede. Das sei keine Selbstverständlichkeit, so der Ausbilder.
Gleichzeitig ist sich Smit aber auch der verschiedenen Herausforderungen in der Landwirtschaft bewusst. „Alles wird nachhaltiger“, sagt er. Darauf müssten sich Betriebe einstellen. „Auch zu Hause machen wir das schon viel, mit Ackerrandstreifen zum Beispiel.“ Diese Randbereiche von Äckern werden ohne Herbizide und Pflanzenschutzmittel bewirtschaftet, sollen so die Artenvielfalt steigern. „Man gibt sich eben Mühe, dass es nachhaltig wird“, so Smit. Aber die Bürokratie stelle Landwirte immer mehr vor Herausforderungen. Es gebe viele Richtlinien. „Überall gibt es etwas anderes, worauf man achten muss“, so Smit. „Das wird alles immer komplizierter.“ Doch davon lässt sich der 21-Jährige nicht abschrecken. „Ich bin positiv gestimmt, sonst würde ich das alles ja gar nicht erst machen mit der Ausbildung“, sagt er.
Ostfriesenmanier: Nach dem Studium geht‘s zurück nach Visquard
Jetzt wolle er sich erst mal auf den anstehenden Wettbewerb in Nienburg konzentrieren. Dafür werde er noch ein bisschen mit seinen Lehrern von der Berufsschule üben. Zum Wettbewerb gehören verschiedene Prüfungen, auf die Smit sich vorbereiten muss. Tierbeurteilungen zum Beispiel. „Das kann man sich vorstellen wie einen Schönheitswettbewerb von Kühen“, so Smit. „Man muss genau hinschauen: Wie groß ist die Kuh, wie tief ist die Kuh, wie sieht das Euter aus? Wie viele Adern hat das Euter, also wie gut ist es durchblutet?“ Viele Aspekte, auf die man sich vorbereiten muss. Doch Smit ist guter Dinge.
Mit seiner Ausbildung ist er schon fast fertig. „Am 4. Juni habe ich meine schriftliche Abschlussprüfung“, sagt er. Kurz darauf folge auch noch eine mündliche Prüfung. Dann ist er erst mal durch mit dem Lernen. Oder doch nicht? „Ich möchte danach gerne studieren, in Osnabrück“, sagt Smit. Und wie es sich für einen echten Ostfriesen gehört, möchte er nach seinem Studium zurück nach Visquard kommen, den Familienhof übernehmen.