Zwei Regionalligisten kommen „Mister Firrel“ Johannes Poppen kehrt nach Schlaganfall zurück
Samstag Jeddeloh, Sonntag Kickers Emden: GW Firrel hat zwei attraktive Testspiele. Darauf freut sich auch der Klubchef, der über seinen Schicksalsschlag im Februar und langen Kampf zurück spricht.
Firrel - Grün-Weiß Firrel steht ein ganz besonderes Wochenende bevor. Mit dem SSV Jeddeloh (Samstag, 21. Juni, 13 Uhr) und dem BSV Kickers Emden (Sonntag, 22. Juni, 16 Uhr) sind gleich zwei Regionalligisten beim Fußball-Landesligisten zu Gast. „Das sind zwei absolute Kracher“, sagt Johannes Poppen. Der 1. Vorsitzende ist auch der Grund, warum die beiden Partien aus menschlicher Sicht noch viel, viel spezieller sind. Denn nach einem Schicksalsschlag Anfang des Jahres kehrt „Mister Firrel“ nun erstmals auf den, auf „seinen“ Sportplatz zurück.
Am 16. Februar dieses Jahres erlitt der 69-Jährige einen Schlaganfall, einen heftigen. „Meine Frau hat zum Glück sofort reagiert und schnell den Notruf gewählt.“ Es folgten eine Not-Operation im Krankenhaus in Emden und acht Wochen Reha in Bremen. „Ich war halbseitig gelähmt und konnte erst nicht sprechen“, erinnert der Tausendsassa an die erste Zeit nach dem Schlaganfall „Damals hätte ich nie gedacht, dass ich im Juni wieder bei der Zeitung anrufen und für die Spiele werben kann“, erzählt Poppen im Gespräch mit unserer Redaktion.
Viele Hände schütteln
Er ist am Hörer (fast) wieder ganz der Alte, mit klarer, freundlicher Stimme, voller Euphorie für seinen Herzensverein. Auch laufen kann er wieder. „Am vergangenen Sonntag habe ich mit meiner Frau auch eine 35 Kilometer lange Radtour gemacht. Ich bin unendlich dankbar, dass es wieder bergauf gegangen ist.“ Zwischendurch muss er sich aber auch selber manchmal wieder bremsen. Denn natürlich ist er auch noch nicht völlig gesund, zu stark war der Einschlag. „Ich habe schon viel geschafft, muss aber auch noch einen langen Weg gehen.“
Viele kleine und größere Ziele hat er sich gesetzt. Ein weiteres erreicht er nun dieser Tage, die Rückkehr in sein Wohnzimmer – auf den Sportplatz von GW Firrel. Johannes Poppen wird am Wochenende viele Hände schütteln müssen. Zu bekannt ist er als Klubchef, Geschäftsführer von Leffers, Firreler Bürgermeister und Heseler Gemeinderatsmitglied. Und zu lange war er nicht mehr da, noch gar nicht in diesem Jahr. „Ich freue mich sehr und bitte um Nachsicht, dass ich nicht mit allen Leuten ein Bier trinken kann“, sagt Poppen mit einem Augenzwinkern.
Dank an viele Menschen
Die Bühne soll laut Poppen am Wochenende auch den Fußballern gehören, nicht ihm „bei diesen tollen Spielen“, wie Poppen betont. Doch dass sein Comeback natürlich auch viele Menschen bewegt, liegt auf der Hand. „Ich habe in der schwierigen Zeit unfassbar viel Zuspruch von so vielen Menschen bekommen. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Besonders seine Frau Elke und die restliche Familie waren natürlich ein besonderer Anker.
Am 9. April kehrte er dann nach Firrel zurück, nach Hause. Stück für Stück kämpfte er sich weiter in den Alltag zurück, der ihn nun auch wieder auf den Sportplatz führte. Am Donnerstagabend schaut er schon mal beim Trainingsauftakt der Landesliga-Kicker vorbei. Er ist stolz, dass die Infrastruktur auf dem Gelände weiter verbessert wurde. „Der Vorstand hat die vergangenen Monate tolle Arbeit geleistet. Ich bin froh, dass wir so engagierte Leute bei uns haben.“
Das schnelle Wiedersehen
Sie sorgen nun dafür, dass der Dorfklub am Wochenende zweimal größere Zuschauerkulissen in Empfang nehmen darf. Die Partie gegen den SSV Jeddeloh am Samstag hat Firrels spielender Co-Trainer und Sportlicher Leiter Julian Bennert eingefädelt. Das Spiel gegen seinen Ex-Klub steht schon länger fest. Mit Felix Bohe und Bastian Schaffert sind auch zwei langjährige Jeddeloher nun zum Landesligisten gewechselt. Auf SSV-Seite spielt mit Lukas Koch seit einem Jahr ein Ex-Firreler, auch Torwarttrainer Ralf Potthoff hat eine Firrel-Vergangenheit.
Die Partie gegen Kickers Emden kam dagegen kurzfristiger zustande. „Wenn man die Möglichkeit hat, gegen Kickers zu spielen, macht man das. Das ist eine tolle Geschichte für uns und Ostfriesland, dass das erste Kickers-Testpiel bei uns sein wird“, freut sich Johannes Poppen. Der Regionalliga-Vizemeister startet an diesem Freitag mit einem Kurz-Trainingslager in die intensive Vorbereitung, reist am Sonntag direkt aus Ankum (Landkreis Osnabrück) nach Firrel.
Karten für St. Pauli
Dort werden an der Tageskasse auch Stehplatztickets (zehn Euro) für das Supercup-Spiel gegen den Bundesligisten FC St. Pauli verkauft. Das findet am Sonntag, 6. Juli, in Aurich statt.
Doch eines nach dem anderen – auch für Johannes Poppen persönlich. „Ich bin demütig und dankbar“, sagt der 69-Jährige, der angesichts seines Schicksalsschlags und des langen Weges zurück am Ende des Telefongespräches noch betont: „Ich halte es mit Uli Hoeneß: Das war es noch nicht.“