Grabungen in der Altstadt Archäologen finden Spuren der Leeraner Geschichte
Bald soll an der Onno-Klopp-Straße in der Leeraner Altstadt ein Neubau entstehen. Vorher durften Archäologen den Boden unter die Lupe nehmen – mit Erfolg.
Leer - An der Onno-Klopp-Straße sind die Archäologen der Ostfriesischen Landschaft der Leeraner Geschichte auf der Spur. Seit Anfang April begleiten sie dort ein Bauprojekt. Die Capital Real Projekt GmbH & Co. KG aus Oldenburg wird dort einen Neubau mit 14 Eigentumswohnungen errichten. Nach dem bald anstehenden Abschluss der Erdarbeiten soll der Hochbau beginnen. Im kommenden Jahr soll das Gebäude fertig sein. Die Wohneinheiten sind zwischen 105 und 145 Quadratmeter groß.
„Gefunden wurden bislang Gruben mit mittelalterlicher Keramik sowie ein längliches Loch“, hatte Landschafts-Sprecher Sebastian Schatz Ende Mai mitgeteilt. Jetzt sind die die Erdarbeiten – und damit auch die archäologische Begleitung – so gut wie abgeschlossen. Zu einer umfangreichen Auswertung ist die verantwortliche Archäologin zwar noch nicht gekommen. „Das wird vermutlich erst mit dem Erscheinen des nächsten Emder Jahrbuchs soweit sein“, so Schatz.
Spuren von Gebäuden aus dem 14. Jahrhundert
Allerdings seien auf dem Areal rund 30 Befunde entdeckt worden. „Mit Befunden sind menschliche Eingriffe in den Boden gemeint“, erläutert der Sprecher. Hier seien es Pfosten und Gruben gewesen. „Diese Pfosten deuten auf ein Nebengebäude sowie ein Hauptgebäude aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts hin“, so Schatz. Zudem seien zwei Gruben gefunden worden, bei denen es sich vermutlich um Erdkeller gehandelt habe. „Darin wurden Scherben von leistenverzierter Keramik gefunden, die zu einem filigranen und einem gröber verarbeiteten Gefäß gehören“, schreibt der Sprecher.
Zusätzlich sei auf dem Areal ein größerer Sandstich gefunden worden. „Er deutet auf einen Sandabbau hin – möglicherweise für den Bau der benachbarten Großen Kirche“, erläutert Schatz. Die Funde im wieder verfüllten Sandstich deuten darauf hin, dass der Sandabbau im 18. Jahrhundert zur Zeit des Baus der Großen Kirche stattgefunden haben könnte. Außerdem seien im Aushub einige Gusstiegel gefunden worden, die wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert stammen. „Vermutlich stehen sie in Verbindung mit einer Gießerei in Leer“, so Schatz.
Nadel am Garrelschen Garten entdeckt
Ein weiterer außergewöhnlicher Fund war im Frühjahr bei Baugrunduntersuchungen am Garrelschen Garten geglückt. Das teilte die Stadtverwaltung kürzlich mit. Auf Höhe der Uferpromenade seien Mitarbeiter einer Baufirma bei einer Bohrung in städtischem Auftrag in einer Tiefe von sechs bis sieben Metern auf eine alte goldfarbene Nadel gestoßen.
„Das ist ein besonderer Fund, weil diese sehr kleinen Nadeln eher selten auftauchen“, wurde Dr. Jan F. Kegler, Leiter des Archäologischen Forschungsinstitutes der Ostfriesischen Landschaft, zitiert. Aufgrund der Fundtiefe vermutet er, dass die Nadel aus dem 18. Jahrhundert oder früher stammt. Die Archäologie der Ostfriesischen Landschaft wird der Stadt laut der Mitteilung das Fundstück nach der Untersuchung nunmehr wieder zur Verfügung stellen.