Emder Peter Kurzak ausgezeichnet Bundesverdienstkreuz direkt am Beckenrand
Seit über 30 Jahren hält Peter Kurzak das Emder Van-Ameren-Bad am Laufen. Jetzt bekam er höchste Ehren - und sein Team gleich mit.
Emden - Als Peter Kurzak neulich morgens um 6 Uhr früh Zeitung und Post aus dem Briefkasten holte, hielt er den Brief aus der Staatskanzlei in Hannover noch für einen Scherz. „Ich dachte, es sei Fake“, sagt der langjährige, ehrenamtliche Technik-Chef a. D. des Emder Van-Ameren-Bads. „Ich war doch sehr überrascht und habe vorsichtshalber erst mal meine Kollegen gefragt.“
Dabei ist die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gar keine so außergewöhnliche Sache in der Familie Kurzak. Sein Großvater erhielt diese Auszeichnung 1961 für seine postgeschichtliche Forschung. Peter Kurzaks Vater bekam das Verdienstkreuz 1973 für sein Engagement in der Marine. Und 2025 also bekommt Sohn Peter mit seinen 81 Jahren das hohe Abzeichen für besondere Verdienste.
Norddeutsche Bescheidenheit
Angesichts dieser Familiengeschichte muss sich die nachfolgende Generation noch anstrengen, wie Peter Kurzak dann am Freitagmittag, dem 16. Mai 2025, leicht herausfordernd bei der Verleihungsfeier direkt im Van-Ameren-Bad vor bestimmt 150 Helfern und Gästen und seiner Familie sagte. Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos), der den höchsten zivilen Orden der Bundesrepublik stellvertretend für den Bundespräsidenten übergeben durfte, weiß, dass für viele so eine Auszeichnung und das norddeutsche Understatement irgendwie nicht zusammenpassen. „Aber ich kenne nur wenige, die den Orden so verdient haben wie Du“, sagte Kruithoff an Kurzak gerichtet.
Welche Gründe dafür sprechen, das weiß eigentlich jeder, der in irgendeiner Weise einmal mit dem Bürgerbad an der Kesselschleuse zu tun hatte. Auch wenn Peter Kurzak sein Engagement eher im Stillen betreibt, ist klar, was das Bad ihm verdankt. Peter Kurzak gehört quasi zu den Männern und Frauen der ersten Stunde, die vor mehr als 30 Jahren für den Erhalt des damals kommunalen Freibades an der Kesselschleuse kämpften, sich zu einem Förderverein zusammenschlossen und das Bad von der Stadt übernahmen.
Eigentlich von Anfang an dabei
Auch wenn er kein offizielles Gründungsmitglied ist, wie er betont, nur wenige Monate nach der Gründung des Van-Ameren-Bürgerbads hatte er einen der wichtigsten Posten am Hals, die Leitung der Technik-Abteilung. „Es bleibt der mit wichtigste Job bis heute“, sagt Kurzak, „ohne die anderen läuft aber auch nichts“.
Im Frühjahr 2023 hatte Kurzak zwar den Chefposten an seinen Nachfolger Friedhelm Jakobs abgegeben - übrigens arbeitete er ihn vorher selbst gründlich ein - aber dennoch hat er den Posten nie ganz losgelassen. Zum Glück, möchte man meinen. Denn so begleitete Kurzak den Wiederaufbau des bei dem verheerenden Brand vom 11. Juli 2023 fast vollständig zerstörten Hauptgebäudes des Bades mit allen Kräften. Peter Kurzak könne nicht ohne das Bad und das Bad nicht ohne hin, heißt es im Förderverein.
Technik anfangs völlig vergessen
Die Auszeichnung hätte er sich aber sicher auch schon vorher verdient. Als nämlich 1994 die allererste Bad-Saison unter Führung des Fördervereins losgehen sollte, hatte man schlicht die anstehenden, technischen Aufgaben vergessen, die zum Badbetrieb einfach dazugehören. Die Stadt wollte das Bad schließlich in einwandfreiem technischen Zustand übergeben. Es kam aber anders. Das Wasser versickerte, Verbrauch und Kosten waren astronomisch hoch. Das Becken musste neu betoniert und mit Folie ausgekleidet werden. Dieses Projekt schloss Peter Kurzak 1995 ab. Viele weitere Projekte sollten folgen.
2019 beispielsweise, als er quasi zum zweiten Mal eine grundlegende Erneuerung des Beckens angeschoben hat, die unter seiner Regie 2023 erfolgreich abgeschlossen wurde. Die erste Folienabdichtung hatte nach 28 Jahren ausgedient – ganz im Gegenteil zu Peter Kurzak, der immer weitermacht.
Sein ernsthafter Hintergrund
Und das hat auch einen besonderen Grund. Peter Kurzak wohnt in unmittelbarer Nähe zum Bad. In den Ferien schwimmt seine Tochter Monika dort täglich eine Stunde lang, wenn sie bei ihm ist. Monika Kurzak hat das Down-Syndrom. „Schwimmen, das kann sie noch“, sagt Kurzak. „Und das ist mein sehr ernsthafter Hintergrund dafür, dass ich mich hier weiter engagiere.“
Anfangs hatte Peter Kurzak „überhaupt keine Ahnung von Schwimmbädern“, sagt er. In seinem Ingenieurberuf bis zum Ruhestand war er für die Instandhaltung sowie den Bau von Gebäuden und Straßen der ehemaligen Nordseewerke in Emden verantwortlich. Im Laufe der Zeit fuchste er sich immer tiefer in die Materie und das Innenleben des Freibades ein. Heute kennt er das Innere des Bades wohl so gut wie kein anderer oder keine andere.
Noch bestimmt 20 Jahre
Der Leitgedanke von Peter Kurzak war immer, „die vorhandene Technik so lange wie möglich zu erhalten und keine Experimente zu wagen“. Zudem achtete er stets darauf, dass der Verein Rücklagen für notwendige Reparaturen bildete. „Heute gibt es ganz andere Anforderungen an moderne Bäder, die der Verein finanziell gar nicht stemmen kann“, sagt Peter Kurzak. Gleichwohl sagt er dem Bad noch eine lange Zukunft voraus: „Die nächsten 20 Jahren werden wir es schaffen.“
Bei allen anstehenden Aufgaben kann und konnte er sich immer auf die vielen Helfer der Mittwochsgruppe verlassen, der er auch vorsteht. „Es macht so viel Spaß mit den Leuten hier“, sagt er. Über die Auszeichnung freut er sich im Übrigen riesig, wie er sagt. „Aber nur wir alle zusammen haben sie verdient.“ Und so ist es auch zu erklären, warum die Übergabe des Bundesverdienstkreuzes nicht, wie üblich, im Rummel des Emder Ratshauses stattfand. „Die Entscheidung lag bei mir“, sagt Peter Kurzak. „Und da das Bad der Anlass ist, gehört es auch hierher.“
Die Bedeutung der vielen Helfer stellte auch der Vorsitzende des Bürgerbads, Heiko Müller, bei der Verleihung des Ordens heraus. „Ohne Team geht nichts, da hat Peter recht, aber Peter geht voran.“ Der Geehrte konterte, wie man ihn kennt: „Und das bleibt auch so!“