Borkum und Ditzum  Was tun gegen das Fahrradchaos am Strand und im Fischerdorf?

| | 23.04.2025 12:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Sommer wurde es nah des Strandes auf Borkum auch mal eng durch die vielen Fahrräder, die dort abgestellt worden sind. Foto: Ferber/Archiv
Im Sommer wurde es nah des Strandes auf Borkum auch mal eng durch die vielen Fahrräder, die dort abgestellt worden sind. Foto: Ferber/Archiv
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Wo Touristen sind, sind Fahrräder. So gehen Borkum und Ditzum mit den Drahteseln um, wenn sie wild abgestellt werden.

Ditzum/Borkum - Steigen die Temperaturen, tut das auch die Anzahl der Fahrräder am Südstrand auf Borkum. Lange hatte man mit einem regelrechten Chaos zu kämpfen. Am Aufgang Randzelstraße standen die Räder – die Abstellmöglichkeiten reichten nicht aus. Seine Beobachtungen diesbezüglich hatten einen gebürtigen Borkumer, der heute in Aurich lebt, im Sommer 2024 zu einer Mail an diese Zeitung veranlasst. Darin wies er darauf hin, dass Fahrräder auf Gehsteigen geparkt würden, Rollstuhlfahrer und Nutzer von Rollatoren gezwungen seien, auf die Straßen auszuweichen. „Der Missstand ist, dass selbst die beiden Behindertenparkplätze von Fahrrädern (in der Regel Leihfahrräder von Touristen) blockiert werden“, hieß es in der Mail.

So sollte es nicht sein: Fahrräder blockierten im Sommer einen Behindertenparkplatz. Foto: Ferber/Archiv
So sollte es nicht sein: Fahrräder blockierten im Sommer einen Behindertenparkplatz. Foto: Ferber/Archiv

Nun will die Stadtverwaltung Abhilfe schaffen – mit einer Erweiterung der Fahrradabstellanlagen auf dem Parkplatz am Südstrand. Dafür gab es im März einstimmig grünes Licht vom Ausschuss für Verkehr, Umwelt-, Feuer- und Katastrophenschutz. Auch in der Beschlussvorlage zur Sitzung wird auf die steigenden Besucherzahlen am Südstrand – Hintergrund sind die dynamischen Veränderungen am Hauptstrand (Sandbank etc.) – hingewiesen – sowie auf die Notwendigkeit, die Infrastruktur für den Fahrradverkehr vor Ort auszubauen.

Touristen auf Borkum ansprechen? Hinweiszettel haben keinen Effekt

Bisher habe das unzureichende Stellplatzangebot „zu chaotischem Parkverhalten (geführt), wodurch wichtige Wege, wie zum Beispiel Rettungswege, blockiert werden“. Räder würden „wild“ abgestellt, „mit dem Gedanken, so nah wie möglich ans Ziel zu kommen“, ergänzte Eike Müller, Leiter der städtischen Ordnungs- und Sozialabteilung, im Ausschuss. Man habe in der Vergangenheit zwar Hinweiszettel an Fahrrädern verteilt, mit der Bitte, diese beim nächsten Besuch nicht dort, sondern woanders abzustellen. Aber die Arbeit habe kaum Wirkung gezeigt, ließ Müller durchblicken.

Auf dem Gehweg werden Fahrräder nah des Strandes mitunter zu Hindernissen. Foto: Ferber/Archiv
Auf dem Gehweg werden Fahrräder nah des Strandes mitunter zu Hindernissen. Foto: Ferber/Archiv

Mehr Stellplätze – so teuer wird es für die Insel

Mehr bringen soll nun eine Umgestaltung des Parkplatzes an der Randzelstraße/Abzweig Greune-Stee-Weg. Auf der Fläche sollen perspektivisch hochwertige Abstellanlagen mit einer Kapazität für weitere 240 Fahrräder installiert werden. Es gehe darum, „den ganzen Bereich zu moderieren, zu lenken“, erklärte Müller. Fahrzeuge dürfen vor Ort dann nur noch straßenseitig auf den Schwerbehindertenparkplätzen (bisher zwei, künftig fünf) und den vier Parkplätzen für die Gewerbetreibenden am Südstrand abgestellt werden. Letzteres sei mit den Akteuren so abgesprochen worden, berichtete Müller von einem gemeinsamen Austausch.

