Ausprobiert Emden neu entdeckt – mit dem Smartphone
Wer auf eigene Faust eine Stadtführung unternehmen möchte, kann das mithilfe eines neuen digitalen Guides, den „Entdeckerpfaden“. Wir haben einen der Pfade durch Emden ausprobiert.
Emden - Mit dem Smartphone vor der eigenen Haustür oder am Urlaubsort auf Entdeckungsreise gehen: Das wollen die Geologin Dr. Carolin Huppertz und die Pädagogin Tanja Huppertz aus Dörverden (Landkreis Verden) mit ihrer digitalen Plattform Stadt-Land-Erleben ermöglichen. Sie haben rund 150 digitale „Entdeckerpfade“ entwickelt, darunter zwei für Emden. Jede Tour besteht aus einem Rundweg mit Navigation. Neben ortsbezogenen Infos und Fotos gibt es Grafiken, Karten, Videos und interaktive Elemente. Das Projekt finanziert sich vorwiegend durch Spenden und Fördergelder.
Entdeckerpfad 1 wandelt auf den Spuren der Emder Stadtgeschichte. Auf der 5,6 Kilometer langen Tour mit 18 Stationen geht es um die Lebenswelt des Mittelalters, um Stadt- und Kirchengeschichte, jüdisches Leben sowie Architektur und Baukultur. Entdeckerpfad 2 begibt sich auf die Spuren der Moderne. An 14 Stationen geht es um Architektur und Stadtgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Unsere Praktikantin Carla Ludwigs hat sich ihr Smartphone geschnappt und Entdeckerpfad 1 ausprobiert.
Aha-Erlebnis an der Kesselschleuse
Der Pfad beginnt am Emder Rathaus, das für mich neben dem Hafen und dem Wasserturm das Hauptmerkmal der Stadt ist. Ich bin nämlich gebürtige Emderin. Das Rathaus ist sehr eindrucksvoll und sticht einem direkt ins Auge. Auf dem hohen Turm stehen Leute und blicken über die Stadt, da man vom Landesmuseum aus, das sich direkt hinter dem Rathaus befindet, auch auf den Turm kann. Dort war ich auch schon mal und der Ausblick ist wirklich toll.
Als Nächstes führt mich der Entdeckerpfad durch die Altstadt, die mir zwar nicht neu ist, aber ich finde generell Altstädte sehr schön. Weiter geht es für mich am Kanal entlang und durch Groß- und Klein-Faldern, zwei sehr kleine Stadtteile, die ich persönlich auch noch nicht so gut kenne. Außerdem komme ich zur Kesselschleuse, an der ich schon öfter war. Jedoch war mir nicht bewusst, wie alt diese ist und wie bedeutend sie früher für die Wirtschaft in Emden war. Dort befindet sich nämlich, wie auch an vielen anderen Stationen des Pfades, eine Tafel, auf der Infos zu den einzelnen Denkmälern nachgelesen werden können. Für mich ist sie eher ein beliebter Treffpunkt, auch für jüngere Leute. Auch während ich auf dem Entdeckerpfad dort unterwegs bin, laufen viele Spaziergänger am Kanal entlang oder fahren Fahrrad.
Nichts von jüdischer Gemeinde gewusst
Danach führt mich der Pfad zu Denkmälern, wie zum Beispiel den alten Bürgerhäusern oder einem Denkmal für eine jüdische Synagoge. Beide Stationen überraschen mich sehr, da ich bestimmt schon hundertmal an ihnen vorbeigelaufen bin, ohne bemerkt zu haben, dass es alte Denkmäler sind. Ich wusste allgemein nichts über die jüdische Geschichte von Emden, geschweige denn, dass es eine ganze jüdische Gemeinde mit einer eigenen Synagoge gab. Deshalb berührt es mich umso mehr, dass diese 1938 von den Nationalsozialisten durch Brandstiftung zerstört wurde. Als Denkmal oder als Ort der Trauer ist sie heute jedoch nicht mehr zu erkennen. Das Denkmal ist klein und eher schlicht gehalten.
Weiter geht es über den Wall, der ebenfalls zum Spazieren oder Fahrradfahren geeignet ist. Der Weg ist an den Rändern sehr dicht bewachsen. Die durchscheinende Sonne verleiht ihm ein schönes Flair. Der Weg zurück in das Stadtzentrum danach ist nicht ganz so schön, da er an der Neutorstraße entlangführt, die ziemlich dicht befahren und sehr laut ist.
Auf dem Neuen Markt ist immer was los
Es geht zur Martin-Luther-Kirche, die sehr groß und pompös ist, dann weiter zum Neuen Markt. Da ist immer was los, egal, ob gerade Wochenmarkt ist oder nicht. Der Platz ist umgeben von vielen Geschäften und Restaurants und manche Außenbereiche der Restaurants reichen weit hinaus, sodass die Leute quasi mitten auf dem Platz sitzen. Viele Tauben sind dort unterwegs und auch viele Fahrradfahrer bahnen sich ihren Weg durch die Fußgänger.
Dann geht es weiter zum Burgplatz, einem Stadtpark. Durch ihn führt eine Art Labyrinth von kleinen Wegen und in der Mitte bilden diese einen Kreis, auf dem Bänke stehen. Vor allem im Sommer halten sich dort viele Leute auf, da es dort durch die vielen hohen Bäume besonders schattig ist. Ich finde es dort ziemlich idyllisch und habe erst durch den Infotext des Entdeckerpfades erfahren, dass hier vor langer Zeit eine Burg stand.
Auf der Suche nach der Emsmauer
Weiter geht es zu einem Rest der ehemaligen Emsmauer, die ich zuerst nicht finden konnte, da sie so unscheinbar aussieht und mit Graffiti besprüht ist. Von dort aus komme ich zur Großen Kirche, welche mir eher unter dem Namen „Johannes-a-Lasco-Bibliothek“ bekannt ist.
Schließlich führt mich der Entdeckerpfad zu den Pelzerhäusern. Die kenne ich gar nicht. Sie sehen für mich sehr verlassen aus, aber die Architektur gefällt mir, und anscheinend gibt es sogar ein Kulturcafé in einem der Häuser. Zum Schluss der Tour gehe ich zum Hafentor, das ein sehr schönes Symbol der Stadt ist. Dort lassen sich viele Touristen fotografieren.
Viel Neues über die Heimatstadt erfahren
Mein Fazit: Ich kannte zwar vieles schon, jedoch habe ich auch viel Neues über die Hintergründe und die Geschichte dahinter gelernt, über die ich mir zuvor nie Gedanken gemacht habe. Vor allem viele Denkmäler waren mir vorher gar nicht aufgefallen. An den Entdeckerpfaden gefällt mir, dass ich einfach los und in meinem eigenen Tempo gehen kann. Außerdem ist die Navigation sehr simpel und auch die Informationen über die einzelnen Stationen sind direkt auf der Plattform nachzulesen. Ich finde, es ist eine gute Idee – sowohl für Touristen, die unabhängig die Stadt erkunden und kennenlernen wollen, als auch für Einheimische wie mich, die so vielleicht noch mehr über die Geschichte der Stadt erfahren.