In Emden verboten  Die Verschenkekiste – gut gemeint oder einfach nur Müll?

| | 14.05.2025 18:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Gut gemeint? Diese Kartons mit abgetragenen Turnschuhen und Co. standen tagelang vor einem Haus am Neuen Markt. Fotos: Stephanie Schuurman
Gut gemeint? Diese Kartons mit abgetragenen Turnschuhen und Co. standen tagelang vor einem Haus am Neuen Markt. Fotos: Stephanie Schuurman
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Da steht ein Karton mit ausrangierten Dingen, dazu auf einem Zettel: „zu verschenken“. Die Stadt Emden drückt bei dieser illegalen Entsorgung ein Auge zu und gibt Tipps.

Emden - Immer wieder sieht man in Emden vor Haustüren auf dem Gehweg oder am Straßenrand Kisten, Kartons und einzelne Gegenstände mit dem Hinweis: „Zu verschenken – gerne mitnehmen“. Oft handelt es sich dabei um gut gemeinte Versuche, nicht mehr benötigte Dinge wie Kleidung, Hausrat oder Bücher weiterzugeben. Vielfach, wie beispielsweise auf dem Neuen Markt, hält sich dieser Nachhaltigkeitsgedanke angesichts der zu verschenkenden „Kostbarkeiten“ aber auch sehr in Grenzen. Oder wer will denn wirklich ausgelatschte Turnschuhe weitertragen?

Zwei Kartons voller Aussortiertem von unbekannt: Irgendwann sind sie wieder verschwunden.
Zwei Kartons voller Aussortiertem von unbekannt: Irgendwann sind sie wieder verschwunden.

Diese und ähnliche Fragen haben wir auch an die Stadt Emden gestellt, die oft das Wegräumen des Verschenke-Mülls veranlassen muss. Die Kosten dafür zahlen letztlich alle. Und was viele nicht wissen: Das Abstellen solcher Gegenstände im öffentlichen Raum ist grundsätzlich nicht erlaubt, auch wenn die Absicht dahinter gut ist, teilt Stadtsprecher Eduard Dinkela mit.

Warum ist das problematisch?

Gegenstände, die auf Gehwegen oder Plätzen abgestellt werden, gelten schnell als unerlaubte Nutzung öffentlichen Raums, erläutert der Fachdienstleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung, Martin Wegbünder. Insbesondere wenn sie über längere Zeit stehen bleiben oder sich niemand für sie interessiert, könne das zu Sicherheitsrisiken, Behinderungen oder einer zunehmenden Vermüllung führen.

Was tut die Stadt?

Die Stadt Emden setzt hier auf „Verhältnismäßigkeit und Augenmaß“. Grundsätzlich werde solchen Fällen nicht automatisch nachgegangen, da „der gute Wille der Verschenkenden durchaus gesehen wird“. Ein Einschreiten erfolge in der Regel nur dann, wenn der öffentliche Raum übermäßig beansprucht wird, ersichtlich sei, dass die Gegenstände liegen bleiben und damit zur Müllproblematik beitragen, oder eine konkrete Gefahr für andere Verkehrsteilnehmende ausgeht.

Das bedeutet, dass aussortierte Teller aus dem Küchenschrank, die Vase oder ein schöner Stuhl vielleicht wirklich noch Abnehmer finden können. Wer aber völlig ausgekuschelte Stofftiere im Karton auf den Gehweg stellt, sollte sie besser gleich in den Müll werfen. Anderenfalls könnten für diese illegale Müllentsorgung sogar Bußgelder anfallen.

Was rät die Stadt?

Wer Dinge weitergeben möchte, kann auf eine Reihe von alternativen und erlaubten Möglichkeiten zurückgreifen: Sozialkaufhäuser oder gemeinnützige Organisationen in Emden (z.B. DRK, Diakonie), auf Online-Plattformen wie nebenan.de oder eBay Kleinanzeigen („zu verschenken“), oder auf Flohmärkte, Tauschbörsen oder Nachbarschaftsinitiativen. Auch Repair-Cafés gibt es, die sich über gut erhaltene Haushaltsgegenstände freuen. „Diese Wege sind meist zielgerichteter und nachhaltiger, um Dingen ein zweites Leben zu geben“, so der Stadtsprecher.

Zugegriffen hat hier niemand: Verschenkemüll, entsorgt voraussichtlich vom BEE.
Zugegriffen hat hier niemand: Verschenkemüll, entsorgt voraussichtlich vom BEE.

Spätestens dort wird auch deutlich werden, was noch von anderen gebraucht werden kann und was eben nicht. Ähnlich verhält es sich auch bei der Altkleidersammlung. In anonymen Altkleidercontainern landet manches absolut abgetragene Kleidungsstück genauso wie Dinge, die in einer Verschenke-Kiste an der Straße „entsorgt“ werden. Dagegen kann es auch Freude machen, Kleidungsstücke oder Dinge in sozialen Kaufhäusern wie dem „Lüttje Knippke“ abzugeben und ein persönliches Feedback zu bekommen, dass andere an den Teilen ihre Freude haben werden.

Grundsätzlich begrüßt die Stadt Emden also das Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger, Dinge weiterzugeben statt wegzuwerfen. „Gleichzeitig bitten wir darum, bei der Auswahl des Ortes darauf zu achten, dass der öffentliche Raum nicht unbeaufsichtigt oder dauerhaft als Abstellfläche genutzt wird“, erklärt Wegbünder. „Bei Fragen oder Unsicherheiten helfen die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung gerne weiter.“

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