Emdener statt Emder  Peinlicher Fehler auf Bierfest-Plakat

| | 12.06.2025 15:31 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit diesen Plakaten wird aktuell an vielen Orten in der Stadt auf das Bierfest hingewiesen, hier an der Auricher Straße. Foto: Stephanie Tomé
Mit diesen Plakaten wird aktuell an vielen Orten in der Stadt auf das Bierfest hingewiesen, hier an der Auricher Straße. Foto: Stephanie Tomé
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Ein Plakat zum Bierfest nennt die Emder „Emdener“ – das sorgt in der Stadt für Unmut. Warum ist die richtige Bezeichnung so wichtig und wie kam es zu dem Fehler?

Emden - Es gibt Dinge, über die in Emden nicht gerne diskutiert wird: etwa darüber, welche Teesorte in die Kanne gehört oder ob Matjes besser schmeckt als Sushi. Ganz besonders wichtig ist aber: Es heißt Emder und nicht „Emdener“. Manchmal reichen wenige Buchstaben mehr, um eine Stadt in Aufruhr zu versetzen.

Im aktuellen Fall stehen sie prominent auf einem Plakat an verschiedenen Standorten in der Stadt zum bevorstehenden Bierfest, das aus den Emdern „Emdener“ macht. Für Außenstehende mag das vielleicht nur ein harmloser Druckfehler sein. Doch echte Emder sehen das anders: Die überflüssigen Buchstaben provozieren lokalen Unmut oder zumindest ein verständnisloses Kopfschütteln.

Das Plakat mit der falschen Bezeichnung wurde an rund 200 Stellen in der Stadt und im Umland aufgehängt. Foto: Stephanie Tomé
Das Plakat mit der falschen Bezeichnung wurde an rund 200 Stellen in der Stadt und im Umland aufgehängt. Foto: Stephanie Tomé

Etwa nur ein Marketinggag?

Die besonderen Emder Befindlichkeiten sind inzwischen auch zum Veranstalter durchgedrungen. Von einem Marketinggag könne nicht die Rede sein, heißt es. Der Veranstalter gibt zu: „Wir wussten es einfach nicht besser“, sagt Kirstin Jordan von der GiG Linden GmbH. Der Veranstalter aus Hannover kommt vom 20. bis 22. Juni mit dem Bierfest zum ersten Mal in die Stadt. Die Besucher erwartet ein dreitägiges Fest rund um das Thema Braukunst. Etwa 100 verschiedene Sorten aus der ganzen Welt gibt es zum Probieren. Etwa doppelt so viele Plakate mit der falschen Ortsbezeichnung sind in den letzten Tagen in Emden und im Umland aufgehängt worden.

Die Reaktionen auf den Fehler ließen nicht lange auf sich warten. In den sozialen Medien wird deutlich, wie wichtig den Emdern die richtige Ansprache ist: „Verdammt, wir sind Emder, nicht Emdener. Da klappen sich mir die Fußnägel hoch“, schreibt ein Einheimischer. „Einfach nur peinlich“, finden es viele andere. „Der Drucker wohnt vielleicht in Aschendorf in der Emdener Straße“, scherzt ein anderer.

Über die Stadtgrenzen hinaus eher unbekannt

Ein Blick ins Umland zeigt: Die richtige Bezeichnung der Emder ist in anderen Landstrichen schlichtweg unbekannt. Außerhalb Ostfrieslands ist der Weg nicht weit zum nächsten Beispiel, denn gleich hinter der Grenze gibt es in Aschendorf tatsächlich die Emdener Straße. Ebenso in Bielefeld, Münster, Kassel, Köln oder in Hameln. Prominentestes Beispiel ist wohl Berlin. Dort wurde die Emdener Straße im Stadtteil Moabit 2013 vom Netzwerk Nachbarschaft sogar zur „schönsten Straße Deutschlands“ gewählt.

Im Übrigen ist Emden mit dem Problem der falschen Benennung nicht alleine. So achten beispielsweise auch die Hannoveraner penibel darauf, dass die Hannoversche Straße keine Hannoveraner Straße ist – im Emsland gibt es trotzdem eine. Aurich und Bremen machen vor, wie es besser geht: Sie haben Emder Straßen.

Werden die Plakate nun ausgetauscht?

Fehler wie diese lassen sich nicht einfach korrigieren, zumindest nicht, wenn es sich um Straßennamen handelt. Zu hoch wären Kosten und Aufwand einer Umbenennung, so dass Städte und Kommunen es lieber bei dem Fauxpas belassen. So müssten nicht etwa nur Straßenschilder ausgetauscht werden. Behörden und andere Institutionen müssten ihre Datenbestände aufwändig anpassen. Außerdem hätte eine Umbenennung auch für die betroffenen Anlieger Auswirkungen, selbst wenn die Hausnummer gleich bleibt. Personalausweise und die Kfz-Papiere müssten geändert werden. Aber auch Versicherungen, Banken, Vereine und sonstige Kontakte wollen darüber informiert werden.

Im Fall des „Emdener“ Bierfests spielen Dinge wie diese keine Rolle. Online lässt sich der Fehler schnell ausbessern. Allerdings schafft es der Veranstalter so kurzfristig nicht mehr, neue Plakate zu drucken und zu verteilen. Die Emder müssen in diesem Fall wohl einfach damit leben. „Ich glaube, wir werden es überleben“, schreibt dazu ein Emder auf Facebook. Im nächsten Jahr soll es jedoch ein Emder Bierfest geben, versichert Kirstin Jordan.

Online hat der Veranstalter den Fehler inzwischen korrigiert. Foto: Stephanie Tomé
Online hat der Veranstalter den Fehler inzwischen korrigiert. Foto: Stephanie Tomé

Laut Duden sind beide Varianten richtig

Genau genommen ist dem Veranstalter außer einer Unkenntnis über lokale Besonderheiten auch gar nichts weiter vorzuwerfen. Denn im Duden sind tatsächlich beide Bezeichnungen eingetragen: Em|der und Em|den|er.

Doch die Stadt selbst legt hier eigene Regeln fest. „Bezüglich der Schreibweise und Aussprache legen wir Emder und Emderinnen schon sehr viel Wert auf die korrekte Bezeichnung“, erklärt dazu Stadtsprecher Eduard Dinkela. Die Erfahrung zeige: Ein freundlicher Hinweis genügt bei auswärtigen Gästen meistens. „Emdener geht eben nicht und ist aus unserer Sicht auch falsch.“

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