Die Kosten für die Erweiterung des Parkplatzes, Zaun und Personalkosten liegen insgesamt bei 10.000 Euro. Dazu kommen rund 9.500 Euro für die Anschaffung von 100 Fahrradabstellanlagen – Platz wäre für insgesamt 240.

Nicht nur auf Borkum gibt es viele Räder – So ist die Lage im Fischerdorf Ditzum

Eine Radtour am Deich in Jemgum ist beliebt. Foto: Gettkowski/Archiv
Eine Radtour am Deich in Jemgum ist beliebt. Foto: Gettkowski/Archiv
Beliebt bei Radtouristen ist auch das Festland in Ostfriesland. Das Rheiderland lockt zahlreiche Fahrradurlauber an, insbesondere wegen der Internationalen Dollart Route. In der Saison von April bis Oktober hat das Zählgerät 2024 in Soltborg 70.998 (Vorjahr 82.224) Radfahrer registriert. Wichtiger Bestandteil der Internationalen Dollart Route ist das Fahrgastschiff „MS Dollard“, das am 1. Mai in die Saison starten wird. Die Saison 2024 ist noch besser gelaufen als im Rekordjahr 2022. Im vergangenen Jahr fuhren auf der Linie zwischen Emden, Ditzum und Delfzijl 4612 Fahrgäste und 2960 Fahrräder mit.

Auch in Ditzum säumen E-Bikes und Fahrräder während der Saison teilweise die Straßen. Aber: „So immense Probleme wie auf Borkum haben wir in Ditzum nicht. Es gibt zwar hin und wieder mal einen Hinweis von Gastronomen, dass gerade Gruppen ihre Fahrräder ungünstig abstellen. Jedoch mussten wir ordnungsrechtlich bisher nie eingreifen“, erklärt Bürgermeister Hans-Peter Heikens. Dennoch wolle man das Angebot für Fahrradabstellplätze erweitern. „Dies planen wir im Rahmen des Siels beziehungsweise an der Ecke Sielstraße/Hermann-Tempel-Platz.“

Viele Radfahrer nehmen die Fähre vom Ditzumer Hafen aus. Foto: Wolters/Archiv
Viele Radfahrer nehmen die Fähre vom Ditzumer Hafen aus. Foto: Wolters/Archiv

Noch mehr für Radfahrer geplant – Radeln am Deich entlang

Das soll aber nicht alles sein: „Ohnehin haben wir in diesem Jahr einiges geplant, um das Angebot für Fahrradtouristen und Einheimische deutlich zu verbessern.“ Nach mehreren Versuchen konnte sich die Gemeinde Jemgum Fördermittel zum Ausbau der sogenannten D-Route 1 – dem Nordküstenradweg – zwischen Soltborg und Ditzum sichern. mit einem Investitionsvolumen von rund 430.000 Euro sei eben einmal auch ein größerer Fahrradabstellplatz mit Lademöglichkeiten für E-Bikes im Ortskern von Ditzum vorgesehen, so Heikens. Rund 388.000 Euro würden dabei aus Bundesmitteln gefördert.

Für Radfahrende ist der Hafen in Ditzum ein attraktives Ziel. Weiter geht es oft mit der Fähre. Foto: Wolters/Archiv
Für Radfahrende ist der Hafen in Ditzum ein attraktives Ziel. Weiter geht es oft mit der Fähre. Foto: Wolters/Archiv

Der Nordküstenradweg umfasst den Emsradweg, die Internationale Dollard-Route, die Dortmund-Ems-Kanal-Radroute und den Kreuzfahrtweg, wie Heikens mitteilt. Die Radroute führe weitestgehend auf den Deichverteidigungswegen entlang. „Im Rahmen des Projektes sollen auf einer Strecke von rund 15 Kilometern unter anderem auch die Viehsperren vollständig erneuert werden.“ Außerdem seien zwei Radrastplätze geplant.

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