Tag der Pressefreiheit Bedrohte Unabhängigkeit in Ostfriesland
Am 3. Mai steht die Pressefreiheit im Fokus – auch in Ostfriesland. Warum Angriffe auf unabhängigen Journalismus oft unerkannt bleiben und was das für Reporter vor Ort bedeutet.
Der 3. Mai ist der Tag der Pressefreiheit. Vermutlich verliere ich an dieser Stelle schon die Hälfte meiner Leserinnen und Leser, weil sie vermutlich andere Sorgen haben, als sich um die Pressefreiheit zu kümmern. Ich möchte Sie dennoch bitten, sich die Zeit zu nehmen, diesen Text zu Ende zu lesen. Unter anderem, weil ich Ihnen am Ende ein kleines Geschenk mache.
Wir haben Meinungsfreiheit, jeder Mensch kann so ziemlich alles sagen, was er möchte. Wer von Angriffen auf die Pressefreiheit hört, der denkt an Nordkorea oder Afghanistan... aber doch nicht an Deutschland, oder gar an Ostfriesland.
Zur Person
Lars Reckermann (55) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General Anzeigers Rhauderfehn und der Borkumer Zeitung. Seit 2016 lebt der gebürtige Westfale in Norddeutschland. Er plaudert gerne mit Menschen aus Ostfriesland. Deshalb hat er den Podcast „Ein Glas mit Lars“ ins Leben gerufen.
Für mich beginnt der Angriff auf die Pressefreiheit viel früher. Wenn etwa Politikerinnen und -politiker betonen, sie bräuchten die Presse nicht mehr, um ihre Botschaften unters Wahlvolk zu bringen. Wenn Bürgermeister ihre Ratsmitglieder darauf hinweisen, sich lieber nicht mit der Presse zu unterhalten. Wenn Interessengruppen Journalisten mit massenweisen Abbestellungen drohen, wenn die Berichterstattung nicht in die Richtung geht, die sie für richtig halten. Dieser „Angriff“ auf die Pressefreiheit kommt von links, von rechts, aus der Mitte. Eine Kollegin von mir wurde vor mehr als einem Jahr von einem Mann angegriffen. Sie war monatelang krank. Wir haben den Fall öffentlich gemacht. Es gab keinerlei Reaktionen. Kein Bedauern, kein Entsetzen.
Fotos eines Kollegen von mir kursieren in einschlägigen Foren mit dem Hinweis: „...falls man mal ein Interview möchte.“ Das alles sind Angriffe auf die Pressefreiheit. Hier in Ostfriesland.
Journalismus kostet Geld. Wir brauchen Leserinnen und Leser, denen unsere Arbeit etwas wert ist. Trotzdem wollen wir den Tag der Pressefreiheit zum Tag der Lesefreiheit machen. Am 3. und 4. Mai 2025 sind alle unsere Texte online kostenlos zu lesen. Wir hoffen natürlich, dass die Menschen, die uns kennen und schätzen, diesen Hinweis an möglichst viele Nicht-Leserinnen und -Leser weitergeben. Unabhängiger Journalismus ist wichtig. Pressefreiheit ist wichtig. Danke, dass Sie uns lesen.